Pandemie

Etwa 700 Solinger bilden Menschenkette und setzen Zeichen

In der Innenstadt zeigten sich heute viele Solinger solidarisch und bildeten eine Menschenkette unter dem Motto „Solingen Hand in Hand – Verantwortung, Achtsamkeit, Respekt – für mich, für dich, für alle“.

Zahlreiche Solinger folgten dem Aufruf verschiedener Vereine und Initiativen und bildeten eine Menschenkette.

Von Manuel Böhnke

Die Menschenkette zog sich durch die halbe Innenstadt: Hunderte Menschen waren der Einladung gefolgt, am Freitagnachmittag unter dem Motto „Solingen Hand in Hand“ für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt in der Corona-Pandemie zu werben. Laut Veranstalterangaben beteiligten sich knapp 700 Solingerinnen und Solinger, die Polizei zählte in der Spitze 650.

„Das ist eine großartige Sache für die Stadt“, erklärte Versammlungsleiter Hans-Werner Bertl nach Ende der Veranstaltung auf dem Neumarkt. Er ist Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage. Die Organisation hatte mit zahlreichen Unterstützern zur Teilnahme aufgerufen.

Auf dem Fronhof nahm die Menschenkette ihren Ursprung. Zuvor wurde in der dortigen evangelischen Stadtkirche eine Resolution mit dem Titel „Denk mit statt quer!“ öffentlich unterzeichnet. Das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage, die Stadtverwaltung sowie die Ratsfraktionen hatten sie als Reaktion auf die Entwicklungen rund um die Gruppe „Solinger Widerstand“ initiiert. Neben der Verwaltungsspitze und zahlreichen Lokalpolitikern waren Land- und Bundestagsabgeordnete, Vertreter der Wirtschaft sowie anderer gesellschaftlicher Gruppen vor Ort.

„Wir leben in einer lebendigen, pluralen Demokratie“, erklärte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD). Dazu gehöre es, über alles diskutieren zu dürfen. Jeder könne daran mitwirken, sofern der Ton von Respekt geprägt und die Grundhaltung konstruktiv seien. Das sei zuletzt nicht immer der Fall gewesen. „Da gerät etwas aus dem Ruder.“

Kurzbachs Privatadresse wurde veröffentlicht

Grenzüberschreitung, Hetze, Diffamierungen und Anfeindung seien in der Stadt zu laut geworden. Beispielhaft nannte Kurzbach Mails, die das Rathaus erreichen, und die Entgleisungen bei den Demonstrationen des „Solinger Widerstand“ vor dem Rathaus. Im Telegram-Chat der Gruppe wurde Kurzbachs Privatadresse veröffentlicht, verbunden mit dem Aufruf, dem Stadtoberhaupt einen Besuch abzustatten.

„Diese Spaziergänge oder Besuche von Privathäusern machen Angst“, sagte Birgitta Radermacher. Die Regierungspräsidentin äußerte Verständnis für Menschen, die das Ende der Pandemie herbeisehnen. Doch verbale und tätliche Gewalt seien durch nichts zu rechtfertigen. Vor allem Vergleiche der aktuellen Situation mit dem Dritten Reich „machen mir Gänsehaut“, sagte Radermacher. Vor diesem Hintergrund sei es für sie selbstverständlich, die Resolution zu unterstützen: „Ich wünsche mir, dass das heute als Zeichen auf andere Städte ausstrahlt.“

Hans-Werner Bertl sieht die Resolution als Zeichen für die Menschen, „die in den unterschiedlichsten Bereichen unserer Gesellschaft solidarisch und verantwortlich gehandelt haben und täglich handeln“. Dazu zählte der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete etwa Kassierer, Pflegekräfte, Ärzte, Erzieher und Lehrer. Gleichzeitig erinnerte Bertl an Kinder und Jugendliche, die zwei Jahre lang Einschränkungen hinnehmen mussten, und Menschen, deren wirtschaftliche Existenz die Pandemie bedroht. Die überwiegende Mehrheit verstehe sich nicht als verfolgt und unterdrückt, „wie eine lautstarke Minderheit skandiert“, sondern habe „zum Wohle der Gemeinschaft Verantwortung übernommen“.

Bertl rief dazu auf, Leugnung wissenschaftsbasierter Evidenz, Behauptungen zu einer vermeintlichen Weltverschwörung, Umsturzfantasien, der Bedrohung von Amtsträgern zu widerstehen. Er nannte Beispiele für Antisemitismus und Rassismus in der Gruppe „Solinger Widerstand“. „Wir fragen alle, die da mitlaufen: Geht das? Können wir da noch Bereitschaft zum Dialog unterstellen?“

Standpunkt: Drohende Zerreißprobe

Kommentar von Manuel Böhnke

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Wenn jemand „ein Zeichen setzen“ möchte, handelt es sich häufig um eine wirkungslose Floskel. Bei den gestrigen Veranstaltungen in und um die Stadtkirche am Fronhof traf die Formulierung allerdings ins Schwarze. Eine öffentliche Reaktion auf den „Solinger Widerstand“ war überfällig. Nicht, weil Kritik an den Corona-Vorgaben verboten ist. Im weiteren Verlauf der Pandemie – und irgendwann hoffentlich rückblickend – muss über die Sinnhaftigkeit bestimmter Maßnahmen diskutiert werden. Mit konstruktiver Kritik haben viele Äußerungen der Gruppe jedoch nichts gemein. Wo Grenzen überschritten werden, ist deutlicher Widerspruch notwendig. Eine grundlegende Frage lässt sich mit Resolutionen und Menschenketten aber nicht beantworten: Wie geht man mit Menschen um, die unserer Demokratie und ihren Institutionen grundlegend misstrauen? Mit dem Klimawandel und der Digitalisierung warten bereits die nächsten fundamentalen Herausforderungen. Sie könnten zur gesellschaftlichen Zerreißprobe werden

Unsere Meldung vom 11. Februar, 17.30 Uhr

Solingen. In der Stadtkirche am Fronhof haben zahlreiche Solinger heute die Resolution „Denk mit statt quer!“ unterzeichnet. Initiiert wurde die Aktion von der Stadtverwaltung und dem Bündnis für Toleranz und Zivilcourage. Viele Institutionen, Vereine und Initiativen riefen die Solingerinnen und Solinger dazu auf, zu unterschreiben. Oberbürgermeister Tim Kurzbach hat die Kampagne am Freitag mit der öffentlichen Unterzeichnung gestartet.

