Solinger Museum

Zentrum für verfolgte Künste stellt 2024 in Venedig aus

Birte Fritsch und Jürgen Kaumkötter vom Zentrum für verfolgte Künste besuchten in Venedig den Ort für die Ausstellung zur Biennale 2024.
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Birte Fritsch und Jürgen Kaumkötter vom Zentrum für verfolgte Künste besuchten in Venedig den Ort für die Ausstellung zur Biennale 2024.

Das Zentrum für verfolgte Künste plant die Teilnahme an der Biennale, der wichtigsten Schau für zeitgenössische Kunst.

Aus Venedig berichtet Philipp Müller

Mit einem großen Team ist das Solinger Zentrum für verfolgte Künste seit Dienstag in Venedig in Gesprächen, um Teil der Biennale 2024 zu werden. Zentrumsdirektor Jürgen Kaumkötter ist sicher, dass das auch klappen wird. Mit im Boot in Venedig ist die Boris-Lurie-Stiftung: Der 100. Geburtstag des von den Nazis verfolgten Malers, Autors und Aktionskünstlers ist die Basis für die Teilnahme. Die Stiftung hat das Zentrum mit der Durchführung beauftragt, 2024 Kunst von Lurie zu zeigen.

Die Biennale 2022 wird am kommenden Wochenende offiziell eröffnet. Das Zentrum hat daher den Termin für die Reise in die Lagunenstadt gut gewählt. Jetzt ist es möglich, mit den Machern und Orten der international wichtigsten Schau für zeitgenössische Kunst die Verträge zu machen und sich zu bewerben. Am Dienstag schaute sich die Delegation des Zentrums die Scuola Grande Giovanni Evangelista an. Dort soll die Ausstellung rund um Boris Lurie 2024 stattfinden. Der in Venedig lebende Architekt Michael Klopfer wird die Leitung des Aufbaus und Teile der Organisation übernehmen. Die Zentrumskuratorin Birte Fritsch lobte, dass die Scuola sehr zentral liege und viele Besucher anziehen werde.

„Das ist für uns eine große Chance, das junge Museum zu präsentieren.“

Jürgen Kaumkötter, Direktor

Zum Team gehört etwa der Kunsthistoriker und Kurator Eckhart Gillen. Er stellte bereits den Katalog zur geplanten Ausstellung vor, der auf einer Ausstellung im Zentrum zu Boris Lurie basiert. Der Publizist Prof. Dr. Marcus Stiglegger ist ebenfalls in Venedig dabei. Er wird die Kunst von Boris Lurie erklären.

Der Aufwand ist notwendig, denn das Zentrum wird 2024 nicht automatisch Teil der eigentlichen Biennale sein. Es gehört zur Tradition der Biennale, dass in Venedig selbst in jeder Galerie, in jedem Palazzo, jedem kleinen oder großen Museum ein Rahmenprogramm stattfindet. „Allein dafür zahlen wir 50 000 Euro als eine Art Teilnahmegebühr, falls wir angenommen werden“, erklärte Jürgen Kaumkötter. Eine Entscheidung der Leitung der Biennale wird für das kommende Jahr erwartet.

Aber Venedig werde auf jeden Fall stattfinden, sagte der Direktor. Am morgigen Donnerstag unterschreibt er den Mietvertrag für das historische Gebäude – das liegt trotz der Summe von 120 000 Euro im Bereich des Machbaren, weil die Boris-Lurie-Stiftung einen Großteil des Budgets stellt. Gertrude Stein, Präsidentin der Stiftung mit Sitz in New York, gestaltet die Schau zusammen mit Kaumkötter.

