Krieg

Solinger helfen in der Ukraine: „Mit warmem Herzen und klugem Kopf helfen“

Josef Neumann (l.) an der Grenze in Przemysl, wo täglich Tausende Frauen und Kinder ankommen. Die Solinger Delegation (v.l.) Ioana Szymanska, Thorsten Klute, Josef Neumann und Uli Preuss brachte medizinisches Material aus Solingen mit. Abschiedsszenen spielen sich an der Grenze ab, wo die wehrpflichtigen Männer und Väter umkehren. Sachspenden sind in den Auffanglagern derzeit ausreichend vorhanden. Fotos: Uli Preuss
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Die Solinger Delegation (v.l.) Ioana Szymanska, Thorsten Klute, Josef Neumann und Uli Preuss brachte medizinisches Material aus Solingen mit.

Der Landtagsabgeordnete Josef Neumann und Friedensdorf-Botschafter Uli Preuss waren an der polnisch-ukrainischen Grenze.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Den Plan, sich die Lage persönlich vor Ort anzuschauen, um gezielte Hilfe zu organisieren, entwickelte Josef Neumann bei den Kundgebungen am Wochenende. Am Dienstag machte sich der SPD-Landtagsabgeordnete dann auf den Weg Richtung polnisch-ukrainischer Grenze. Neben dem ehemaligen Staatssekretär Thorsten Klute und der in Polen gut vernetzten Ioana Szymanska – wie Neumann beide polnisch-sprachig – war auch der Solinger Uli Preuss mit dabei, der als Friedensdorf-Botschafter Erfahrung mit Hilfsaktionen in Krisengebieten hat.

Abschiedsszenen spielen sich an der Grenze ab, wo die wehrpflichtigen Männer und Väter umkehren.

Mit im Gepäck: mehrere Zentner an medizinischem Material, das die St. Lukas Klinik zusammengestellt hatte, unter anderem Schmerzmittel, Verbandsmaterial und Desinfektionsmittel. Das werde in den Auffangstationen in Polen und in den Kliniken in der Ukraine am dringendsten gebraucht. „Alles andere gibt es in Polen vor Ort“, appelliert Neumann an wohlmeinende Spender. Es sei derzeit keine Hilfe, Lebensmittel, Kleidung oder andere Sachspenden zu schicken. „Der Pullover aus Solingen findet den Weg in die Ukraine nicht.“ Der Krisenstab vor Ort habe der Solinger Delegation versichert, dass die Lager voll seien.

Uli Preuss: Geldspenden helfen den Ukrainern am Meisten

„Wer helfen möchte, kann das am besten mit Geldspenden tun“, erklärt Uli Preuss. Die Hilfsorganisationen erhalten konkrete Listen, was an medizinischem Material notwendig ist. So stelle auch Dr. Christoph Zenses vom Verein „Solingen hilft“ derzeit gezielte Lieferungen mit medizinischen Hilfsgütern für ukrainische Kliniken zusammen.

Zu wissen, welche Hilfe notwendig ist, sei derzeit das Wichtigste. „Und dann muss man mit warmem Herzen und klugem Kopf handeln“, so Josef Neumann. Dafür hat die Delegation aus Solingen Kontakte an der Grenze in Przemysl geknüpft, begleitet von einem Mitarbeiter des dortigen Krisenstabs und dem polnischen Abgeordneten Marek Rzasa.
Hier finden Sie eine Übersicht über die Hilfsangebote in der Region.

„Die Bilder, die wir gesehen haben, vergisst man sein ganzes Leben nicht“, schildert Josef Neumann die Situation an dem Bahnhof der Stadt mit 60 000 Einwohnern, an dem derzeit täglich 30 000 Flüchtlinge ankommen. In den Zügen mit 650 Plätzen seien bis zu 2500 Menschen, die teils 20 Stunden stehend verbracht haben. „Eine Vierjährige ist an der Hand der Mutter völlig erschöpft auf dem Bürgersteig sitzen geblieben“, so Uli Preuss. Und immer wieder dramatische Szenen an der Grenze, zu der wehrpflichtige Männer ihre Frauen und Kinder bringen und sich verabschieden – nicht wissend, ob es ein Abschied für immer ist.

Sachspenden sind in den Auffanglagern derzeit ausreichend vorhanden.

Von Przemysl aus werden die Hilfstransporte organisiert

In dem Grenzort Przemysl wird die Hilfe organisiert, „ruhig und sehr strukturiert“, so Neumann. Dort gibt es Verpflegung und medizinische Versorgung. Und von dort gehen nach der Registrierung Busse und Konvois mit Flüchtlingen nach Breslau, Warschau oder Mittelpolen. „Viele Flüchtlinge kommen auch bei Freunden und Verwandten unter“, skizziert der Landtagsabgeordnete die große Verbundenheit der beiden Länder. Und von Przemysl werden auch die Hilfstransporte organisiert – Zelte, Feldbetten oder Aggregate für die Flüchtlingslager, medizinische Hilfsgüter für die ukrainischen Krankenhäuser, die durch den humanitären Korridor ins Land gehen sollen.

Josef Neumann (l.) an der Grenze in Przemysl, wo täglich Tausende Frauen und Kinder ankommen.

An der Grenze haben Neumann und Preuss viele Gespräche geführt. Etwa mit Ekatherina, die aus Russland stammt, in Berlin lebt und jetzt an der Grenze im Flüchtlingslager hilft, weil die ukrainische und die russische Sprache sich sehr ähnlich sind. Und sie haben versucht, Anlaufpunkte für die 900 Waisenkinder aus Odessa oder die 2000 Kinder, die onkologische Hilfe brauchen, im Westen zu organisieren. Oder für die 19 gehörlosen Menschen, die sie in der zum Schlaflager umfunktionierten Turnhalle getroffen haben und für die ein Kontakt zu einer Gebärdensprachlerin nach Wuppertal hergestellt wurde. „Das Wichtigste ist jetzt, alles für Flüchtlinge bei uns vorzubereiten und mit Geld die koordinierte und spezialisierte Hilfe an der Grenze zu unterstützen“, lautet die wichtigste Erkenntnis des Besuchs.

Flüchtlingshilfe

„Trans-Europa“: Der Verein, dessen Vorsitzender Josef Neumann ist, sammelt Geld für die Flüchtlingshilfe: t1p.de/h359c

„Solingen hilft“: Der Verein von Dr. Christoph Zenses (Vorsitz) und Uli Preuss sammelt Geld für medizinische Hilfsmittel. Gestern ging eine Lieferung nach Absprache mit Ärzten vor Ort in die Ukraine.

www.solingen-hilft.de

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