Minijob in Solingen

Mindestlohn steigt - Nebenjobs werden attraktiver

Thorsten Mondry genießt die Stille, die ihn morgens beim Zeitungsaustragen umgibt.
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Thorsten Mondry genießt die Stille, die ihn morgens beim Zeitungsaustragen umgibt.

Thorsten Mondry bringt Lesestoff für den Frühstückstisch - als Minijobber. Ab Oktober gibt es dafür mindestens 12 statt 10,45 Euro pro Stunde, maximal 520 statt 450 Euro im Monat. Was ab Oktober gilt, wo sich Interessierte bewerben können und wie man die Energiepauschale bekommt.

Von Moritz Berger

Solingen. In immer mehr Fenstern scheint nun Licht, der Verkehr auf den Straßen nimmt allmählich zu und während-dessen setzt nach und nach die Morgendämmerung ein. Wenn die Stadt langsam erwacht, steuert Thorsten Mondry bereits auf seinen Feierabend zu. Mit einer blauen Umhängetasche ist er unterwegs, darin: die frischgedruckte Tageszeitung. Zur frühen Stunde durchstreift Mondry die Wohngegenden, damit die Leserinnen und Leser das Solinger Tageblatt aus ihrem Briefkasten ziehen können.
Alle Hintergrundinfos für Bewerber, Chefs und wie die Energiepauschale für Minijobber gehandhabt wird, stehen am Ende des Textes.

Es ist einer der wenigen Tage im August, an dem der Himmel wolkenbedeckt ist. Gar ein leichter Nebelschleier hängt an diesem kühleren Morgen über der Stadt. Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht warm genug wäre, eine kurze Hose und ein T-Shirt zu tragen. So wie es Thorsten Mondry macht. Denn was die Kleidung betrifft – und auch darüber hinaus – kann er sich auf seine Erfahrung verlassen.
Hintergrund: Erhöhung des Mindestlohns macht Nebenjobs attraktiver

Seit etwas mehr als sechs Jahren stellt der 52-Jährige regelmäßig die Zeitung zu, zunächst als Vertretung, seit 2017 mit eigenem Bezirk in Burg. Früh lädt Thorsten Mondry die Zeitungen in sein Auto und düst nach Unterburg. Wer dort das Tageblatt erhält, weiß er mittlerweile auswendig.
Dazu auch: Häufige Fragen: Das gilt für Minijobber und ihre Chefs

„Die meisten Leute kennen mich“, sagt Mondry und verweist auf eine „persönliche Ebene“, die über die Jahre entstanden sei. Man dürfe dies „nicht unterschätzen, denn viele Kunden legen Wert darauf.“ Wenn Mondry von den Leserinnen und Lesern dieser Zeitung spricht, nennt er sie stets Kunden und äußert sich respektvoll. Er berichtet von Begegnungen mit Kunden, die er trotz der frühen Uhrzeit immer mal wieder trifft. Und er erzählt, wie Unterburg im vergangenen Sommer unter Wasser stand – und wie sehr ihm da alle leidgetan haben.

„Wer den Morgen verpennt, der hat den Tag verschlafen.“

Thorsten Mondry, Zusteller

Auf dem Kopf trägt Thorsten Mondry eine rote Schiebermütze und über das orange T-Shirt hat er eine neonfarbene Warnweste gezogen, um in der Dunkelheit besser gesehen zu werden. Heute ist er zusätzlich an der Wupperstraße, macht dort Urlaubsvertretung für einen Zusteller. Vor Mondry liegt noch etwa eine einstündige Runde, die er nun – im Gegensatz zu Unterburg – zu Fuß zurücklegt. Mit der einen Hand greift er in seine blaue Umhängetasche und holt nach und nach die Zeitungen heraus.

Neben dem Tageblatt stellt Mondry auch überregionale Blätter wie Süddeutsche oder Zeit zu. Und obwohl er in diesem Bezirk zwischen Wupper- und Schwertstraße nur die Vertretung ist, weiß Mondry nach etwas über einer Woche schon bei den meisten Kunden, welche Zeitung sie bekommen. Zur Sicherheit schaut er gelegentlich in das sogenannte Zustellbuch, dass er in der anderen Hand hält: ein Heft, in dem alle Abonnenten und deren Adressen verzeichnet sind.