Interview vor dem geschlossenen russischen Pavillon im Giardini

Die Bezeichnung Rahmenprogramm ist dabei deutlich untertrieben. Was Rang und Namen hat, trifft sich in Venedig zur laufenden Biennale. Das sei für das Zentrum ein wichtiger Termin und eine Auszeichnung, in zwei Jahren daran überhaupt teilnehmen zu dürfen, erläutert der Zentrumsdirektor: „Das ist für uns eine große Chance, das junge Museum zu präsentieren.“

Vor Ort hat das Team den Palazzo Albrizzi angemietet. Dort findet am Dienstagabend der Start des Wortfestivals „L’chaim – auf ein Wort“ (siehe unten) statt. Dabei gab es eine Lesung mit der Schriftstellerin Olga Grjasnowa. Zugleich wurde vor geladenen Gästen das Lurie-Projekt für 2024 vorgestellt. Das Tageblatt berichtet am Donnerstag ausführlich von dieser Veranstaltung.

In Venedig wird aktuell die Kulisse der Biennale am zentralen Ort des Giardini für weitere Vorbereitungen genutzt. Das Wortfestival „L’chaim“ ist auch Teil des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, welches das Zentrum mit der Online-Ausstellung „seven-places.org“ begleitet. Sylvia Löhrmann, die Generalsekretärin des Vereins, wird in Venedig für ein Video interviewt und wird sich mit Olga Grjasnowa unterhalten. Das soll vor dem geschlossenen russischen Pavillon im Giardini stattfinden und so den aktuellen Bezug zum Krieg in der Ukraine herstellen.

Noch bis Freitag wird das Zentrum für verfolgte Künste die Gespräche und Vorbereitungen zur Biennale 2024 fortsetzen.

Das Wortfestival in Solingen

Veranstaltungen: Das Wortfestival, das am Montag in Venedig eröffnet wurde, wird im Zentrum für verfolgte Künste, Wuppertaler Straße 160, im Mai als Salonveranstaltung fortgesetzt.

Termine: Für den 10. Mai wird der aktuelle Buchpreisträger der Leipziger Buchmesse, Tomer Gardi, zusammen mit Olga Grjasnowa erwartet. Das Zentrum hat angekündigt, das sämtliche Autoren am 10., 17. und 24. Mai Bezug zum Krieg in der Ukraine nehmen und jüdische Literatur vorstellen.

Tickets: Karten für 12 Euro (ermäßigt 6 Euro) sind in allen ST-Geschäftsstellen und online erhältlich. Es gibt ein Kombiticket unter info@verfolgte-kuenste.de – für alle drei Veranstaltungen zum vergünstigten Preis von 30 Euro (ermäßigt 15).

termine.solinger-tageblatt.de

Standpunkt: Zentrum spielt global mit

Von Philipp Müller

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Den großen Wurf für die Zukunft plant das Zentrum für verfolgte Künste. In der Kunstszene ist Venedig mit seiner Biennale der wichtigste Treffpunkt in Europa – wenn nicht sogar weltweit. Seit Jahren baut der Direktor des Museums, der Kunsthistoriker Jürgen Kaumkötter, sein internationales Netzwerk aus. Das trägt nun Früchte. Mit der New Yorker Boris-Lurie-Stiftung läuft für Venedig eine Kooperation, die viel Geld kostet. Das soll dem jungen Museum vor allem Ansehen verleihen. Kaumkötter und sein Team sind sicher, mit den weltweiten Spielern auf dem Ausstellungsmarkt 2024 gut bis sehr gut mithalten zu können. Kommt das so, färbt das auch auf Solingen ab, wo das Zentrum seinen Sitz hat. Mehr Beachtung hat die Arbeit des Zentrumsteams schon lange verdient. Verfolgte Kunst und ihre Akteure sind in Kriegszeiten aktueller denn je. Die große Präsenz des Zentrums in Venedig belegt, wie ernst es dem Museum mit dem Vorhaben ist, künftige Schritte nicht nur national und international zu gehen, sondern zur wichtigen Marke im Museumsbetrieb zu werden.

Passend zum Thema: Zentrum für verfolgte Künste zeigt Erstausgaben von Heinrich Mann

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