Westdeutsches Tourneetheater

WTT zeigt im Rittersaal „Der Sandmann“

Im Mittelpunkt der Aufführung mit Thomas Ritzinger und Jonas Herkenhoff stand ein überdimensional großes Handy. Foto: Andreas Horn
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Im Mittelpunkt der Aufführung mit Thomas Ritzinger und Jonas Herkenhoff stand ein überdimensional großes Handy.

Zweimal gab das Westdeutsche Tourneetheater Remscheid am Wochenende im Rittersaal auf Schloss Burg ein Gastspiel.

Von Wolfgang Günther

Solingen. Auf dem Programm stand die Bühnenfassung der schaurig-romantischen Erzählung „Der Sandmann“ des Berliner Autors und Juristen E. T. A. Hoffmann. Die Geschichte wurde erstmals 1816 veröffentlicht und zählt zu den bedeutendsten Werken des Schriftstellers.

Es geht um Nathanael, der ein Kindheitstrauma vom Sandmann als Monster hat, und nach vielen Irrungen daran durch Selbstmord zugrunde geht. Jacques Offenbach hat in seiner Oper „Hoffmanns Erzählungen“ mit seinem Librettisten Jules Barbier jenen Teil verarbeitet, der sich um die Automaten-Puppe Olympia, den windigen Physiker Spalanzani und den mysteriösen Wetterglas- und Brillenhändler Coppelius dreht. Mit raffinierter moderner Technik hat Thomas Ritzinger diese Erzählung in eine faszinierende Bühnenform für zwei Schauspieler gegossen. Im Mittelpunkt steht ein überdimensionales Smartphone, mehr als zwei Meter groß. In immer neuen Kinderzeichnungen wird effektvoll die Handlung gezeigt und per Video fortgeschrieben, die anspruchsvolle Bild- und Tontechnik funktionierte fehlerfrei.

Dunkle Bildsprache und bunte Zeichnungen wechseln sich ab

Ritzinger selbst spielte den Freund von Nathanael und seine Widersacher real und auf dem Bildschirm. In der Regie agiert er mit dunkler Bildsprache, die sich mit den bunten Zeichnungen auf dem Bildschirm abwechselt. Traum, Schrecken, Liebe und Lüge sowie Wahrheit und Illusion verschmelzen ineinander. Die Macht der Bilder zieht die Zuschauer in ihren Bann. Jonas Herkenhoff interpretierte die wachsende Verzweiflung von Nathanael beeindruckend. Leider war er nicht immer gut zu verstehen.

Immer tiefer verrennt sich Nathanael in seinen Wahnvorstellungen, überall den Sandmann zu sehen, vor dem ihn seine Mutter in der Kindheit gewarnt hatte. Er träumt von ausgerissenen Augen der Puppe Olympia, wendet sich auch von seiner Freundin Clara ab.

Ritzinger schlägt in seiner Inszenierung einen Bogen von dem schaurigen Märchen der deutschen Romantik bis zum digitalen Zeitalter.

Die gut 30 Zuschauer am Samstagabend im Rittersaal spendeten den beiden Akteuren und ihrem Techniker reichlich Beifall, und genossen auf dem Weg nach Hause weitere zauberhafte Effekte beim eindrucksvollen Burgleuchten.

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