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Hin und wieder kommen Thorsten Mondry Namen bekannt vor. So kommt er auf seiner Runde zu einem Einfamilienhaus, und während er eine Zeitung in den Briefkasten schiebt, erzählt er: „Hier wohnt ein Kunde, mit dem ich zur Schule gegangen bin.“

Freude an der Stille – oder am Zwitschern der Vögel

Thorsten Mondry ist Konditormeister. Auf der Suche nach einem Neben-Job wurde er 2016 durch eine Zeitungsannonce auf die Tätigkeit als Zusteller aufmerksam. Und obwohl Mondry von sich selbst sagt, ein „kleiner Morgenmuffel“ zu sein, stört ihn die Uhrzeit nicht. „Ich bin mein ganzes Berufsleben früh aufgestanden, zu Bäckerzeiten bedeutete das noch einmal etwas ganz anderes.“ Nicht nur deshalb sei er mit seinem Job daher „sehr zufrieden“.

Als Mondry wieder bei seinem Auto ankommt, ist es schon merklich heller geworden. Die meiste Zeit reicht ihm das Licht der Straßenlaternen, nur an manchen Briefkästen zieht er eine kleine Taschenlampe hervor. Dann leuchtet er auf die Namensschilder, steckt die Zeitung in den Schlitz und lässt die Lampe genauso schnell wieder verschwinden, wie er sie rausgeholt hatte. Viele Häuser sind mittlerweile mit einem Bewegungsmelder ausgestattet.

Wenn Mondry alleine unterwegs ist, hat er kein Gefühl von Unsicherheit oder gar Angst. Vielleicht trifft Einsamkeit die Situation präziser. „Ich bin morgens ganz sicher einsam“, sagt Mondry, ohne traurig zu klingen. Vielmehr genieße er die Stille und erfreue sich am Zwitschern der Vögel. Bevor er in sein Auto steigt und in Richtung Feierabend fährt, sagt er noch: „Wer den Morgen verpennt, der hat den Tag verschlafen.“ Und wenn dieser Satz auf eine Person keineswegs zutrifft, dann auf Thorsten Mondry – und viele andere Zusteller.

Bewerbung

Online: Bewerbungen sind schnell und einfach online möglich: www.zeitungsvorteil.de/jobs.
Wer bereits im September startet, kann noch 300 Euro Energiepreispauschale erhalten – sofern er oder sie nicht bereits über einen anderen Job dazu berechtigt ist.

Erhöhung des Mindestlohns macht Nebenjobs attraktiver

Zum 1. Oktober steigt der Mindestlohn auf 12 Euro pro Stunde – und damit die Entgeltgrenze für sogenannte Minijobs auf durchschnittlich 520 Euro im Monat. Auch für geringfügig Beschäftigte gilt die gesetzliche Lohnuntergrenze. Und damit die nach der Erhöhung noch ungefähr zehn Stunden pro Woche arbeiten können, genauer 43,33 Stunden pro Monat, wird die Grenze angepasst.

Diese doppelte Erhöhung macht, gerade in einer Zeit, da sich immer mehr Menschen wegen gestiegener Lebenshaltungskosten eine Nebentätigkeit suchen, solche Jobs deutlich interessanter. Auch wenn die Bundesregierung daran vermutlich nicht gedacht hat, als sie sich in der ersten Jahreshälfte mit dem Thema beschäftigte.

Bedeutung und Vorteile der geringfügigen Beschäftigungen sind unbestritten: Arbeitnehmer, aber auch Schüler, Studenten und Rentner, können sich ohne große Abzüge was hinzuverdienen, zudem sind solche Arbeitsverhältnisse meist unkompliziert. Arbeitgeber erhalten die Möglichkeit, flexibler auf sich verändernde Auftragslagen zu reagieren. Oder die vorhandene Arbeit besser auf mehrere Schultern zu verteilen.

So wie bei der Zeitungszustellung. Um das knappe Zeitfenster am frühen Morgen zu nutzen, um möglichst vielen Lesern den RGA schon vor dem Frühstück in den Briefkasten zu stecken, agiert man dort überwiegend mit nebenberuflichen Zustellern, die vor ihrem Hauptjob ein bis zwei Stunden unterwegs sind. Ähnliches gibt es teilweise in der Gebäudereinigung. Oder bei Servicekräften, die sich am frühen Morgen um das Brotregal im Supermarkt kümmern.

