Tierschutz

Solinger Jäger wollen mit Drohnen Tiere retten

Jens Hennig (l.) und Ingo Kohllöffel von der Stiftung Tier und Natur Solingen zeigen eine der neuen Wärmebilddrohnen.
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Jens Hennig (l.) und Ingo Kohllöffel von der Stiftung Tier und Natur Solingen zeigen eine der neuen Wärmebilddrohnen.

Die Mahd von Feldern kann für Kitze und Vögel schnell zur Gefahr werden. Moderne Technik soll sie schützen.

Von Kristin Dowe

Solingen. Einstimmig beschlossen hat der Beirat Untere Naturschutzbehörde am Dienstagabend die Genehmigung für den Einsatz von Drohnen in geschützten Gebieten, um dort etwa vor einer Mahd Wildtiere wie Rehkitze und am Boden brütende Vögel schützen zu können. Die Kreisjägerschaft Solingen hatte das Projekt zu Tierschutzzwecken auf den Weg gebracht – und stieß damit im Beirat auf offene Türen. „Das ist eine gute Idee der Solinger Jägerschaft“, lobte Beiratsmitglied Bernd Krebs (CDU) das Vorhaben gegenüber dem Tageblatt. „Die Erfolgsquote muss natürlich beobachtet und evaluiert werden, denn nicht alle Tiere verhalten sich gleich.“

Grundsätzlich ist der Einsatz solcher Flugdrohnen untersagt und muss vom Landesamt für Natur-, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW genehmigt werden. Diese Genehmigung hat die Kreisjägerschaft Solingen nun beantragt – die besonders geschützten Gebiete Ohligser Heide, Krüdersheide und Götsche sollen von den Drohnenflügen ausgenommen werden.

Ruheorte von Tieren werdenbei der Mahd ausgespart

Frank Feller, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Solingen, ist von dem Konzept überzeugt: „Die Zusammenarbeit mit den Landwirten funktioniert sehr gut. Sie geben uns die Bereiche vor, die von einer bevorstehenden Mahd betroffen sind“, erklärt er. So würden die Wiesen in der Regel zum ersten Mal im Frühjahr gemäht, wenn die Ricken ihre Kitze setzen. Mit Hilfe von mit Wärmebildkameras ausgestatten Drohnen werden dann noch am gleichen Tag vor der Mahd am frühen Morgen vorkartierte Flächen abgeflogen, um Rückzugsorte oder, bei Vögeln, Brutstellen der Tiere zu finden. Bei der Mahd werden die entsprechenden Stellen dann ausgespart. Das Projekt wird außerdem von der Stiftung Tier und Natur Solingen unterstützt.

„Wir lassen die Drohnen aufsteigen kurz bevor es hell wird“, so Feller weiter. Die Gefahr, dass ruhende Tiere während der Mahd plötzlich ihren Platz verlassen, sei äußerst gering. „Die Tiere ducken sich instinktiv bei Gefahr und laufen in der Regel nicht weg“, weiß der Jäger.

Um die Flüge durchführen zu dürfen, benötigten die Jäger einen „Drohnenführerschein“, den sie in einer Online-Schulung erwerben. Einige der Jäger hätten diese bereits absolviert. Die Flüge sollen nur auf das erforderliche Maß beschränkt werden – die Einsätze müssen die Jäger zudem dokumentieren und dem LANUV einmal im Jahr Ende Oktober die Ergebnisse berichten.

Die Landesbehörde fördert die Tierschutzmaßnahme auch finanziell: So hat die Kreisjägerschaft Solingen zwei Drohnen für insgesamt 15 000 Euro angeschafft, 11 000 Euro davon übernimmt das LANUV. Eine erste Vorführung der Geräte soll laut Feller im Frühjahr 2023 stattfinden. „Es gibt schon mehrere Teams, die sich aktuell mit dem Thema beschäftigen.“

Den Schutz von Tieren bei der Mahd von Feldern habe man auch früher schon im Blick gehabt – wenn auch mit anderen und weniger erfolgreichen Maßnahmen, erinnert sich Frank Feller. „In der Vergangenheit wurden zum Beispiel Hunde für die Wildwitterung eingesetzt, und ganz früher hat man die Felder vor der Mahd einfach abgeklingelt, damit die Tiere fliehen.“ Dieses Vorgehen sei aber nicht immer von Erfolg gekrönt gewesen. „Da kann man mit den Drohnen schon deutlich präziser arbeiten.“

Da die Jagd bei Tierschützen noch immer als umstritten gilt, hofft Feller, dass Kritiker durch das Projekt ihren Blick etwas weiten. „Den Tier- und Naturschutz begreifen wir Jäger als eine unserer wichtigsten Aufgaben.“

Hintergrund

Förderprogramm: Das Land NRW fördert die Rehkitz-Rettung mit rund 100 000 Euro. Bereits 2021 konnten laut Angaben des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz 663 Kitze mit Hilfe der Drohnen gerettet werden. Das Land hat bei den Förderprogrammen eine hohe Nachfrage bei den Kreisjägerschaften zu verzeichnen, die mit der Technik überwiegend positive Erfahrungen gemacht haben. Generell können pro Kreisjägerschaft zwei Drohnen gefördert werden.

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