Handwerkskammer zeichnete Meisterabsolventen aus

Solinger ist bester Tischler des Jahres

Die Meisterfeier mit (v. l.) Landesinnenmininster Herbert Reul, Mona Neubaur, Bündnis  90-Landesvorsitzende, Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, dem jahresbesten Meister und Solinger Simon Gino Vogler sowie dem Kammerpräsidenten Andreas Ehlert.
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Die Meisterfeier mit (v. l.) Landesinnenmininster Herbert Reul, Mona Neubaur, Bündnis  90-Landesvorsitzende, Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, dem jahresbesten Meister und Solinger Simon Gino Vogler sowie dem Kammerpräsidenten Andreas Ehlert.

Simon Vogler hat die richtige Balance zwischen Auszeit und Spitzenleistung gefunden. So hat er geschafft, der Beste in seinem Handwerk zu werden.

Von Andreas Römer

Solingen. Zwischen Spitzenleistung und Auszeit verläuft das Leben von Simon Vogler. Für seine herausragenden Ergebnisse wurde der Solinger Tischler in diesen Tagen ausgezeichnet: Er gehört zu den prüfungsbesten Meisterabsolventen des Jahres 2021 bei der Handwerkskammer Düsseldorf. Seit einigen Monaten gönnt er sich allerdings eine Auszeit und fährt mit dem Wohnmobil durch Europa.

Nicht das erste Mal macht sich Vogler auf die Reise, auf die Suche nach neuen Menschen. Jedes Mal, wenn er ein bisschen Geld verdient und zurückgelegt hat, zieht es ihn hinaus in die Welt. „Zurzeit kann ich mir nicht vorstellen, mein Leben dauerhaft mit einem Acht-Stunden-Tag Arbeit zu verbringen“, erklärt der 31-Jährige.

Unruhig war er schon als Kind, wie er sich erinnert. Stundenlang stillsitzen in der Schule ging nur schwer. Beim Technikunterricht in der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Solingen blühte er auf. Als 15-Jähriger absolvierte er während der Herbstferien ein Praktikum in der Tischlerei Reuber und konnte im folgenden Sommer bereits seine Ausbildung dort beginnen. „Mir war vor allem der Kontakt zu den Menschen dort wichtig“, erinnert sich der Tischlermeister.

Weiterbildung mal anders: Eine Reise durch Frankreich, Namibia, Asien und Mittelamerika

Nach Anschluss der Ausbildung arbeitete er noch ein Jahr als Geselle, vor allem im Möbelbau und in der Küchenmontage. Dann überkam ihn die Unruhe, er kündigte und machte eine einjährige Reise durch Frankreich. „Ich nenne das meine Art von Weiterbildung“, so Vogler. Neue Menschen, eine andere Kultur, das habe ihn menschlich weitergebracht. Er kam zurück und arbeitet als Tischler mehrere Jahre im Bühnenbau für die Kölner Oper. „Eine spannende und auch lehrreiche Zeit mit interessanten Projekten und tollen Kollegen“, findet Vogler. Aber er fühlte, dass ihn die teils etwas starren Strukturen an seiner weiteren Entwicklung hinderten. Hinzu kam, dass ihm sein Körper mit Mitte zwanzig Signale gab, etwas zu ändern. „Ich erzähle hier niemandem etwas Neues, wenn ich sage, dass handwerkliche Arbeit physisch herausfordernd und belastend sein kann.“

Er nahm ein Jahr unbezahlten Urlaub, arbeitete mehrere Monate in einem Kindergarten in Namibia, reiste nach Asien und Mittelamerika. Unterwegs konnte er auch seine Fähigkeiten als Tischler immer wieder in Tauschgeschäften für Verpflegung und Unterkunft einsetzen.

Nach der Rückkehr war er motiviert, wieder etwas Neues zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Zehn Jahre nach seiner Gesellenprüfung meldete er sich zur Meisterschule. „Konkrete Pläne für eine Selbstständigkeit oder Führung eines Betriebs hatte und habe ich nicht“ sagt Vogler. Er sucht neue Herausforderungen, die ihn reizen, will weg von ausgetretenen Pfaden. „Die Arbeit mit Holz ist meine große Leidenschaft, aber ist für mich nicht alles im Leben.“

Das ist Simon Voglers Meisterstück

Er hängt sich rein, merkt, dass ihn die vielfältigen Themenkomplexe in der Meisterfortbildung, von konkreter Arbeit mit Holz und Maschinen bis hin zu Physik, Buchhaltung und Fragen der Betriebsführung faszinierten. Die Idee zu seinem Meisterstück entwickelt sich während der langen Lernphase. Beim Unterricht in der Meisterschule und auch beim Lernen zu Hause stellte Simon Vogler wieder fest, langes Sitzen ist nichts für ihn. Da lag der Plan nahe, einen ergonomischen Arbeitsplatz zu entwerfen. „Die Schwierigkeit des Stückes lag in den vielen Winkeln und Schrägen sowie den daraus notwendigen handwerklichen Verbindungen“, erklärt der Meister.

Die Möglichkeit, nun auch selbstständig arbeiten und lehren zu können, empfindet er als große Bereicherung, wobei er derzeit noch keine eindeutige Richtung im Kopf hat, wohin die Reise diesmal gehen soll. Fast schon philosophisch sagt der Bestmeister: „Für mich ist es mit dem Arbeitsleben wie mit dem Entwerfen und der Entstehung eines neuen Möbelstückes. Ich frage mich: Welche Anforderungen muss es erfüllen? Was muss es aushalten? Soll es groß und massiv oder beweglich und leicht sein? Der einzige und entscheidende Unterschied ist: Ein Möbelstück muss irgendwann fertig sein und ausgeliefert werden. So ist es mit meinem Arbeitsleben nicht. Ich bin immer interessiert an Veränderung und neuen Erfahrungen im Leben und im Beruf.“

Zur Meisterfeier ist er vom Surfen aus Portugal angereist, in seinem Bus, den er gerade ausbaut. Demnächst hat er einen Auftrag in Brandenburg, was dann folgt? „Da mache ich mir keine Gedanken“, so Vogler. Irgendetwas zwischen Bestleistung und Auszeit wird schon auf ihn warten, da ist er ganz sicher.

Wollen Sie auch eine Auszeit? Lesen Sie auch: Open-Air steigt im Juni in Wald

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