In der Gastronomie, im Einzelhandel, aber auch in anderen Dienstleistungsbereichen, im Handwerk und in der Industrie können die Unternehmen mit Minijobbern Spitzen abfangen. Im Weihnachtsgeschäft zum Beispiel, wenn ein großes Catering ansteht oder auch am Wochenende im Hallenbad. Minijobber finden sich in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft. Und viele Unternehmen sind auf sie angewiesen. wey

Häufige Fragen: Das gilt für Minijobber und ihre Chefs

Was ist ein Minijob?
Ein Minijob ist eine geringfügige Beschäftigung, bei der der Arbeitnehmer entweder regelmäßig nicht mehr als 450 Euro (ab 1. Oktober: 520 Euro) im Monat erhält oder nur kurzfristig, in der Regel maximal 70 Arbeitstage pro Jahr, arbeitet.

Welche Abzüge werden bei Minijobs fällig?
Für den Arbeitnehmer ist ein Minijob in der Regel steuerfrei, er zahlt auch nicht in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung ein. Allerdings sind Minijobs rentenversicherungspflichtig, dafür werden 3,6 Prozent abgeführt und man erwirbt einen geringen Rentenanspruch. Davon kann sich der Arbeitnehmer aber auf Antrag befreien lassen. Arbeitgeber führen hingegen eine pauschale Lohnsteuer und Sozialabgaben ab.

Für welche Personen kommen Minijobs in Frage?
Grundsätzlich kann jeder eine geringfügige Beschäftigung aufnehmen, für einige Gruppen gelten aber zusätzliche Regeln. Bei Rentnern und Beamten im Ruhestand gibt es zum Beispiel Zuverdienstgrenzen, Ähnliches gilt bei Arbeitslosen. Bei Schülerinnen und Schülern greift das Jugendarbeitsschutzgesetz. Asylsuchende mit Aufenthaltsgestattung und geduldete Personen brauchen eine Arbeitserlaubnis, die die Ausländerbehörde nach Ablauf der Wartezeit von drei Monaten erteilen kann. Anerkannte Flüchtlinge dürfen jeder Beschäftigung, also auch Minijobs, nachgehen.

Wer kümmert sich um die Anmeldung von Minijobs?
Das ist Aufgabe des Arbeitgebers, der das geringfügige Beschäftigungsverhältnis bei der Minijob-Zentrale bei der Knappschaft-Bahn-See in Bochum melden muss. Diese unterscheidet zwischen gewerblichen Minijobs und solchen in Privathaushalten, das macht für den Minijobber aber keinen großen Unterschied.

Was gilt arbeitsrechtlich?
Minijobber haben wie andere Angestellte auch Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlten Urlaub und ein Arbeitszeugnis. Auch andere Regelungen wie der Kündigungsschutz oder der gesetzliche Mindestlohn greifen wie bei anderen Arbeitnehmern.

Was passiert, wenn man mehr als 520 Euro verdient?
Wer ab dem 1. Oktober zwischen 520,01 und 1600 Euro verdient, gilt dann als Midijobber. Änderung: Der Arbeitnehmeranteil an den Sozialversicherungsbeiträgen sinkt.

Energiepauschale: 300 Euro auch für Minijobber

Auch Minijobbern steht in der Regel die 300 Euro Energiepauschale zu, die die Bundesregierung als Reaktion beschlossen hat.

Wer den Minijob als Nebentätigkeit ausübt, bekommt die Pauschale über seinen Hauptarbeitgeber. Ist der Minijob am 1. September das einzige Arbeitsverhältnis, kommt das Geld über diesen Arbeitgeber, Voraussetzung ist eine schriftliche Erklärung des Arbeitnehmers, dass es sich um das „erste Dienstverhältnis“ handelt.

Besteht am 1. September kein Arbeitsverhältnis, aber irgendwann davor oder danach im Jahr 2022, kann die Pauschale über die Steuererklärung geltend gemacht werden.

Dazu auch: Restaurant, Handel, Tankstelle: Alle suchen Aushilfen

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