Pandemie

Solingen: Zahl der Corona-Infektionen steigt rasant

Im Krankenhaus Bethanien werden schwerpunktmäßig Coronatests durchgeführt. Archivfoto: Christian Beier
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Im Krankenhaus Bethanien werden schwerpunktmäßig Coronatests durchgeführt.

40 neue Fälle: Wegen des auf 46,63 gekletterten Inzidenzwerts gelten erste Einschränkungen.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist am Wochenende und Montag rasant gestiegen. Seit Freitag seien 40 neue Fälle gemeldet worden, teilte die Stadtverwaltung am Nachmittag mit. Aktuell sind 110 Solinger infiziert – so viele wie noch nie seit Ausbruch der Pandemie. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 46,63. Der wichtige Indikator für das Infektionsgeschehen vor Ort gibt die Zahl der Neuinfizierten der vergangenen sieben Tage an – gerechnet auf 100 000 Einwohner. Da die Vorwarnstufe von 35 deutlich überschritten ist, gibt es in Solingen erste Einschränkungen bei privaten Feiern. Und das Spiel des Bergischen HC am Mittwoch in der Klingenhalle könnte ohne Zuschauer stattfinden. Am Dienstag tritt der Krisenstab der Stadt zusammen.

Bereits am Samstag zeigten die Zahlen des Robert-Koch-Instituts mit 20 Neuinfektionen einen deutlichen Anstieg an. Am Sonntag wurden keine neuen Daten aus Solingen gemeldet.

Anders als Mitte September, als die Zahlen in Solingen schon einmal bedenklich nach oben gingen, lässt sich der Ausbruch diesmal auch nicht eingrenzen. „Nach bisherigen Erkenntnissen gibt es keinen größeren einzelnen Hotspot“, erklärte Stadtsprecher Thomas Kraft. Vielmehr geht das Gesundheitsamt davon aus, dass es sich um diverse Einzelfälle handelt. So hätten sich bei verschiedenen privaten Feiern Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Auch in Schulen seien weitere Fälle aufgetreten, ebenso wie in der Gastronomie und in Gewerbebetrieben. Dies alles müsse jetzt im Detail nachvollzogen werden, teilte Kraft mit.

Neuansteckungen von Schülern gab es an folgenden Schulen: Grundschule Schützenstraße (zwei Fälle), Grundschule Klauberg (1), Alexander-Coppel-Gesamtschule (2), Mildred-Scheel-Berufskolleg (1) und Geschwister-Scholl-Schule (1). Das Gesundheitsamt recherchiere nun mehrere hundert Kontakte, um das Infektionsgeschehen einzugrenzen und Quarantänen auszusprechen.

„Nach bisherigen Erkenntnissen gibt es keinen Hotspot.“
Stadt-Pressesprecher Thomas Kraft

Wegen der überschrittenen Vorwarnstufe gelten ab sofort folgende Einschränkungen: Bei privaten Feiern in angemieteten Räumen seien nur noch maximal 50 Teilnehmer zugelassen, teilt die Stadtverwaltung mit. Sie müssen beim Ordnungsamt vorher angemeldet werden (Kontakt siehe Kasten). Wer zu Hause feiert, muss eine Teilnehmerliste mit Kontaktdaten führen, damit die Kontakte bei Infektionen vom Gesundheitsamt nachverfolgt werden können.

Sollte die Zahl der Coronafälle weiter steigen, seien weitere Einschränkungen möglich, sagte Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU), der Leiter des Krisenstabs der Stadt ist. Die Entwicklung werde derzeit genau beobachtet, betonte er. Die derzeitige Überschreitung des Inzidenzwertes von 35 verlange noch keine weiteren Allgemeinverfügungen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens. Damit sei erst ab dem Schwellenwert 50 zu rechnen.

Doch angesichts der aktuellen Entwicklung könnte der schnell erreicht sein. „Bevor wir das öffentliche Leben in größerem Umfang einschränken, ist aber zunächst immer genau zu prüfen, inwieweit sich die jeweils individuellen Ausbruchsgeschehen durch Recherchen nachverfolgen und eingrenzen lassen“, teilte Welzel mit. Der Krisenstab werde sich am Dienstag mit der aktuellen Lage beschäftigen. Das Gremium wird unter anderem entscheiden, in welcher Form das BHC-Spiel stattfindet.

Die Testungen von Kontaktpersonen und Menschen mit Covid-19-Symptomen werden weiterhin im Lungenfachkrankenhaus Bethanien sowie bei niedergelassenen Ärzten durchgeführt. Um das Verfahren zu entzerren, sollte für den Test telefonisch ein Termin in Bethanien verabredet werden. Das sei in der Regel kurzfristig möglich, heißt es aus dem Rathaus. Auch für einen Test beim Hausarzt sollten Patienten vorher in der Praxis anrufen.

931 Menschen sind laut Stadtverwaltung aktuell in Quarantäne. Fünf an Covid-19 erkrankte Patienten werden derzeit im Krankenhaus behandelt. Seit Ausbruch der Pandemie starben 13 Solinger an der Lungenkrankheit. 

Standpunkt: Unberechenbares Virus

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Anja Kriskofski

Das Coronavirus zeigt einmal mehr, wie unberechenbar es ist. Ende vergangener Woche lag der Inzidenzwert, der die Neuinfektionen der letzten sieben Tage pro 100 000 Einwohner angibt, noch bei vergleichsweise beruhigenden 25. Drei Tage später sieht das ganz anders aus. Plötzlich nähert sich Solingen in Sachen Corona seiner Nachbarstadt Remscheid an, und es gibt erste Einschränkungen. Zwar wurde Mitte September die Vorwarnstufe von 35 in der Klingenstadt schon einmal für mehrere Tage überschritten. Damals waren es jedoch eingrenzbare Ausbrüche, die sich recht gut zurückverfolgen ließen. Das ist jetzt anders. Offensichtlich haben sich die Menschen an ganz unterschiedlichen Orten angesteckt: bei privaten Feiern ebenso wie im Betrieb. 

Mit den nun verhängten Maßnahmen lassen sich die Zahlen hoffentlich bald drücken. Dass das funktioniert, zeigen frühere Hotspots wie Würzburg, wo Einschränkungen wieder aufgehoben wurden. Ja, es ist ermüdend, dass das Virus Pläne immer wieder über den Haufen wirft. Aber vielleicht ist ein Geburtstag auch im kleinen Kreis schön – oder lässt sich 2021 viel unbeschwerter feiern. 

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