Pandemie

Solinger machen nur zaghaft Urlaubspläne

Erich Jacobi vom Reisebüro „Meer Holiday“ in Wald beobachtet eine leichte Zunahme bei den Buchungen, obwohl seine Kunden wegen der Corona-Pandemie noch sehr zurückhaltend seien. Foto: Christian Beier
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Erich Jacobi vom Reisebüro „Meer Holiday“ in Wald beobachtet eine leichte Zunahme bei den Buchungen, obwohl seine Kunden wegen der Corona-Pandemie noch sehr zurückhaltend seien.

Reisebüros verspüren trotz Pandemie eine leichte Zunahme bei den Urlaubs-Buchungen.

Solingen. Die Impfrate in der Klingenstadt steigt stetig, die Zahl der Neuinfektionen sinkt und viele Solinger machen sich wohl auch deshalb Hoffnungen, doch noch in diesem Jahr eine Urlaubsreise machen zu können. Im Rahmen der Möglichkeiten dürfte das wohl auch die von der Corona-Pandemie schwer gebeutelte Reisewirtschaft begrüßen, die im vergangenen Jahr nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) einen historischen Verlust von mehr als 80 Prozent zu verzeichnen hatte. Nach einer aktuellen Umfrage des DRV rechnet die große Mehrheit der Reisebüros in diesem Jahr mit Umsätzen bis maximal 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auch Andreas Hund, Büroleiter beim TUI-Reisecenter am Neumarkt, beobachtetet ein eher zaghaftes Buchungsverhalten bei seinen Kunden: „Momentan sind die Anfragen wegen Stornierungen oder Umbuchungen weitaus höher als Anfragen für Neubuchungen. Die Einschränkungen und Maßnahmen rund um die Corona-Pandemie sind in den Beratungsgesprächen schon das beherrschende Thema.“ Besonders gefragt seien Reiseziele wie die balearischen Inseln Mallorca, Menorca oder Ibiza, aber auch Griechenland, speziell Kreta, ziehe wieder Touristen an. „Die Inzidenzwerte sind dort teilweise inzwischen ja sehr niedrig, auf Mallorca liegt er momentan unter 50.“ An einigen Orten wie beispielsweise Kreta benötigten Geimpfte auch keinen PCR-Test mehr, wenn sie einen Impfnachweis erbringen.

Umfrage: Diese Urlaubspläne haben die Solinger

„Geplant war eine Reise nach Sardinien. Ich bin optimistisch, dass das bis Ende September möglich ist“, sagt Martin Idelberger, Sprecher der Stadtsparkasse.
„Geplant war eine Reise nach Sardinien. Ich bin optimistisch, dass das bis Ende September möglich ist“, sagt Martin Idelberger, Sprecher der Stadtsparkasse. © Michael Schütz
„Ich habe keine Urlaubspläne. Man muss vernünftig und vorbildlich sein“, sagt Gisela Elbracht-Iglhaut, Direktorin des Kunstmusems Solingen.
„Ich habe keine Urlaubspläne. Man muss vernünftig und vorbildlich sein“, sagt Gisela Elbracht-Iglhaut, Direktorin des Kunstmusems Solingen. © Tim Oelbermann
„Ich werde zu Hause bleiben und vielleicht kleine Ausflüge in die Natur unternehmen“, sagt Daniel Huppert, Generalmusikdirektor der Bergischen Symphoniker.
„Ich werde zu Hause bleiben und vielleicht kleine Ausflüge in die Natur unternehmen“, sagt Daniel Huppert, Generalmusikdirektor der Bergischen Symphoniker. © Christian Beier
„Ich plane kurzfristig. Gedanklich stelle ich mich darauf ein, Urlaub im eigenen Land zu machen“, sagt die Solinger Polizeichefin Claudia Schepanski.
„Ich plane kurzfristig. Gedanklich stelle ich mich darauf ein, Urlaub im eigenen Land zu machen“, sagt die Solinger Polizeichefin Claudia Schepanski. © Christian Beier
„Ich würde gerne an die Ostsee fahren oder ein entspanntes Wochenende in Basel verbringen“, sagt Buchhändler Stefan Decken.
„Ich würde gerne an die Ostsee fahren oder ein entspanntes Wochenende in Basel verbringen“, sagt Buchhändler Stefan Decken. © Christian Beier
„Wir buchen immer ein Jahr im Voraus zwei Wochen Wangerooge“, sagt Anna Fröhlich, Direktorin der Grundschule Westersburg.
„Wir buchen immer ein Jahr im Voraus zwei Wochen Wangerooge“, sagt Anna Fröhlich, Direktorin der Grundschule Westersburg. © Michael Schütz
„Wir verbringen unseren Urlaub zu Hause im Garten und machen Radtouren oder Wanderungen“, sagt Karen Leiding vom Solinger Sportbund.
„Wir verbringen unseren Urlaub zu Hause im Garten und machen Radtouren oder Wanderungen“, sagt Karen Leiding vom Solinger Sportbund. © Christian Beier
„Wenn wir ungeimpft sind, bleiben wir zu Hause. Sonst machen wir eine Campertour aufs Land“, sagt Gloria Göllmann von der ISG Ohligs.
„Wenn wir ungeimpft sind, bleiben wir zu Hause. Sonst machen wir eine Campertour aufs Land“, sagt Gloria Göllmann von der ISG Ohligs. © Christian Beier

Ein wichtiges Kriterium für viele Reisewillige sei, dass sie die Reise kurzfristig umbuchen oder stornieren könnten – flexible Tarife machten dies auch möglich. Wenn überraschend eine Reisewarnung im Land des jeweiligen Urlaubsziels ausgesprochen werde, könne die Reise ohnehin kostenlos storniert werden, so Andreas Hund.

