Mittelamerika

Solinger liebt die Herzlichkeit in Jinotega

Der in Berlin und Solingen arbeitende Fotograf Tilman Vogler hat einen Kalender mit Motiven seiner Reise in die Partnerstadt Jinotega in Nicaragua herausgebracht. Foto: Christian Beier
+
Der in Berlin und Solingen arbeitende Fotograf Tilman Vogler hat einen Kalender mit Motiven seiner Reise in die Partnerstadt Jinotega in Nicaragua herausgebracht.

Fotograf besuchte die Partnerstadt in Mittelamerika. In der VHS stellt er zurzeit Fotos der Reise aus.

Von Philipp Müller

Durch einen Freiwilligendienst lernte Tilman Vogler als frischer Abiturient des Humboldtgymnasiums 2008 Jinotega in Nicaragua kennen. Zugleich die Arbeit des Solinger Fördervereins. Die Menschen hätten in damals beeindruckt. Aber auch Anfang des Jahres. Da reiste er für eine Reportage zwei Monate durch Nicaragua.

Er war kritisch dem von Staatschef Daniel Ortega favorisierten und vorangetriebenen Kanalprojekt von 278 Kilometer Länge auf der Spur. Die Wasserstraße soll dem Panama-Kanal Konkurrenz machen, dem Entwicklungsland zu neuer Blüte verhelfen. „Das ist aber alles sehr dubios“, schätzt Vogler als Ergebnis seiner Recherchen die Zukunftsfähigkeit der Idee ein.

Die Liebe zu Nicaragua hat seinen kritischen Blick nicht getrübt

Doch beim Besuch stellte er auch fest, dass das sozialistisch orientierte Land auf autokratische Strukturen zusteuere. Das ändere aber nichts an seiner Liebe zum Land und vor allem zu den Leuten. Auch und besonders in Jinotega. Mit der Kamera erzählt er ihre Geschichten. Diese Bilder sind besonders ausdrucksstark in der Ausstellung, die Tilman Voglers Fotografien noch bis zum 31. Oktober in der dritten Etage des VHS-Gebäudes an der Mummstraße in den Clemens-Galerien zeigt. Nicht nur das. Der wechselnd in Berlin und Solingen lebende Fotograf hat dazu auch einen Kalender für das Jahr 2017 (» Kasten) erstellt, der bereits im Verkauf ist.

Zur Fotografie kam Vogler mit einer Spiegelreflexkameras seines Vaters. „Das muss so im Jahr 2004 gewesen sein“, erinnert sich der heute 28-Jährige. 2007 kam die erste Digitalkamera dazu. „Da konnte ich sofort kontrollieren, wie die Bilder geworden sind und mich so schnell verbessern.“ Später arbeitete er im Rahmen eines Praktikums sogar in Australien. Seine Freundin stammt aus diesem Land. Nach Frankreich, Spanien und auch Asien führte ihn schon sein Weg. Studiert hat er auch. Politikwissenschaft mit Abschluss. Aber das sei es für ihn nicht. Der Blick durch die Linse und das Gespräch mit Menschen sind ihm wichtiger.

Als Hochzeitsfotograf verdient er sein Geld in Berlin und Solingen

Als Broterwerb hat er sich auf Hochzeitsfotografie spezialisiert. Zwar gebe es in Berlin, wo er rund zwei Drittel des Jahres verbringt, eine Vielzahl an konkurrierenden Fotografen. „Aber es gibt auch unzählig viele Brautpaare“, sagt er lachend zum Geschäftserfolg. Auch in Solingen ist er damit tätig.

Dann kommt er nochmals auf Jinotega zu sprechen. „Die unfassbare Herzlichkeit und fast grenzenlose Offenheit im Privatgespräch der Menschen ist überwältigend“, erzählt er. Gerade in diesen intimen Momenten bekäme er auch mit, wie die Bewohner des Landes und der Partnerstadt über die politische und soziale Situation denken. „Das ist oft sehr einfach in den Antworten, oft auch nicht sehr differenziert, denn das Bildungsniveau ist sehr niedrig“, hat er festgestellt. Da habe eben ein durch Wahlbetrug an die Macht gekommener Bürgermeister leichtes Spiel, sich wie ein Pascha aufzuführen. Auch für Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) sei es zunehmend schwierig, direkte Entwicklungshilfe zu leisten. Umso mehr bewundert er das Engagement von Stadt und Förderverein, abseits der politischen Strukturen in Jinotega den Menschen direkt zu helfen.

Das alles betrachtet er gerne mit der Distanz des Fotografen, der auch schreibt. „Eine gute Bildsprache entsteht nur, wenn man mit den Menschen gut umgehen kann“, ist das Credo seiner Arbeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Solinger Fabrik für Schneidwaren erweitert Produktionsfläche
Solinger Fabrik für Schneidwaren erweitert Produktionsfläche
Solinger Fabrik für Schneidwaren erweitert Produktionsfläche
Selbstgebaute Stromleitung brennt – Kriminalpolizei ermittelt
Selbstgebaute Stromleitung brennt – Kriminalpolizei ermittelt
Selbstgebaute Stromleitung brennt – Kriminalpolizei ermittelt
Erneut Gewaltvorwürfe in Solinger Kitas
Erneut Gewaltvorwürfe in Solinger Kitas
Erneut Gewaltvorwürfe in Solinger Kitas
A3 und A46: Ab heute Abend nur je eine Spur frei
A3 und A46: Ab heute Abend nur je eine Spur frei
A3 und A46: Ab heute Abend nur je eine Spur frei

Kommentare