Austausch

Zahl der Long-Covid-Patienten steigt stetig

Prof. Winfried J. Randerath, Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien, setzt sich für den Austausch zu Long-Covid ein.
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Prof. Winfried J. Randerath, Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien, setzt sich für den Austausch zu Long-Covid ein.

Die Lungenfachklinik Bethanien und die Krankenkasse AOK laden Betroffene zum Austausch ein.

Von Philipp Müller

Solingen. Viele Solingerinnen und Solinger kennen Menschen in ihrem Umfeld, die eine Corona-Infektion hatten oder sie waren selbst betroffen. Groß ist dabei auch die Zahl derer, die über mehr oder weniger ausgeprägte Symptome noch lange nach der Infektion klagen. Mit Ausbruch der Pandemie 2020 wurde dies unter dem Oberbegriff „Long-Covid“ zusammengefasst. Die Lungenfachklinik Bethanien, die Krankenkasse AOK und die Stadt Solingen laden für kommende Woche zum Erfahrungsaustausch ein. Wie Christiane Otto, die AOK-Regionaldirektorin für das Bergische Land erklärt, sei ein solcher Termin in Wuppertal von sehr vielen Betroffenen besucht worden.

Welchen Grund gibt es für den Termin im Zentrum Frieden?

„Mit diesen Treffen möchten wir Betroffenen einen Raum für den persönlichen Austausch geben“, sagt Otto. Sie weiß aus den Gesprächen mit Patienten, die die Kasse führt, dass viele an Covid-19 Erkrankte noch lange nach einer überstandenen Infektion unter Symptomen leiden. Sie hätten körperliche oder psychische Beeinträchtigungen. „Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig Maßnahmen und schnelle Unterstützung sind. Unsere Patientenbegleitung steht den Teilnehmenden in unserem sehr komplexen Versorgungssystem beratend zur Seite. Jeder kann sich melden“.

„Betroffene leiden unter Symptomen, die sie nicht einordnen können.“

Prof. Winfried J. Randerath, Chefarzt der Klinik Bethanien

Warum ist der Erfahrungsaustausch wichtig?

Ziel sei es, erklärt die AOK, Versorgungsdefizite durch persönliche Gespräche mit den Teilnehmenden aufzudecken und Erfahrungen auszutauschen. „Mit Hilfe von Expertenwissen werden erste Therapieansätze oder Bewältigungsstrategien erläutert und aktuelle medizinische Erkenntnisse zum Verlauf der Erkrankung geteilt“, sagt AOK-Sprecherin Martina Meurer. Der für Gesundheit bei der Stadt Solingen zuständige Dezernent Jan Welzel (CDU) erklärt: „Die Stadt Solingen beteiligt sich an dieser Veranstaltung, weil diese neuartige Erkrankung als Folge der Pandemie auch in Solingen ein wichtiges Thema ist. Wir wissen, dass es viele Betroffene gibt. Die Situation dieser Menschen nehmen wir ernst. Daher suchen wir den Austausch mit ihnen.“ Die Abteilung Gesundheitsförderung im Stadtdienst Gesundheit habe die Lage bereits seit langem im Blick und stelle bei Bedarf für Fragen zu Selbsthilfe den Kontakt zu einem speziellen Ansprechpartner im Selbsthilfebüro her. An diesem Abend soll ein Beitrag geleistet werden, um Menschen aufzuklären, um zu informieren und um auf Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten hinzuweisen.“ Welzel wird das Rathaus im Zentrum vertreten.

Worum geht es aus medizinischer Sicht bei dem Austausch?

„Der offene Austausch zu Long-Covid ist enorm wichtig“, erklärt Prof. Dr. Winfried J. Randerath, Chefarzt und ärztlicher Direktor des Lungenfachkrankenhauses Bethanien. Er führt weiter aus: „Viele Betroffene leiden unter Symptomen, die sie nicht einordnen und verstehen können. Warum schaffe ich meinen Alltag nicht mehr? Ist meine Lunge oder mein Herz jetzt chronisch krank? Der Weg zu ausführlichen Untersuchungen und Behandlungen ist oft schwierig. Daher sind wohnortnahe medizinische Angebote wichtig, in denen Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachgebiete eng zusammenarbeiten. So können Patientinnen und Patienten medikamentöse Therapie, Rehabilitation und psychosoziale Unterstützung finden.“ Dezernent Jan Welzel ergänzt dies: „Es ist gut, dass es in Solingen ein breites und gut funktionierendes Netzwerk von Partnern im Gesundheitswesen gibt.“

Aus welchen medizinischen Bereichen wird es im Zentrum Frieden Ansprechpartner geben?

Jan Welzel berichtet, dass ins Zentrum Frieden neben dem Lungenfachkrankenhaus Bethanien auch Vertreterinnen und Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Solingen, der Kinderärzte sowie des Ärzte-Netzwerkes Solimed zum Erfahrungsaustausch eingeladen worden seien.

Erfahrungsaustausch: Mittwoch, 31. August, 18 Uhr, Zentrum Frieden, Wupperstraße 120

Was ist Long-Covid?

Laut Robert-Koch-Institut treten im Zusammenhang mit einer vorangegangenen Sars-CoV-2-Infektion zahlreiche mögliche gesundheitliche Langzeitfolgen auf. Hierzu zähle eine Vielfalt körperlicher, kognitiver und psychischer Symptome, welche die Funktionsfähigkeit im Alltag und Lebensqualität negativ beeinflussen. Die Beeinträchtigungen treten entweder bereits in der akuten Erkrankungsphase auf und bleiben längerfristig bestehen, oder sie treten im Verlauf von Wochen und Monaten nach der Infektion auf. Bislang lasse sich wegen der Vielzahl und Vielfalt der Infektionsfolgen aber noch kein einheitliches Krankheitsbild abgrenzen.

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