Ausstellung

Zentrum für verfolgte Künste zeigt Erstausgaben von Heinrich Mann

Ralf Wassermeyer zeigt im Zentrum für verfolgte Künste Exponate zu Heinrich Mann. Foto: Christian Beier
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Ralf Wassermeyer zeigt im Zentrum für verfolgte Künste Exponate zu Heinrich Mann.

Der Lübecker Büchersammler Ralf Wassermeyer machte frühen Beruf zum Hobby.

Von Philipp Müller

Solingen. Als Student der Rechtswissenschaft kam der junge Ralf Wassermeyer in Bauarbeiter-Klamotten auf Büchersuche eher zufällig in ein Antiquariat für alte Bücher. Er fuhr Baustoffe mit dem Laster aus. Mit dem Inhaber der Buchhandlung kam er ins Gespräch und zu einem neuen Job neben dem Studium. Er tauchte tief in die Materie Bücher und vor allem Erstausgaben ein. Aus dem studentischen Beruf wurde 1986 dann fast ein Vollzeit-Hobby – denn Wassermeyer ließ sich damals als Anwalt nieder.

Von dieser skurrilen Biografie-Geschichte profitiert bis zum 13. Februar 2022 das Zentrum für verfolgte Künste. Wassermeyer, ein Fan des Museums und seiner Literatursammlung, stellt im ehemaligen Gräfrather Rathaus Erstausgaben von Heinrich Mann aus. Das ist Teil einer Ausstellungs-Trilogie (siehe unten).

Heinrich Mann wäre in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden. Als Verfolgter des Nazi-Regimes und Flüchtling vor den Rassisten, die seine Bücher verbrannten, war er früh Mahner, Hitler alles entgegenzusetzen, was möglich ist. In der Schau im Zentrum werden mit solchen Texten beschriebene kleine Zettel gezeigt, die ins Dritte Reich geschmuggelt wurden.

Man muss für so ein Hobby schon eine Meise haben.

Ralf Wassermeyer, Sammler

Denn Wassermeyer sammelt über die Erstausgaben hinaus auch Fotos und andere zu den Büchern passende Funde. Davon ist einiges in Gräfrath zu sehen. „Man muss für so ein Hobby schon eine Meise haben“, sagt der mit viel Selbstironie ausgestattete Hanseat. Etwa 5000 Erstausgaben sind in der Villa, in der er lebt, in den Regalen verteilt – aber nur in der ersten Etage. Das Erdgeschoss bewohnen Schwester und Schwager – auch er ist Sammler. Da komme es schon hin und wieder zu seltenen Tauschgeschäften mit Büchern. Doch beide trennten sich sehr ungern von ihren Schätzen.

Die Leidenschaft für die Werke der Schriftsteller entwickelte Wassermeyer in der Oberstufe, da sei es in einem Kurs um Trümmerliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg gegangen. Das Buch des Wuppertalers Jürgen Serke über die verbrannten Dichter habe ihn dann elektrisiert. Die Sammlung Serke ist die Basis der Literaturabteilung des Zentrums. Expressionistische Literatur deutscher Autoren seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu der Zeit, in der sie ins Exil mussten, sind Wassermeyers Sammelschwerpunkt. Lieblingsautoren? Er überlegt lange. Kurt Tucholsky – überhaupt sei die Satire sein Steckenpferd. Daher kommt bestimmt seine Selbstironie. Doch es darf viel tiefer gehen. Der „Gesang zwischen den Stühlen“ von Erich Kästner nennt er. Das ist ein meist sehr persönliches, manchmal ernstes Buch voller Gedichte ganz unterschiedlichen Inhalts. Berühmt ist der Start des Buchs: „Was auch immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“

Sammler würdigt Heinrich Mann als Verfechter geeinten Europas

Doch auch Heinrich Mann ist ihm natürlich wichtig. Von seinem berühmtesten Werk „Der Untertan“ hat er natürlich auch Erstausgaben. Ausgaben? Ja, er sammelte auch solche, die Widmungen enthalten. Er lächelt, und es ist zu merken, warum man vielleicht wirklich eine Meise beim Büchersammeln haben muss. Heinrich Mann sei wirklich bedeutend, betont er ernst. Als Verfechter der Demokratie habe er schon früh vom vereinten und friedlichen Europa geträumt und die Idee gepredigt. Das hatte auch Sylvia Löhrmann bei der Ausstellungseröffnung hervorgehoben. Löhrmann sitzt dem neuen Förderkreis des Zentrums für verfolgte Künste vor, und der Verein hatte die Ausstellung mit Ralf Wassermeyers Schätzen ermöglicht.

Drei Ausstellungen bis zum 13. Februar

Unter dem Titel „Kunst kennt keine Grenzen“ zeigt das Zentrum für verfolgte Künste neben den Büchern zu Heinrich Manns 150. Geburtstag Bilder der US-amerikanischen Künstlerin Ann van Matre, die sich dem Widerstand in den Ghettos von Warschau und Krakau widmen. Zentral ist aber die Schau „Zone“ von Manaf Halbouni fast im Neubau des Museums. In Korrespondenz mit anderen Werken zeigen 250 an die zypriotische Grenze mahnende Ölfässer Grenzen der Freiheit auf.

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