Die Woche von  Stefan M. Kob

Solinger Klinikum: Der Masterplan muss weitergehen – gerade jetzt

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stefan.kob@solinger-tageblatt.de

Weil uns die Corona-Keule mit voller Wucht getroffen hat, spüren wir die anderen Schmerzpunkte der Vergangenheit zurzeit nicht mehr.

Gleichwohl sind sie deshalb nicht von allein verschwunden, sondern holen uns irgendwann umso peinigender wieder ein.

Das beste Beispiel ist das Solinger Klinikum. Die Zukunft des schwer defizitären Hauses galt schon als die Schicksalsfrage des Jahres 2020, nicht zuletzt wegen der Kommunalwahlen im September. In der Tat wurde durch den gescheiterten Plan einer Kooperation mit dem Klinikum Leverkusen, das ebenfalls in schwerer See schlingert, sehr viel Zeit und noch mehr Geld versenkt, während sich die Problemberge weiter auftürmten. Zum Schluss wurde die Parole eines Masterplans ausgerufen, um sich aus eigener Kraft und mit einer Investition von 100 Millionen Euro wieder aus den roten Zahlen zu befreien. Nicht zuletzt angesichts der gewaltigen Summen zweifelten viele an dem Erfolg des ambitionierten Plans, nicht zuletzt die Bezirksregierung. Die Kommunalaufsicht, die den Millionenkredit genehmigen müsste, sieht Solingen als „überversorgt“ an und wies auf Anfrage des ST darauf hin, dass „jeder Fachbereich, der derzeit im Städtischen Klinikum Solingen vorgehalten wird, in einer überschaubaren zeitlichen Entfernung auch in einem anderen Krankenhaus vorhanden ist“. Ob die Kommunalaufsicht ihre steile These angesichts der heutigen Situation wiederholen würde, ist wohl eher unwahrscheinlich. Denn heute ist man heilfroh, das gut ausgerüstete Haus in die Katastrophenplanung einbeziehen zu können. Denn nur dort lassen sich Kapazitäten hochfahren, wo es überhaupt welche gibt. Wenn es je einen Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines eigenen Klinikums für eine Großstadt wie Solingen gegeben hat, dann dürfte er mit der Corona-Krise endgültig beseitigt sein. Doch schon werden erste Stimmen laut, die ein Ende des Sanierungskurses fordern in dem Irrglauben, die Stadt solle ihre Tochter einfach mit mehr Geld unterstützen und dann könne man einfach weiter wirtschaften wie früher. Nichts wäre dümmer und fahrlässiger, als jetzt den Masterplan aufzugeben. Denn so paradox es klingt: Nie standen die Chancen besser, dass er tatsächlich gelingen kann.

Zum einen setzt sich auf breiter Front die Erkenntnis durch, dass wir unser Gesundheitssystem nicht nur unter marktwirtschaftlichen Aspekten gnadenlos auf höchste Effizienz trimmen können. Das mag in ruhigen Zeiten ausreichend sein, aber im Falle einer Pandemie oder sonstigen Katastrophe direkt in den Abgrund führen. Dafür reicht ein Blick in die unmittelbare Nachbarschaft wie Italien, Spanien oder England. Daher wird die Bereitschaft, künftig örtlich medizinische Kapazitäten mit einem Sicherheitsaufschlag zu finanzieren, eher steigen.

Zum anderen stellen die Verantwortlichen in Solingen offenbar mit einigem Erstaunen fest, dass wir hier sogar drei starke Krankenhäuser haben, die jetzt in der Not plötzlich merken, wie wunderbar man sich ergänzt und stärkt, wenn man es nur will. Beziehungsweise: muss. Denn in Sonntagsreden war der Wille zur Kooperation stets da. Doch in der Praxis passierte herzlich wenig. Das ist nun schlagartig anders. „Vielleicht wird uns die Krise stärken, diese gute Zusammenarbeit künftig so fortzuführen“, hofft Bethanien-Chefarzt Prof. Dr. Winfried Randerath. Wenn sich diese Hoffnung erfüllt, dann hätte die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg etwas Gutes gehabt.

TOP Firma spendet 660 Liter dringend benötigtes Desinfektionsmittel.

FLOP Dürftige Ration Schutzkleidung für Arztpraxen.

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