Zentrum für verfolgte Künste

Grünes Museum für 28 Millionen Euro

Das Zentrum für verfolgte Künste soll erweitert und modernisiert werden, die Grünfläche zum Park werden.
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Das Zentrum für verfolgte Künste soll erweitert und modernisiert werden, die Grünfläche zum Park werden.

Der LVR soll mit Land und Bund über das Zentrum für verfolgte Künste verhandeln.

Von Philipp Müller

Solingen. Der Kulturausschuss des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) hat am Montag den Weg frei gemacht, damit LVR und Stadt Solingen Gespräche mit Bund und Land NRW über eine künftige Finanzierung des Zentrums für verfolgte Künste aufnehmen. Abschließend muss der Landschaftsausschuss des LVR der Empfehlung des Ausschusses noch folgen. Ziel ist es, die Finanzierung und den Betrieb eines „Green Buildings“ nebst Parkanlage in Gräfrath zu realisieren.

Die Gespräche werden sich um zwei Komplexe drehen. Erstens geht es um einen Um- und Neubau des Gräfrather Rathauses zu einem „Green Building“ mit einer geschätzten Bausumme von knapp 28 Millionen Euro. Dazu hat das Architekturbüro Ingenhoven Pläne erstellt, knapp 5000 Quadratmeter Ausstellungs-, Depot- und Verwaltungsflächen zu schaffen. Zweitens geht es um die Sicherung der damit verbundenen höheren Kosten für Personal und laufenden Museumsbetrieb.

Der LVR hatte Anfang 2022 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Das Museum holte sich das Architekturbüro „ingenhoven associates GmbH“ ins Boot. Weltweit sind die Spezialisten gefragt. Der LVR (30 000 Euro) und die Stadt (5000 Euro) zahlten die Studie gemeinsam.

„Das wäre das erste nachhaltige Museum in Deutschland.“

Ernst Lauterjung, Mitglied im LVR-Kulturausschuss

Ingenhoven schlägt ein „Green Building“ vor. „Das wäre das erste nachhaltige Museum in Deutschland“, lobt Ernst Lauterjung die Entwürfe. Er sitzt für die SPD im Kulturausschuss des LVR. Der Beschluss, Stadt und LVR nun zu Gesprächen mit Bund und Land aufzufordern, sei auch damit begründet, dass beide Partner des Museums – dem LVR gehören zwei, der Stadt gehört ein Drittel – ihr finanzielles Engagement nicht ausdehnen könnten. Grundsätzlich müsse es sich aber nicht um ein Wolkenkuckucksheim handeln, betont Lauterjung. Er verwies auf Erklärungen von Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) aus der Vorlage gegenüber dem LVR: „Die Finanzierung des Erweiterungsbaus könnte unter Umständen durch die Stadt Solingen erfolgen; hier hat der Oberbürgermeister eine entsprechende Absichtserklärung, jedoch keine Zusage abgegeben.“

Die Korkenziehertrasse (rechts) soll in die Parkanlage rund um den Museumsneubau eingebunden werden.

Dass der LVR die Zukunft am Standort ehemaliges Gräfrather Rathaus ohne das dort ansässige Kunstmuseum plant, spielt in der LVR-Beschlussvorlage eine wichtige Rolle: „Außerdem suche die Stadt Solingen einen anderen Standort für das im Gebäude ebenfalls untergebrachte städtische Kunstmuseum.“ Einen entsprechenden Prüfauftrag hatte der Solinger Kulturausschuss im Dezember dem Ressort von Kulturdezernentin Dagmar Becker (Grüne) erteilt. Die sah die Sache als schwierig an, viele finanzielle Fragen seien offen.

Bisher wird das Zentrum für verfolgte Künste jährlich von Solingen mit 195 000 Euro gestützt. Der LVR schießt 290 000 Euro in die Kasse der Betriebs-GmbH ein. Klar ist, dass die Stadt das nicht erhöhen kann, wie der OB gegenüber dem LVR erklärte. Jürgen Kaumkötter sieht das jedoch nicht als ein Kriterium für ein Aus der Ideen. Er erläutert, was die Gespräche leisten müssten: Bisher gelinge es dem Zentrum mit wachsenden Drittmitteln für Projekte, auch befristet die Personaldecke zu erhöhen. Ideal wäre, wenn Bund und Land einen Weg für langfristige Zusagen finden würden.

Photovoltaik, Geothermie, moderne Baustoffe und ein Park

Ist eine solche Zusage in Sicht, könnte es auch bei Ingenhoven weitergehen. Deren Architekt Peter Pistorius erläutert, dass man sich das Gebäude und Gelände sehr genau angeschaut habe. Zusammengefasst kann das Green Building dies leisten: Der Altbau müsste für rund 10 Millionen Euro kernsaniert werden. Der Anbau aus dem Jahr 1996 soll in seinen Grundmauern Bestandteil des Neubaus für 15 Millionen Euro werden. Green bedeutet dabei modernste Heiztechnik, solche für Kommunikation und Verwendung von Baustoffen, die ein Haus mit niedrigsten Energiekosten entstehen lassen. Wärmepumpen, Geothermie und Photovoltaik sollen die Energie selbst produzieren. Eine Bauweise mit geringem CO2-Verbrauch, Gebäudebegrünung, Wassermanagement und optimale Belichtung zählt der Ingenhoven-Entwurf weiter auf.

Neu wäre die Außenanlage. Diesen Bereich denken Ingenhoven, Pistorius und ihr Team von der Korkenziehertrasse bis zum Parkfriedhof Gräfrath. Das neue Zentrum soll in einer Parkanlage liegen, die öffentlich zugänglich ist und das Museum optisch zur Geltung kommen lässt. Die Freiflächen sind auch für Veranstaltungen gedacht. Kosten für diesen Teil: etwa 3 Millionen Euro. Einen Termin für eine Umsetzung gibt es nicht, er hängt vom Verlauf der kommenden Verhandlungen ab.

Infos

Das Zentrum für verfolgte Künste in Gräfrath ist Museum und Wissenschaftsstandort für Bildende Kunst und Literatur verfolgter und verfemter Künstlergenerationen gleichzeitig: verfolgte-kuenste.com


Die Vorlage mit der gesamten Ingenhoven-Studie veröffentlicht der LVR unter: https://t1p.de/tfh7l

Standpunkt von Philipp Müller: Aushängeschild fördern

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Natürlich kann man für 28 Millionen Euro Straßen, Kitas, OGS-Gruppen oder Schulen bauen. Alles wird gebraucht. Und jetzt ausgerechnet ein Museum? Ist es nicht Zeit- und Geldverschwendung, sich überhaupt mit einem solchen Projekt zu beschäftigen? Ja und nein. Ja, wenn es am Ende nicht zu einem Ergebnis führt. Denn eins steckt auch hinter den Ideen: Kunstmuseum und Zentrum für verfolgte Künste passen – anders als 2015 gedacht – nicht zusammen. Zu unterschiedlich ist der jeweilige Auftrag.

Das Nein geht ins Grundsätzliche. Innerhalb von acht Jahren hat sich das Zentrum für verfolgte Künste zu einem Aushängeschild in Sachen Erinnerungskultur entwickelt, national und international geachtet. Das gilt es zu fördern, weiß der LVR als Motor der aktuellen Entwicklung. Da kann Solingen stolz sein, das die Rheinländer das Museum nebst Wissenschaftsbetrieb nicht einfach an den Rhein nach Köln, Düsseldorf oder Bonn holen. Vieles ist noch Zukunftsmusik, aber eine zunehmend laute. 

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