Weniger gefragt seien hingegen Reiseziele innerhalb Deutschlands, zumal touristische Übernachtungen aufgrund der bundesweit geltenden Notbremse zurzeit ohnehin verboten sind. „Urlaub in Deutschland ist zwar theoretisch in einigen ausgewählten Modellregionen wie Schleswig-Holstein möglich, das Interesse daran ist aber eher gering.“ Trotz aller Vorsicht nehme die Reiselust bei den Solingern wieder zu, sagt Hund. „Die Leute sitzen auf gepackten Koffern.“

Hotels achten größtenteils sorgfältig auf Hygienemaßnahmen

Auch Erich Jacobi hat in seinem Reisebüro „Meer Holiday“ am Walder Kirchplatz wieder eine zunehmende Nachfrage zu verzeichnen, „wenngleich es ein Bruchteil der Buchungen ist, die wir im Normalfall haben. Grundsätzlich möchten die Leute aber gerne wieder in den Urlaub fahren“. Auch in seinem Geschäft nähmen die Kunden vorzugsweise Kurs auf die Balearen – zudem werde in den meisten Hotels und auch in der Umgebung sorgfältig auf die Einhaltung der Hygieneregeln geachtet. „Zumindest waren unsere Kunden damit bisher sehr zufrieden. Das ist ja auch die Existenzgrundlage der Tourismusregionen.“

Von einigen Reisezielen rät Erich Jacobi zurzeit aber bewusst ab, so etwa von der Türkei: „Dort ist der Inzidenzwert viel zu hoch – dementsprechend gibt es sehr harte Beschränkungen und abends ist alles geschlossen. Allerdings gibt es auch kaum Nachfrage nach Reisen in die Türkei.“ So lange Touristen die Schutzmaßnahmen konsequent einhielten, seien auch Reisen ins Ausland, sofern es dort einen niedrigen Inzidenzwert gibt, relativ risikoarm möglich, ist Erich Jacobi überzeugt. „Ich würde momentan eher nach Mallorca fliegen als nach Remscheid fahren.“ Solingens Nachbarstadt gilt mit einer Inzidenz von zuletzt über 260 noch immer als Corona-Hotspot.

Trotz der aufkeimenden Reiselaune mahnt Professor Dr. Winfried Randerath, Chefarzt der Lungenklinik Bethanien, weiterhin zur Vorsicht. „Die Situation ist noch zu unüberschaubar, um zuverlässig planen zu können. Wer in den Urlaub fahren möchte, sollte sich auf jeden Fall eine Rücktrittsoption offenlassen, falls die Zahl der Neuinfektionen wieder steigen sollte.“ Auch empfehle es sich, den Urlaub möglichst kontaktarm etwa in einem Ferienhaus und innerhalb der Familie zu gestalten. „Wir dürfen das Erreichte jetzt nichts aufs Spiel setzen.“

Reisewirtschaft

Die Bundesregierung hat auch für Reisebüros wirtschaftliche Hilfen auf den Weg gebracht. Der Deutsche Reiseverband (DRV) kritisiert daran aber, dass dafür ausschließlich stornierte Reisen als Berechnungsgrundlage herangezogen wurden. Dies sei aufgrund der ohnehin ausbleibenden Buchungen wenig zielführend, heißt es in einer Mitteilung. Der DRV fordere eine realistische Perspektive für die Reisewirtschaft, „um vom Tropf der Regierung wegzukommen“.

Standpunkt

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Kristin Dowe

Nach mehr als einem Jahr nervenzehrender Corona-Pandemie dürfte die Sehnsucht nach einer Auszeit bei vielen Solingern groß sein. Ebenso groß ist aber auch die Verunsicherung, ob eine Urlaubsreise unter den gegebenen Umständen überhaupt vertretbar ist, wenngleich das Tempo beim Impfen anzieht und Deutschland bei der Bekämpfung der Pandemie insgesamt auf einem guten Weg zu sein scheint. Die Entscheidung für oder gegen eine Reise muss jeder individuell treffen, und eine Patentlösung gibt es nicht. Fest steht aber wohl, dass Reisewillige ihren Urlaub gut planen und sich mit den geltenden Hygienebestimmungen vor Ort sowie dem jeweiligen Inzidenzwert am Reiseziel auseinandersetzen sollten. Auch einen Plan B sollte man in diesem Jahr auf jeden Fall in der Tasche haben – für den Fall, dass die Zahl der Neuinfektionen doch wieder überraschend in die Höhe schießen sollte. Vorbei ist die Pandemie nämlich leider noch lange nicht. Gleichzeitig bemühen sich die vielen Akteure in der Tourismusbranche um gute Hygienekonzepte, um sicheres Reisen zu ermöglichen. Auch sie verdienen eine faire Chance. Denn urlaubsreif sind wir inzwischen wohl alle.

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