Kunstmuseum

Solingen: 180 Zuhörer verfolgen Diskussion um Flüchtlinge

Die Diskussion über Flüchtlinge im Kunstmuseum fand großes Interesse. Foto: Moritz Alex
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Die Diskussion über Flüchtlinge im Kunstmuseum fand großes Interesse.

Verein „Solingen hilft“ lud Tim Röhn, Ilka Werner und Christoph Zenses ins Kunstmuseum ein.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Gut 70 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht, übers Mittelmeer kamen 2019 bisher 85 000. Die politischen Systeme scheinen zunehmend zu versagen: Menschen ertrinken im Mittelmeer, Flüchtlinge müssen auf Müllkippen leben, Migranten werden an EU-Grenzen niedergeknüppelt. Vor diesem Hintergrund lud der Verein „Solingen hilft“ zu einer Podiumsdiskussion ein. Im Mittelpunkt stand die Frage „Wo sind unsere Grenzen?“ Wobei der Begriff in seiner ganzen Vielseitigkeit gemeint war, also auch Denk-Grenzen, die denkbaren Lösungsansätzen bisher offensichtlich im Wege stehen.

Denn am Ende der zweistündigen Veranstaltung im Solinger Kunstmuseum stand fest: Schnelle und einfache Antworten auf die Frage gibt es hier nicht. Man muss tiefer graben und Systeme verändern, um etwas zum Positiven hin zu bewegen. Dieses Fazit zog Moderator Uli Preuss aus der Diskussion und den anschließenden Fragen aus dem Auditorium. Der langjährige ST-Journalist engagiert sich seit vielen Jahren für die Hilfseinrichtung Friedensdorf International und ist zweiter Vorsitzender des Vereins „Solingen hilft“.

Zwar wurde bei der lebhaften Gesprächsrunde schnell der Konsens aller Beteiligten deutlich, dass Menschen in derartigen Ausnahmesituationen unverzüglich gerettet werden müssen und dass „man nicht einen Schiffbrüchigen erst fragen kann, aus welchem Land er kommt, bevor man ihn an Deck zieht“, wie es der Mediziner Dr. Christoph Zenses überspitzt formulierte. Er half als Arzt im Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos, praktizierte auf dem Schiff „Sea Watch 2“ der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer und berichtete von den unvorstellbaren Zuständen im Lager. Übereinstimmung herrschte darüber, dass jeder Hilfesuchende mit Würde und Respekt behandelt und untergebracht werden müsse und dass ein völlig überbelegtes Camp wie Moria nicht hinnehmbar sei.

Journalist war an allen Außengrenzen der EU unterwegs

Aber dem Einwand des Journalisten Tim Röhn, ob man nicht von vorneherein vermeiden könnte, dass Wirtschaftsmigranten hierhin kämen, die keine Chance auf Asyl hätten, folgte kein einhelliges Kopfnicken mehr.

„Es muss doch möglich sein, dass diese Menschen in ihren Heimatländern abklären, ob sie zum Beispiel in Deutschland eine Chance auf Asyl haben“, sagte Röhn, der an allen Außengrenzen der EU unterwegs war und unter anderem für die Tageszeitung Die Welt viel beachtete Reportagen zu Flucht und Migration schrieb. Er lebt in Süd-Spanien an der Straße von Gibraltar und sieht täglich wie Flüchtlinge in Schlauchbooten aus Marokko über das Mittelmeer kommen.

Röhn: „Niemand sollte sich in solchen abenteuerlichen Booten auf eine derartige Höllenreise begeben müssen, sich danach in menschenunwürdige Auffanglager stecken lassen, um am Ende dann doch wieder zurückgeschickt zu werden und schließlich völlig wurzellos zu sein.“ Seiner Meinung nach müsse unterschieden werden, ob jemand aus Angst um Leib und Leben flüchte, oder weil er sich woanders ein wirtschaftlich besseres Leben verspräche.

„SOLINGEN HILFT“VEREIN „Solingen hilft“ besteht seit einem Jahr, nachdem die Gründungsmitglieder vorab mit der Oberhausener Hilfsorganisation Friedensdorf International erfolgreich zwei Gesundheitsstationen in Kambodscha gebaut hatten. Aktuell hilft der Verein im griechischen Flüchtlingscamp Moria, die katastrophale medizinische Versorgung zu verbessern. Das geschieht ausnahmslos mit Spenden, die zum Beispiel ein Ultraschallgerät und eine regelmäßige Medikamentenlieferung ermöglichen.Dr. Ilka Werner, Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Solingen, meinte hingegen: „Menschenleben zu retten, ist Christenpflicht, keine Straftat.“ Weiter verwies sie darauf, wie unbedingt nötig es sei, die Ursachen für die Massenflucht aus den jeweiligen Ländern zu benennen und zu verändern. „Solange wir in Europa nicht nachhaltig und fair Geld in die Entwicklung beispielsweise afrikanischer Staaten geben, werden wir uns auch der wirtschaftlichen Flüchtlingsfrage stellen müssen“, machte sie deutlich. Diese Länder könnten ihren Bürgern derzeit keine Perspektive aufzeigen. „Wen kann es da wundern, dass die Menschen ihr Glück in der Fremde suchen?“

„SOLINGEN HILFT“

VEREIN „Solingen hilft“ besteht seit einem Jahr, nachdem die Gründungsmitglieder vorab mit der Oberhausener Hilfsorganisation Friedensdorf International erfolgreich zwei Gesundheitsstationen in Kambodscha gebaut hatten. Aktuell hilft der Verein im griechischen Flüchtlingscamp Moria, die katastrophale medizinische Versorgung zu verbessern. Das geschieht ausnahmslos mit Spenden, die zum Beispiel ein Ultraschallgerät und eine regelmäßige Medikamentenlieferung ermöglichen.

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