Acht Jahre Chef

In der Solinger FDP war jahrelang „alles Müller“

Ulrich G. Müller setzt sich seit Jahren für seine Stadt Solingen ein. Über aktuelle Themen kann er sich noch immer aufregen. Foto: Christian Beier
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Ulrich G. Müller setzt sich seit Jahren für seine Stadt Solingen ein. Über aktuelle Themen kann er sich noch immer aufregen.

Der langjährige Parteichef und Fraktionsvorsitzende Ulrich G. Müller verabschiedet sich aus der Politik.

Von Andreas Tews

Solingen. War ein Ansprechpartner des FDP-Kreisverbandes gefragt oder ein Statement der FDP-Ratsfraktion, führte jahrelang kein Weg an Ulrich G. Müller vorbei. Bei der Partei sei „alles Müller“ hieß es angelehnt an den Werbespot eines Molkereiprodukteherstellers. Bis zum Ende der heute endenden Wahlperiode war der 78-Jährige Vorsitzender der FDP-Ratsfraktion. Jetzt verabschiedet er sich aus der Politik – nach 18 Jahren an vorderster Front.

Müller ist eines von 34 Ratsmitgliedern, die entweder nicht wieder zur Wahl antraten oder nicht wiedergewählt wurden. Unter diesen gehört er zu einer der prägendsten politischen Figuren des zu Ende gehenden Jahrzehnts.

In den 56 Jahren seit seinem Eintritt in die FDP hat er viele Höhen und Tiefen erlebt. Freidemokrat sei er aus Überzeugung geworden, erklärt er. Dies sei nicht zuletzt auf sein liberales Elternhaus zurückzuführen. Entscheidend sei für ihn auch gewesen, dass die FDP eine „echte Mittelstandspartei“ gewesen sei.

Dabei hat es Müller in der Partei nicht immer leicht gehabt. Heute gehört er zwar auch zu den Mahnern, die darauf hinweisen, welch großer Erfahrungsschatz dem Stadtrat mit dem Ausscheiden von fast zwei Dritteln seiner Mitglieder verloren geht. Im Rückblick gesteht er aber ein, dass auch er einmal zum Parteinachwuchs gehört habe, der gerne angeeckt sei.

Mehrmals habe er Seminare der FDP-nahen Theodor-Heuss-Akademie besucht. Dort stieß er auf die große politische Welt – Referenten, die bei der Unesco tätig waren oder Bundespolitiker wie Hans-Dietrich Genscher. Mit dem späteren Bundesaußenminister habe er zum Beispiel über Naturschutz diskutiert und über das Prinzip, dass Verursacher von Umweltschäden für deren Regulierung aufkommen müssten. Solche Standpunkte seien später – 1971 – in die Freiburger Thesen, das neue Grundsatzprogramm der FDP aufgenommen worden, sagt Müller nicht ohne Stolz.

„In der Politik muss man oft sehr dicke Bretter bohren.“

Ulrich G. Müller (FDP)

Mit solchen Erfahrungen und Ideen kam Müller von der Akademie aus Gummersbach zurück und stieß auf Politik-Urgesteine wie Werner Helbig und Walter Freund. „Umweltpolitik war in der FDP damals ein schwieriges Thema“, schildert Müller. Damals habe er gelernt, dass politische Arbeit bedeute, dicke Bretter zu bohren. Müller: „Schnelle Lösungen sind oft nicht möglich. Dafür braucht man Wissen und Geduld“, sagt er auch mit Blick auf die heutige „Fridays for Future“-Bewegung.

Bei seiner Arbeit als Fraktionsvorsitzender habe er davon profitiert, dass er mit allen Beteiligten auch aus den anderen Parteien sprechen konnte. „Mir war es wichtig, mit breiten Mehrheiten wesentliche Dinge zu verabschieden und dabei eigene Ideen einzubringen“, schildert der Freidemokrat. Allerdings schwand das Gewicht der FDP. Anfangs hatte sie noch acht Sitze im Rat, jetzt sind es nur noch drei.

Unumstritten war Müller nicht immer. Bei seiner erneuten Wahl zum Kreisparteichef nach drei Jahren Pause setzte er sich 2014 nur knapp gegen den Konkurrenten Jörg Neuhaus durch. Der Vorwurf damals gegen Müller: Er fördere den Nachwuchs zu wenig. Dem widerspricht er. Er habe sich immer bemüht, Jüngere heranzuziehen. Die Zahl derer, die bei der Stange geblieben seien, sei aber überschaubar. 2017 löste ihn Robert Weindl (damals 48) an der Parteispitze ab. Dies geschah im beiderseitigen Einvernehmen, betonten Müller und Weindl damals.

Nach dem Ausscheiden aus dem Rat sucht Müller nach neuen Betätigungsfeldern – eventuell im Bereich des Botanischen Gartens. Auch dem Aufsichtsrat des Paritätischen bleibt er erhalten. Zumindest bis März bleibt ihm auch ein politisches Amt: als einer von vier Solinger Vertretern im Regionalrat der Bezirksregierung Düsseldorf. Irgendwann wird auch damit Schluss sein. Müller: „In einem gewissen Alter ist es an der Zeit.“

Acht Jahre Chef

Stadtrat: Ulrich G. Müller gehört dem Rat seit 2004 an. Die FDP vertrat er unter anderem im Haupt-, (seit 2012), Finanz- (seit 2014) und Stadtentwicklungsausschuss (2009 bis 2015).

Fraktion: FDP-Fraktionsvorsitzender war er seit 2012.

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