Solinger unterzeichen Resolution und bilden Menschenkette

Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt
Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Innenstadt zeigten sich am 11. Februar viele Solinger solidarisch und bildeten eine Menschenkette unter dem Motto „Solingen Hand in Hand – Verantwortung, Achtsamkeit, Respekt – für mich, für dich, für alle“. © Tim Oelbermann
Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt
Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Innenstadt zeigten sich am 11. Februar viele Solinger solidarisch und bildeten eine Menschenkette unter dem Motto „Solingen Hand in Hand – Verantwortung, Achtsamkeit, Respekt – für mich, für dich, für alle“. © Tim Oelbermann
Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt
Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Innenstadt zeigten sich am 11. Februar viele Solinger solidarisch und bildeten eine Menschenkette unter dem Motto „Solingen Hand in Hand – Verantwortung, Achtsamkeit, Respekt – für mich, für dich, für alle“. © Tim Oelbermann
Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt
Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Innenstadt zeigten sich am 11. Februar viele Solinger solidarisch und bildeten eine Menschenkette unter dem Motto „Solingen Hand in Hand – Verantwortung, Achtsamkeit, Respekt – für mich, für dich, für alle“. © Tim Oelbermann
Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Innenstadt zeigten sich am 11. Februar viele Solinger solidarisch und bildeten eine Menschenkette unter dem Motto „Solingen Hand in Hand – Verantwortung, Achtsamkeit, Respekt – für mich, für dich, für alle“. © Tim Oelbermann
Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Innenstadt zeigten sich am 11. Februar viele Solinger solidarisch und bildeten eine Menschenkette unter dem Motto „Solingen Hand in Hand – Verantwortung, Achtsamkeit, Respekt – für mich, für dich, für alle“. © Tim Oelbermann
Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Innenstadt zeigten sich am 11. Februar viele Solinger solidarisch und bildeten eine Menschenkette unter dem Motto „Solingen Hand in Hand – Verantwortung, Achtsamkeit, Respekt – für mich, für dich, für alle“. © Tim Oelbermann
Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Stadtkirche am Fronhof haben zahlreiche Solinger die Resolution „Denk mit statt quer!“ unterzeichnet.  © Tim Oelbermann
Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Stadtkirche am Fronhof haben zahlreiche Solinger die Resolution „Denk mit statt quer!“ unterzeichnet.  © Tim Oelbermann
Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Stadtkirche am Fronhof haben zahlreiche Solinger die Resolution „Denk mit statt quer!“ unterzeichnet.  © Tim Oelbermann
Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Stadtkirche am Fronhof haben zahlreiche Solinger die Resolution „Denk mit statt quer!“ unterzeichnet.  © Tim Oelbermann
Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Stadtkirche am Fronhof haben zahlreiche Solinger die Resolution „Denk mit statt quer!“ unterzeichnet.  © Tim Oelbermann
Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Stadtkirche am Fronhof haben zahlreiche Solinger die Resolution „Denk mit statt quer!“ unterzeichnet.  © Tim Oelbermann
Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Stadtkirche am Fronhof haben zahlreiche Solinger die Resolution „Denk mit statt quer!“ unterzeichnet.  © Tim Oelbermann
Aktion SOLINGEN HAND IN HAND - Menschenkette für Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt Treffpunkt ab 16.30 Uhr am Fronhof/Stadtkirche Mitte – Ausspannen der Kette Richtung Graf-Wilhelm-Platz und Richtung Hauptstraße/Impfzentrum
In der Stadtkirche am Fronhof haben zahlreiche Solinger die Resolution „Denk mit statt quer!“ unterzeichnet.  © Tim Oelbermann

Im Anschluss bildete sich als Zeichen der Solidarität ab 16.30 Uhr – unter Einhaltung der Corona-Regeln – eine Menschenkette vor der Kirche. Sie stand unter dem Motto „Solingen Hand in Hand – Verantwortung, Achtsamkeit, Respekt – für mich, für dich, für alle“. Zu dieser Menschenkette hat ein „Bündnis verschiedener Solinger Organisationen und Akteure“ aufgerufen, hieß es in einer Ankündigung. Etwa 700 Solinger schlossen sich an.

Zu den Unterstützern der Aktion zählen die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen, der Awo-Kreisverband Solingen, die Ditib-Moschee in Mitte, die Fokolar-Bewegung, der Jugendstadtrat, Solinger Frauen für Respekt und Demokratie sowie der Solinger Sportbund.

Die Solinger wollten damit ein Zeichen setzen und den „Spaziergängern“ des sogenannten Solinger Widerstands widersprechen. In dem Telegram-Kanal der Gruppe waren in den vergangenen Wochen immer wieder Verschwörungstheorien sowie antidemokratische Beiträge aufgetaucht. Unter anderem wurde dort auch die Privatadresse von Oberbürgermeister Tim Kurzbach veröffentlicht und dazu aufgerufen, ihm einen Besuch abzustatten. wi

Ausführlicher Bericht folgt

Rubriklistenbild: © Manuel Böhnke

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