Müll durch Einwegflaschen

Zu wenige trinken Wasser aus dem Hahn

Leitungswasser taugt nicht nur zum Händewaschen. Zum „Tags des Trinkwassers“ erklären Verbraucherschützer: „Leitungswasser ist ein guter Durstlöscher.“ Es sei die Alternative zum Mineralwasser. Foto: Christian Beier
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Leitungswasser taugt nicht nur zum Händewaschen. Zum „Tag des Trinkwassers“ erklären Verbraucherschützer: „Leitungswasser ist ein guter Durstlöscher.“ Es sei die Alternative zum Mineralwasser.

Jährlich entsteht viel Müll durch Einwegflaschen – 30 Mal könnten sie entlang der Wupper aufgereiht werden.

Solingen. Zum Tag des Trinkwassers rief die Verbraucherzentrale (VZ) dazu auf, mehr Leitungswasser auch wirklich zum Trinken zu nutzen. Denn tatsächlich steigt bei den Solingern der Anteil an Mineralwasser an, das statt Leitungswasser mit Trinkwasserqualität verwendet wird.

Wie hat sich der Trend in Solingen beim Wasser entwickelt?

Waren es 1991 noch 80 Liter Mineralwasser pro Kopf, so lag der Anteil im Verbrauch 2019 bereits bei 140 Litern Wasser aus der Flasche pro Jahr je Solinger. Julia Ogiermann, Umweltberaterin der Verbraucherzentrale, legt nach. Der Trend sei auch in Sachen Nachhaltigkeit und Schonung von Umweltressourcen nicht gut. „1991 wurde noch 93 Prozent des Mineralwassers in Pfandglasflaschen verkauft.“ Doch 2019 wurden 61 Prozent des Wassers in Einwegflaschen aus Kunststoff von den Solingern gekauft.

Die Solinger verbrauchen allein 13,6 Millionen Einwegflaschen für Wasser im Jahr.

Julia Ogiermann, Umweltberaterin

Ogiermann macht mit einem Beispiel deutlich, was das bedeutet: „Die Solinger verbrauchen allein 13,6 Millionen Einwegflaschen für Wasser im Jahr.“ Reihe man die hintereinander, ergebe das eine Strecke von 3570 Kilometern – oder anders: Der Einwegmüll könne dreimal den Rhein von der Quelle bis zur Mündung entlang aufgereiht werden. Oder rund 30 Mal entlang der gesamten Wupper.

Welche Vorzüge gibt es beim Leitungswasser?

In einem Online-Vortrag hatte die VZ für ganz NRW auf die Vorzüge des Trinkwassers aus der Leitung hingewiesen. Da steht natürlich auch die Preisfrage an. Monika Vogelpohl von der VZ NRW rechnet vor: Rund 1,5 Liter Wasser braucht der Menschen im Schnitt am Tag. Das sind etwa 550 Liter Wasser pro Jahr. Der Liter Mineralwasser in der Kunststoffflasche, meist PET, liegt zwischen 19 und 50 Cent pro Liter. In Solingen kostet nach Angaben von Julia Ogiermann der Liter Trinkwasser etwa 0,3 Cent. Selbst wenn man weitere 0,3 Cent Abwassergebühren aufschlägt, rechnet sich das. Für einen Euro erhält man mit allen Gebühren 166 Liter Trinkwasser von den Stadtwerken Solingen – oder eben nur zwei Liter des teuren Mineralwassers aus dem Regal. Noch eine Zahl zum Vergleich: Die Solinger verbrauchen im Jahr 8 Milliarden Liter Leitungswasser in Haushalten und Betrieben. Es kommt zumeist aus Talsperren. Von den 49.000 Litern pro Kopf und Jahr wird also nur der kleinste Anteil getrunken.

Was spricht noch für Leitungs- statt Mineralwasser?

Da komme die Ökobilanz ins Spiel, erklärt die VZ NRW. Leitungswasser müsse weder verpackt noch transportiert werden. Auch in Sachen Sicherheit stehe das Trinkwasser aus der Leitung ganz vorne. Philip Heldt von der VZ Herne nennt als Beispiel die Verunreinigung mit einem blutdrucksenkenden Medikament: „Man muss 86.000 Liter Wasser trinken, um überhaupt den erlaubten Grenzwert zu erreichen“. Bei Pestiziden liege der Wert in einem Liter Wasser gleich um das 16.000-fache niedriger als in einem Kilo Obst.

Enthält Leitungswasser überhaupt genug Mineralien?

Dazu erklärt die VZ NRW aus Düsseldorf: „Mineralwässer sind gesunde Durstlöscher, aber nur wenige sind reich an Mineralstoffen.“ Mineralstoffe nehme der Körper in erster Linie aus anderen Lebensmitteln auf. „Idealerweise stehen daher täglich drei Hände voll Gemüse und zwei Hände voll Obst auf dem Speiseplan.“ Außerdem rundeten Vollkornprodukte und fettreduzierte Milch- und Milchprodukte die ausgewogene Ernährung ab.

Welchen Tipp gibt es generell für das Trinken von Leitungswasser?

Man solle kein Wasser direkt aus der Leitung trinken. Daher muss es erst solange laufen, bis kaltes Wasser aus dem Hahn fließt. Am Ende kommt die Verbraucherzentrale NRW zu einem klaren Fazit: „Leitungswasser ist ein guter und preiswerter Durstlöscher.“ Noch mehr Infos und Tipps gibt die VZ unter: https://t1p.de/e0n1

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