Interview

Solinger rechtfertigt Bluttaten

Jürgen Todenhöfer (l.) im Interview mit dem Solinger Konvertiten Christian Emde (r.), alias Abu Qatadah. Emde habe während Todenhöfers Aufenthalt in Syrien stets zwei Waffen bei sich getragen. Foto: Frédéric Todenhöfer
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Jürgen Todenhöfer (l.) im Interview mit dem Solinger Konvertiten Christian E. (r.), alias Abu Qatadah. E. habe während Todenhöfers Aufenthalt in Syrien stets zwei Waffen bei sich getragen.

Das Interview Jürgen Todenhöfers mit dem IS-Kämpfer sorgt für Aufsehen - und Entsetzen.

Von Hans-Peter Meurer

Knapp 14 Minuten interviewte der Münchner Buchautor und Journalist Jürgen Todenhöfer den Solinger Konvertiten und Dschihadisten Christian E. im syrischen Mossul. Nachdem bereits der amerikanische TV- Sender CNN vor Weihnachten Ausschnitte gesendet und das ST darüber exklusiv berichtet hatte, strahlte gestern Nacht RTL den Film erstmals in voller Länge aus. Und das sorgte bundesweit für Aufsehen, weil mit Christian E. (30) erstmals ein deutscher Kämpfer der Terror-Miliz in derart erschreckender Weise die Ziele des so genannten Islamischen Staates darstellte.

E. scheute sich nicht nur, die Morde an Journalisten, die Versklavung von Frauen, die Tötung Andersgläubiger und die Vertreibung der schiitischen Bevölkerung im Irak und in Syrien zu rechtfertigen, sondern kündigte auch die brutale Durchsetzung der IS-Ziele in Europa an. E. kündigt im Interview zudem die „notwendige“ millionenfache Tötung Andersgläubiger an. Und man werde auch den Islamischen Staat nach Europa tragen: „Wir werden nicht freundlich sein, wir werden mit Waffen kommen!“

Autor Jürgen Todenhöfer (74) schilderte gestern im ST-Gespräch, warum er das Risiko seiner zehntägigen Reise auf sich nahm: „Ich will ein Buch schreiben und musste daher wissen, wer der Islamische Staat ist, was und wer dahinter steckt. Denn nur wer seine Feinde kennt, der kann ihnen auch begegnen.“

Bereits im Frühjahr 2014 habe er übers Internet Kontakt zu 80 Dschihadisten aus Deutschland aufgenommen. Diese seien zwar zum Heiligen Krieg in den Nahen Osten gezogen, hätten aber weiterhin über Facebook agitiert. „15 haben geantwortet, wenige sind schließlich übrig geblieben.“ Darunter sei auch Christian E. gewesen, über den er im Vorfeld der Reise auch die Sicherheitsgarantie des Kalifen von Mossul erhalten habe. E., der nur noch Abu Qatadah genannt werden will, sei, so die Erkenntis Todenhöfers, inzwischen „eine feste Größe“ im ausgerufenen Islamischen Staat: „Er gehört zum festen Medienstab der IS.“

Todenhöfer weiter über E.: „Er ist ein überaus intelligenter Dogmatiker, der sehr belesen ist und außergewöhnliche historische Kenntnisse besitzt. Und er ist einer, der stets bedingungslos die Meinung des Kalifen vertritt.“

Zwei Solinger sollen schon ihr Leben verloren haben

Der Münchner traf in der Drei-Millionen-Stadt Mossul dann persönlich den Solinger, der im Sommer 2013 mit einer zehnköpfigen Gruppe – alles Mitglieder der damals schon verbotenenen Moscheegemeinde „Millatu Ibrahim“ – über Ägypten und Libyen in den Irak und nach Syrien ging, um zu kämpfen.

CHRISTIAN E. WERDEGANG Der Aufderhöher konvertierte 2003 zum Islam. Er wurde 2011 bei der Einreise nach England verhaftet. Er erhielt 16 Monate Haft, weil er unter anderem eine Anleitung zum Bombenbau bei sich führte. Heute ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen ihn.

Zwei Solinger sollen schon ums Leben gekommen sein, darunter auch Konvertit Robert Baum, jahrelanger Weggefährte E.. Dies habe Todenhöfer in Syrien gehört. Erschrocken sei er über die unbändige Motivation der IS-Kämpfer: „Die sind noch gefährlicher und brutaler, als ich angenommen habe.“

Der Islamische Staat, so der Münchner, weise inzwischen eine Fläche auf, die größer sei als Großbritannien. Jürgen Todenhöfer: „Dieser Staat ist viel stärker und organisierter als ich angenommen hatte. Und das erschreckt mich zutiefst.“

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