Kunst

Zentrum für verfolgte Künste kooperiert mit der documenta

Birte Fritsch und Jürgen Kaumkötter vom Zentrum für verfolgte Künste haben untersucht, inwieweit die erste Kasseler documenta von den Nazis verfolgte Künstlerinnen und Künstler würdigte. Foto: Christian Beier
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Birte Fritsch und Jürgen Kaumkötter vom Zentrum für verfolgte Künste haben untersucht, inwieweit die erste Kasseler documenta von den Nazis verfolgte Künstlerinnen und Künstler würdigte.

Museum zeigt Kunst, die 1955 in Kassel ausgeblendet wurde.

Von Philipp Müller

Solingen. Am 18. Juni 2022 wird in Kassel die documenta 15 eröffnet. Seit 1955 kommt dort die internationale, moderne Kunstszene zusammen. Genau mit diesen Anfängen 55 befasst sich das Zentrum für verfolgte Künste. Das Solinger Museum ging der Frage nach, ob 1955 der Titel „Kunst des XX. Jahrhunderts“ in Bezug auf von den Nationalsozialisten verfolgten Kunstschaffenden überhaupt passend war. Und genau das, sei nicht der Fall gewesen, fand das Zentrum heraus.

Das habe die Macher der documenta 15 und besonders das Archiv der Ausstellung interessiert, erklärt Zentrumsdirektor Jürgen Kaumkötter. In dieser Woche wurde einem Team des documenta-Archivs der Ansatz der Ausstellung „29/55“ vermittelt, die im kommenden Jahr parallel zur Kasseler Ausstellung in Solingen zu sehen sein wird und 2023 dann in Kassel selbst.

Die Idee hinter „29/55“ ist zunächst wissenschaftlich. Die Zahl 29 steht für eine Ausstellung 1929 in der Orangerie in Kassel mit internationaler und nationaler Kunst. 29 Künstlerinnen und Künstler mit einer von Flucht, Vertreibung und Verfolgung bestimmten Biografie hat sich das Zentrum aus dieser Schau für seine Betrachtung ausgewählt. Am Anfang habe die These gestanden: „1955 wurden sie in der ersten documenta nicht berücksichtigt.“ Um diese These zu belegen, wurde viel statistisches Material zusammengetragen. Übrigens: Ein Museum aus Gouda ist Partner des Solinger Zentrums für verfolgte Künste.

Mit Schau im Zentrum für verfolgte Künste soll der Zeitgeist der Nachkriegszeit verdeutlicht werden

Das habe zum Ansatz geführt, zu fragen: „Ist der Erfolg von Künstlern messbar?“ Kataloge, Ausstellungsverzeichnisse, Archivmaterial wurden betrachtet und die jeweiligen Biografien bewertet. Das werde man auch in „29/55“ sehen, betont Birte Fritsch, die Kuratorin des Museums. Und sie weist darauf hin, dass diese Arbeit weitergeht: „Das ist ein fortlaufendes Projekt.“

Natürlich wird es die Kunst auch zu sehen geben: 55 Werke der 29 ausgewählten Künstler aus dem Jahr 1929 werden es sein. Zu 20 Künstlern hat die Bürgerstiftung des Zentrums selbst Kunst im Depot. 1955 schafften es dann nur drei in die documenta.

Mit der Schau im Zentrum für verfolgte Künste soll auch der Zeitgeist der Nachkriegszeit verdeutlicht werden. Für ihn steht beispielhaft der Maler Arnold Bode. Er kuratierte die Ausstellung 1929 und war federführend für die documenta 1955 verantwortlich.

„Ist der Erfolg von Künstlern messbar?“

Jürgen Kaumkötter, Direktor

Seine damalige Erklärung, es werde der „Brückenschlag über die NS-Zeit hinweg“ zurück zur modernen Kunst gemacht, sei nur in Teilen richtig. Denn eher wurde Kunst aus dem frühen 20. Jahrhundert ausgestellt und nicht von den zu Beginn der 1930er Jahre aktiven Malern und Bildhauern, die die Nazis später verfolgten, hat das Team des Zentrums herausgefunden.

Mit „29/55“ legt das Zentrum für verfolgte Künste eine Ausstellung vor, die sich ganz auf die Kernkompetenz des Museums mit Wissenschaftsbetrieb bezieht. Genau das habe die Direktorin des documenta-Archivs, Dr. Birgitta Coers, und den für Wissenschaft zuständigen Mitarbeiter Martin Groh überzeugt, berichten Fritsch und Kaumkötter.

Beiden ist die Freude anzumerken, Teil der documenta 2022 zu werden. Leider könne die Schau erst 2023 dort gezeigt werden, weil im kommenden Jahr bei der documenta 15 alle Flächen mit aktueller Kunst belegt sind. Doch auf der documenta selbst und über eine große Kampagne wird für die Ausstellung in Solingen geworben.

Die Schau „29/55“

Ab dem 8. Mai 2022 wird „29/55“ mit 55 Werken von 29 Kunstschaffenden im Zentrum für verfolgte Künste an der Wuppertaler Straße zu sehen sein. Neben der Kunst wird die Schau durch statistisches Material und kunstwissenschaftliche Bewertungen geprägt sein.

Bild Oscar Zügels wird vor Publikum restauriert.

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