Zentrum für verfolgte Künste

Künstler will selbst stärkste Grenzen überwinden

Manaf Halbouni ist ein deutsch-syrischer Künstler, der die Grenzen zwischen Museen, öffentlichem Raum und Besuchern sprengt. Fotos: VG Bild
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Eine Nachbildung der Green Line in Zypern, die den zypriotischen vom türkischen Teil der Insel trennt, ist die Basis der Installation „ZONE“, die der bekannte Künstler Manaf Halbouni im November in Solingen zeigen wird. Orte werden das Zentrum für verfolgte Künste und öffentliche Plätze sein.

Im Zentrum für verfolgte Künste stellt im November Manaf Halbouni seine Installation „ZONE“ aus.

Solingen. Die Bilder gingen 2017 um die Welt. Auf dem Platz vor der Dresdener Frauenkirche standen Busse aufrecht. Manaf Halbouni hatte sie aufgestellt. Der Deutsch-Syrer ist längst ein internationaler Star der Szene für solche provokante Installationskunst. Halbouni erinnerte mit „Monument“ an das Schicksal der Syrer im Bürgerkrieg und spannte den Bogen zu den Flüchtlingen, die nach Deutschland kamen. Im November, voraussichtlich in der dritten Woche, kommt er nach Solingen. Auf Einladung des Zentrums für verfolgte Künste zeigt er die Installation „ZONE“. Das ist zugleich der Beitrag des Museums zur Reihe „Alles in Bewegung“ des Verbundes Bergischer Museen.

Der Direktor des Zentrums, Jürgen Kaumkötter, ist schon jetzt voller Vorfreude auf die Ausstellung. Denn Halbouni werde nicht nur im Museum selbst ausstellen. Sowie beispielsweise in Dresden werden für „ZONE“ auch in Solingen und Remscheid Plätze gesucht, wo es Außen-Installationen geben könnte. Diese sollen aus Fässern und Projektionen bestehen. Denn mit „ZONE“ wolle er bewusst nicht nur inhaltlich Grenzen überwinden, ihm komme es auch darauf an, die Mauern der Museen zu verlassen.

Manaf Halbouni ist ein deutsch-syrischer Künstler, der die Grenzen zwischen Museen, öffentlichem Raum und Besuchern sprengt. Fotos: VG Bild

So viel zur noch in Arbeit befindlichen Installation sei aber schon bekannt, erklärt das Zentrum: „Im Zentrum von ZONE teilen Ölfässer das Museum unüberwindbar entzwei.“ Die Besucher seien so gezwungen, beide Teile der Ausstellung über verschiedene Zugänge zu besuchen. Das Zentrum vertieft: „Hintergrund dieser Installation ist die sogenannte Green Line, die im Rahmen eines Waffenstillstandsabkommens Zypern seit 1974 teilt: eine Demarkationslinie unter der Verwaltung von UN-Friedenstruppen. Sie ist in weiten Teilen der Insel bis zu sieben Kilometer breit, an ihrer schmalsten Stelle – mitten in der Hauptstadt Nikosia – sind es allerdings gerade einmal sechs Meter.“ Dort sei die Ledrastraße zum Symbol dieses Teilungszustandes geworden: inmitten der Altstadt Nikosias markieren dort Ölfässer und Sandsäcke Sperrzonen und Grenze – spalteten so Straße, Stadt und Gesellschaft.

Die Gesellschaft spaltet eine imaginäre Mauer.

Manaf Halbouni, Künstler
Mit seinen Bussen, dem „Monument“, erinnerte Halbouni in Dresden an das Schicksal der Syrer im Bürgerkrieg – Busse dienten als Kugelschutz.

Halbouni lebt heute in Berlin und wird von der international tätigen Galerie Zilberman vertreten. Den Kraftakt, einen solchen Star ins Zentrum zu holen, gelinge nicht ohne Partner, betont Jürgen Kaumkötter. Aus dem Netzwerk des Museums seien deshalb der Kulturfonds NRW, das Kulturparlament und das Morgner Haus Soest an der Realisierung beteiligt, erklärt der Direktor.

Der Künstler selbst sieht sich als politischer Kunst-Akteur. Zur „ZONE“ erklärt Halbouni: „Unsere Gesellschaft erlebt momentan eine Spaltung durch eine imaginäre Mauer, die nicht sichtbar ist, und dies in jedem Bereich und jeder gesellschaftlichen Schicht. Es fehlt uns an Debatten, die wir miteinander führen können, es fehlt an einem Dialog und es fehlt daran, dass wir wieder zueinanderfinden müssen, um Probleme gemeinsam zu lösen.“ In diesem Sinne hofft auch Kaumkötter mit seinem Zentrumsteam, dass alle an der Installationen Interessierten über die Wirkung von Kunst, ihre gesellschaftliche Bedeutung und Aufgabe miteinander ins Gespräch kommen.

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