Glasfasernetz

Solinger haben verhaltenes Interesse an schnellem Internet

Mechthild Ostendarp und Christopher Bolleath (Epcan) mit dem städtischen Breitbandkoordinator, Alexander Osterhold (r.). Foto: Michael Schütz
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Mechthild Ostendarp und Christopher Bolleath (Epcan) mit dem städtischen Breitbandkoordinator, Alexander Osterhold (r.).

In unterversorgten Gebieten winkt ein kostenloser Glasfaseranschluss. Doch die Nachfrage läuft schleppend an.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Schleppend sei die Nachfragebündelung angelaufen, berichtet Nils Waning. Der Geschäftsführer der Epcan GmbH und seine Kollegen erheben derzeit, wie viele unterversorgte Solinger Haushalte Interesse an einem kostenlosen Glasfaseranschluss haben. Bis zu 3300 Privat- und Firmenadressen wären dazu berechtigt. Bislang hat lediglich etwas mehr als ein Viertel einen Vertrag eingereicht. Noch bis zum 1. Oktober ist Zeit, die Zahl zu erhöhen. Waning hält am Ziel, eine Quote von rund 90 Prozent zu erreichen, fest.

20,6 Millionen Euro stellen Land und Bund zur Verfügung, um Solinger Gebiete mit schlechter Internetverbindung ans Glasfasernetz anzuschließen. Im Blick haben sie dabei sogenannte „weiße Flecken“. Dabei handelt es sich um Adressen, an denen eine geringere Datenübertragungsrate als 30 Megabit pro Sekunde verfügbar ist.

Wer sich von den betroffenen Eigentümern für den Anschluss seiner Immobilie entscheidet, erhält diesen kostenlos. Fällt die Entscheidung erst nach Nachfragebündelung und Netzplanung, müssen die Kosten für die Leitung von der Grundstücksgrenze bis ins Gebäude selbst getragen werden.

„Häufig zögern die Menschen, weil sie nicht glauben können, dass ihr Grundstück kostenlos angeschlossen wird“, erklärt Silvana Terdues aus dem Projektteam. Doch genau das ermöglichen die Fördermittel. Mit Epcan im Nachgang einen Vertrag für Internet und Telefonie abzuschließen sei möglich, jedoch nicht verpflichtend. Auch andere Anbieter können die Infrastruktur nutzen. Ebenso kann man den bestehenden Tarif unverändert lassen.

„In den letzten eineinhalb Wochen hat die Nachfrage angezogen.“

Nils Waning, Epcan-Geschäftsführer

Nils Waning hat eine zweite Erklärung parat, weshalb die Nachfragebündelung sich zäh gestaltet. Bei Epcan-Projekten im ländlichen Raum seien ganze Nachbarschaften oder Dörfer weiße Flecken. Das erleichtere die Ansprache. In Solingen liegen die unterversorgten Adressen dagegen verstreut. „Teilweise geht es um einzelne Häuser in ansonsten ausreichend versorgten Gebieten“, berichtet der Geschäftsführer.

Nichtsdestotrotz sind Terdues und Waning hoffnungsvoll, auf der Zielgeraden noch viele Solinger überzeugen zu können. Alle Betroffenen wurden angeschrieben, Infoveranstaltungen fanden statt. Im Coworking-Space Coworkit ist noch an drei Terminen ein Infopoint zu finden. Zudem laufen Epcan-Mitarbeiter unterversorgte Adressen ab und informieren an der Haustür. „In den letzten eineinhalb Wochen hat die Nachfrage angezogen. Wir hoffen, dass es so weitergeht“, sagt Waning.

Im Anschluss an die Nachfragebündelung möchte Epcan unmittelbar mit der Feinplanung starten. Noch in diesem Jahr sollen die Bagger rollen. Wo der Ausbau beginnt, stehe noch nicht fest. Bis Ende 2023 sollen alle geförderten Haushalte mit einem Glasfaseranschluss ausgestattet sein.

Derweil treibt auch die Stadt ihre Bemühungen in Sachen Breitbandausbau voran. Inzwischen seien 17 Gewerbegebiete vollständig ausgebaut, erklärt Breitbandkoordinator Alexander Osterhold. Noch in diesem Jahr soll das Gebiet Röntgenstraße folgen, 2022 Hansa-Quartier und Stöcken 17. Osterhold geht davon aus, dass inzwischen eine dreistellige Zahl an Gewerbekunden ans Glasfasernetz angebunden ist. Noch 2021 soll der Breitbandausbau auch die ersten Kitas erreichen, kündigt die Stadt zudem an. In der ersten Jahreshälfte 2022 sollen alle über schnelles Netz verfügen.

Infopoint

Für weitere Informationen und Details zum geförderten Glasfaserprojekt in Solingen gibt es einen Infopoint im Coworking-Space Coworkit, Gründer- und Technologiezentrum, Grünewalder Straße 29-31 (Haus 4). Die kommenden Termine: Heute, 22. September, sowie Dienstag und Mittwoch, 28. und 29. September, jeweils 10 bis 18 Uhr. Die Verfügbarkeit kann auch online geprüft werden.

www.epcan.de/solingen

Standpunkt

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Manuel Böhnke

Acht Prozent der Solinger Haushalte sind laut Schätzungen der Stadt derzeit ans Glasfasernetz angeschlossen. Hinzu kommen sechs Prozent Glasfaseranschlüsse der Technischen Betriebe in Gewerbegebieten, Schulen und Kindertagesstätten. Nach Abschluss des „Weiße-Flecken“-Programms soll die Zahl der Haushalte mit schnellem Netz immerhin auf ein Fünftel steigen. Im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarländern ist dieser Wert zwar noch immer erschreckend gering. Doch der bevorstehende, von Land und Bund in Millionenhöhe geförderte Ausbau ist immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Diese Chance sollten sich Eigentümer unterversorgter Adressen nicht entgehen lassen. Selbst wenn ein Privathaushalt derzeit keinen Bedarf für schnelleres Netz sieht, steigert ein Glasfaseranschluss doch langfristig den Wert der Immobilie – und die Attraktivität ländlicher Gebiete. Denn dort befinden sich die sogenannten weißen Flecken häufig. Für viele Unternehmen in diesen Regionen ist ein Glasfaseranschluss dagegen keine nette Spielerei, sondern von existenzieller Bedeutung.

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