Zentrum für verfolgte Künste

Schau zeigt, was im KZ mit Künstlern passiert ist

Jürgen Kaumkötter leitet heute die Eröffnung um 17 Uhr. Die Ausstellung ist dreigeteilt und stellt Künstler im KZ und ihr Leben in den Mittelpunkt.
+
Jürgen Kaumkötter leitet heute die Eröffnung um 17 Uhr. Die Ausstellung ist dreigeteilt und stellt Künstler im KZ und ihr Leben in den Mittelpunkt.

Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet

Solingen. Gebrochene, gebeugte und gefolterte Figuren hat Karel Zahrádka im Konzentrationslager Sachsenhausen mit primitiven Mitteln als Zeichnungen gefertigt. Das macht sie zugleich einzigartig, abstoßend – und doch neugierig darauf. Sie sind Teil der Ausstellung „Écraser l’infâme! Zerstört die Niedertracht“, die das Thema Künstler und das KZ in den Mittelpunkt rückt. Die Eröffnung zeigt das Zentrum für verfolgte Künste heute um 17 Uhr digital über seine Internetseite.

In der vom Verein des Max-Leven-Zentrums verantworteten Ausstellung werden Personen und historische Zusammenhänge aufgearbeitet.

Zugleich werden zwei weiter Ausstellungen (| Kasten) eröffnet, die sich ergänzen werden. „Sie bauen aufeinander auf“, erklärt der Direktor des Zentrums, der Kunsthistoriker Jürgen Kaumkötter. Mit dem Blick des Vereins für das Max-Leven-Zentrum auf ein Solingen in der NS-Zeit mit Widerstand und Ohmacht wird die Zeit des Terrors von 1933 bis 1945 ins Licht gerückt. Dazu gehörte die Verfolgung und Ermordung von Künstlern. Letzterer entging Boris Lurie. Er konnte in die USA emigrieren und gehörte dort später zu den Gründern der Kunstrichtung Anti-POP. Die Bausteine stehen unter dem Titel „ . . . und laut zu sagen: Nein.“, einem Zitat des Satirikers Kurt Tucholsky.

„Die Ausstellung ist genau unser Gründungsauftrag.“

Jürgen Kaumkötter, Direktor

Zurück zur Sammlung der Gedenkstätte Sachsenhausen, aus der die Kunst von Zahrádka stammt. Dass es diese gibt, zeigt, wie komplex die Arbeit des Zentrums in Sachen Erinnerungskultur ist. Kaumkötter suchte Zahrádkas Familie in einem Dorf in der Nähe des tschechischen Brünn auf. Er wollte etwas darüber erfahren, wie es Zahrádka nach dem Lager ergangen war. „Ich fragte, ob sie selbst auch Kunst von ihm hätten“, erzählt er. Dann sei ein feuchter Karton aus dem Keller geholt worden, der ein Schatz war: Die Zeichnungen, die der Häftling im KZ malte.

Bilder von Leo Haas, die im KZ Sachsenhausen und danach entstanden sind, geben Beispiele für das Schicksal von verfolgten Künstlern.

Die Gedenkstätte erwarb sie. Kaumkötter wurde zum Mitkurator der 250 000 Euro teuren Ausstellung, die bereits in Theresienstadt, Sachsenhausen und Krakau zu sehen war. Acht Künstler sind darin vertreten. „Im Mittelpunkt steht die Frage: Was passiert mit einem Künstler im KZ?“, sagt er. Darunter sind mit Leo Haas und Peter Edel auch zwei Häftlinge, die zum Kommando gehörten, welches britische Pfundnoten fälschte, mit denen die Nazis die englische Wirtschaft in die Knie zwingen wollten. Das ist mehrfach verfilmt worden, trägt beispielsweise den Titel „Die Fälscher“.

Boris Lurie, früherer Häftling im KZ Sachsenhausen, verarbeitete seine Erinnerungen düster, plastisch und am Ende auch bewusst erschreckend in klassischen Ölbildern. Das Erinnern prägte seine spätere künstlerische Arbeit in New York, in der er sich mit Anti-POP dem Zeitgeist widersetze.

Doch nicht das Spektakel interessiert. Von den acht Künstlern sind Werke ausgestellt, die aus der Zeit vor dem Lager, im Lager und nach der Befreiung entstanden. Das lege die biografischen Spuren offen, erklärt die Kuratorin des Zentrums, Birte Fritsch. Sie wird die Ausstellungen mit vielen digitalen Formaten – wie Podcasts – begleiten. Das sei von einer wichtigen Botschaft getragen, ergänzt Kaumkötter: „Die Ausstellung ist genau unser Gründungsauftrag.“ Dann wird etwa sichtbar, dass Edel später bei der Stasi war, im Stil des sozialistischen Realismus malte. Oder eben wieder Zahrádka, der völlig in Vergessenheit geriet und verarmte.

Ausstellung zeigt, was im KZ mit Künstlern passiert ist

Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet
Heute wird „ . . . und laut zu sagen: Nein.“ mit einem Livestream aus dem Zentrum für verfolgte Künste eröffnet © Christian Beier

Die zusammen mit der New Yorker Boris Lurie Art Foundation konzipierte Schau des Werdegangs von Lurie hat einen anderen Ansatz. Aus dem Depot der Metropole in den USA sind Werke aus der „War-Serie“ nach Solingen bekommen. Darin arbeitet er seine Zeit nach dem KZ auf. Entstanden sind anklagende Zeichnungen von großer Dichte. In der „Love-Serie“ im Anti-POP-Stil gibt sich Lurie hochpolitisch. Er kritisiert mit der Verwendung von Sadomaso-Szenen und Begriffen wie „Sklave“ oder „Nein“ drastisch den Zeitgeist der POP-Art, sich ohne Rücksicht auf die Vergangenheit der Freiheit der Kunst zu widmen.

Die Schau zur Solinger Geschichte stellt das ST in zwei Wochen vor.

Digitale Eröffnung, heute um 17 Uhr unter:

https://verfolgte-kuenste.com

Drei Ausstellung unter einem Dach

„ . . . und laut zu sagen: Nein.“ Das Max-Leven-Zentrum Solingen zeichnet mit der Ausstellung die lokale Geschichte der NS-Zeit und Widerstand gegen das Regime nach. Sie läuft bis zum 14. November.

„Boris Lurie. Das Haus von Anita“: Boris Lurie verlor in der Shoa bis auf den Vater seine ganze Familie und seine Jugendliebe. Laufzeit bis zum 1. August.

„Écraser l’infâme! Zerstört die Niedertracht“: Bis zum 13. September bleibt die Ausstellung, der Gedenkstätte Sachsenhausen in Solingen zu sehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Corona: Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiter höchster Wert im Bund
Corona: Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiter höchster Wert im Bund
Corona: Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiter höchster Wert im Bund
Heinz Schwandt feiert heute seinen 106. Geburtstag
Heinz Schwandt feiert heute seinen 106. Geburtstag
Heinz Schwandt feiert heute seinen 106. Geburtstag
Ab heute gelten die neuen Corona-Regeln, weitere ab Sonntag und Montag
Ab heute gelten die neuen Corona-Regeln, weitere ab Sonntag und Montag
Ab heute gelten die neuen Corona-Regeln, weitere ab Sonntag und Montag

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare