Projekt

Solinger dreht Dokumentarfilm über Venedig

Bernd Herder in seinem heimischen Filmstudio. Der Monitor im Hintergrund zeigt einen Eindruck aus Venedig. Foto: Christian Beier
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Bernd Herder in seinem heimischen Filmstudio. Der Monitor im Hintergrund zeigt einen Eindruck aus Venedig.

Bernd Herder bekennt seine Liebe zur Lagunenstadt – und erzählt von den Monstern.

Von Philipp Müller

Solingen. Majestätisch hebt sich eine Drohne über die Lagunenstadt Venedig. So beginnt der Film „Weltkulturerbe in Gefahr“ von Bernd Herder aus Solingen. Doch die Luftaufnahmen von Ciara Belisano sind nur der Start in einen filmischen Alptraum der von Touristen geplagten Stadt. „Die Monster kommen.“ Das sagen die Venezianer, wenn die Kreuzfahrtschiffe bis dicht an den Markusplatz fahren. Sie regieren nicht nur die Optik, sie spucken auch tausende Touristen aus, die das Regiment auf den Plätzen, Wegen und in den Kanälen übernehmen. Herders Film läuft Anfang Juni auf dem Deutschen Amateurfilmfestival in der Kategorie „Dokumentation“.

„Die Stadt Venedig ist sterbenskrank.“
Bernd Herder, Filmemacher

Im Film bekennt Herder ein Liebe zu Venedig zu haben. 1970 sei er das erste Mal dort gewesen, erzählt er dem Tageblatt. „Damals hat mich die Stadt sehr beeindruckt.“ 2018 kehrte er in die Lagune zurück und war entsetzt. Vom Massentourismus hatte er gehört. Doch wie es vor Ort aussah, das ließ in ihm den Wunsch wachsen, darüber einen Film zu drehen. Herder gehört dem Solinger Amateurfilmclub an. Der ist im Bundesverband Deutscher Filmautoren organisiert. Herders Film überzeugt beim Landeswettbewerb in Düsseldorf mit einem zweiten Platz, soll es jetzt in Erfurt tun.

Und die Aussichten dürften nicht schlecht sein. Denn die Videoproduktion von 14 Minuten überzeugt nicht nur durch die Bilder. Viele Fakten hatte Herder zusammengetragen. „Ich bin 2018 dreimal in Venedig gewesen und habe an 13 Drehtagen diesen Film erarbeitet. Es war wirklich Arbeit, denn zu den Dreharbeiten war ich alleine in Venedig, alleine mit Kamera, Stativ und Tonaufnahmegerät“, berichtet der Filmamateur. Das sei „Schwerstarbeit“ gewesen. Die dritte Reise, sie fand im Dezember 2018 statt, galt den noch fehlenden Einstellungen. „Der Himmel war wunderbar blau“, erinnert er sich. Fast wie 1970. Und doch hatte er den Kontrast dazu im Verlauf des Jahres gedreht. Bis zu 100 000 Tagestouristen zählt die Stadt, die nur noch von 53 000 Venezianern bewohnt wird. Doch Herder schaute auch in die Ecken der Stadt, dort wo die Einheimischen urbane Normalität dem pulsierenden Lindwurm des Sightseeings entgegensetzen. Weitere Aufnahmen von wütenden Protesten mit kleinen Bötchen gegen die rauchenden Riesen der Kreuzfahrtindustrie geben einen kurzen Einblick in die Stimmung der Italiener in der Stadt. „Sie protestieren seit Jahren gegen die Meeresgiganten vor ihrer Haustür. Sie sind aus Protest durch die Lagune geschwommen, haben die Schiffe mit Sprechchören, Trillerpfeifen und Plakaten bis zum Hafen eskortiert“, erklärt Herder. Er kommentiert das mit drastischen Sätzen wie: „Die Stadt Venedig ist sterbenskrank.“ Denn was die Touristen genießen würden, „ist für die Einheimischen der Horror“. Das betreffe auch die Bausubstanz der alten Paläste und Wohnhäuser. Er verschweigt auch nicht, dass die Stadt mit einem Kreuzfahrt-Terminal außerhalb die Touristenströme zügeln will – doch das steht immer noch nicht.

Dadurch hat der Film – abgesehen vom unfreiwilligen Stillstand durch Corona – nichts an Aktualität verloren. Die Stimme in der Dokumentation hat der Gräfrather Dr. Peter Holbeck beigesteuert, dessen Plauderton die bedrohte Zukunft des Weltkulturerbes noch eindringlicher erscheinen lässt – weil der Film nicht anklagt, sondern eher aus der Distanz berichtet.

Zum Festival nach Erfurt kann Bernd Herder nicht selbst reisen. Ohne Pomp und öffentliche Vorführungen führt der Bundesverband der Filmautoren den Wettbewerb durch. Er bedauert das. Auf der anderen Seite kennt er es, den Wettstreit der Filmemacher zu gewinnen. Schon 1984 gelang ihm dies mit einer Dokumentation über einen Kunstschmied. Mit „Weltkulturerbe in Gefahr“ nimmt er das dritte Mal am Bundeswettbewerb teil.

Filmemacher

Kamera: Schon als 19-Jähriger hatte sich Bernd Herder eine Filmkamera gekauft. „Eine Quelle Super-8 Kamera für 199 Mark“, erzählt der Solinger.

Amateurfilmclub: Herder trat dem Amateurfilmclub Solingen bei. Diesem habe damals auch der Unterwasserfilmer Sigurd Tesche angehört, erinnert er sich noch gut. Nach und nach kaufte Herde hochwertigere Kameras und lernte, wie man Filme macht. Offensichtlich erfolgreich.

Auszeichnungen: Bernd Herder gewann einige Preise: darunter unter anderem im Jahr 1984 die Goldmedaille auf den Deutschen Amateur-Film-Festspielen in Bayreuth.

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