Wupperverband

Neues Biotop auf Klärschlammbecken

Die Baumaschinen, die für die Renaturierung benötigt werden, stehen unter der Brücke der L 74. Die nahe gelegenen Klärschlammbecken werden jetzt abgedeckt und verdichtet. Foto: Christian Beier
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Die Baumaschinen, die für die Renaturierung benötigt werden, stehen unter der Brücke der L 74. Die nahe gelegenen Klärschlammbecken werden jetzt abgedeckt und verdichtet.

Wupperverband lässt 21.000 Quadratmeter in der Kohlfurth renaturieren.

Solingen. Rund 43.000 Kubikmeter Faulschlamm lagern seit Jahren auf einer Fläche des Wupperverbandes nahe der Schnellstraße L 74 in der Kohlfurth. Jetzt beginnen die Arbeiten, um die betreffenden zwei Becken zu renaturieren. Zusammen haben sie eine Oberfläche von rund 21.000 Quadratmetern. Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll der faulschlammhaltige Boden verdichtet und abgedeckt werden. Am Ende des Prozesses, so berichtet eine Sprecherin des Wupperverbandes, soll ein neuer Lebensraum für die Natur – unter anderem für Wildbienen und Reptilien – entstehen.

Der Faulschlamm stammt aus dem benachbarten Klärwerk. Er wurde in den Jahren 1973 bis 1982 in die beiden Becken auf Solinger Stadtgebiet eingeleitet – ein zu jener Zeit zulässigen und übliches Verfahren, betont der Wupperverband. Seit 1982 benötigt der Wupperverband solche Becken nicht mehr, weil er den Faulschlamm aus seinen Klärwerken zur Schlammverbrennungsanlage Buchenhofen in Wuppertal bringt.

Schon vor drei Jahren hatte eine Sprecherin des Verbandes im Solinger Naturschutzbeirat erklärt, dass in den Becken nahe der Ausfahrt der L 74 keine giftigen Stoffe enthalten seien. Wegen des organischen Materials sei darin lediglich Ammonium zu vermuten.

Das Verfahren kostet rund 1,55 Millionen Euro

Das Verfahren, nach dem die Becken in der Kohlfurth renaturiert werden, wurde laut Wupperverband auf Basis langjähriger Untersuchungen und mehrerer Gutachten sowie in Absprache mit vielen Beteiligten entwickelt. Auf der Fläche werden zunächst Zwischendämme eingezogen, damit der Schlamm nicht entweichen kann. Die so entstehenden, einzelnen so genannten Kassetten werden dann nach und nach mit Erde verfüllt und verdichtet. Das Wasser, das durch dieses Verfahren nach oben herausgedrückt wird, wird abgepumpt und in die Kläranlage Kohlfurth geleitet. Dort wird es gereinigt.

Die lange Projektzeit von zehn Jahren sei nötig, weil es zwischendurch immer wieder lange Ruhezeiten gebe, damit der Boden sich setzen könne. Für das Projekt hat der Wupperverband 1,55 Millionen Euro eingeplant.

Die Arbeiten haben laut Wupperverband in der vergangenen Woche begonnen. Fertig seien bereits eine Baustraße, ein Bauplatz und eine Rampe, die zu den Schlammbecken führe. Im nächsten Schritt werden die Kassetten angelegt. Im folgenden Schritt beginne das Abdecken mit Erde und Schotter an der ersten Kassette. In der ersten Phase, für die rund drei Wochen veranschlagt sind, werden laut Wupperverband rund 5000 Kubikmeter Erdmaterial ausgebracht. Hierfür seien LKW-Transporte nötig, um das Erdmaterial anzuliefern.

Wenn die gesamten Arbeiten in zehn Jahren abgeschlossen seien, könne der Zaun, mit dem das Gelände umgeben sei, entfernt werden, kündigt der Wupperverband an. Geplant sei eine ökologische Aufwertung mit standortgerechter Bepflanzung. Entsprechend werde das Projekt ökologisch begleitet. Wie die vom Naturschutzbeirat geforderte Rekultivierung ausfallen wird, werde gegen Projektende detailliert ausgearbeitet.

Ermittlungen nach Hochwasser: Der Wupperverband veröffentlicht die erste Aufarbeitung der Ereignisse und weist Verantwortung von sich.

Standpunkt: Erbe vergangener Jahre

Ein Kommentar von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Mit hohem Aufwand lässt der Wupperverband die zwei Faulschlammbecken in der Kohlfurth renaturieren. Aus Sicht des Umweltschutzes ist dies eine gute Nachricht. Eine 21 000 Quadratmeter große Fläche, die derzeit ökologisch ohne großen Wert ist, soll zu einem Biotop umgestaltet werden. Die Faulschlammbecken an der Stadtgrenze zu Wuppertal sind einer von vielen Belegen dafür, dass wir Menschen in vergangenen Jahrzehnten zu sorglos mit unserer Umwelt umgegangen sind. Mittlerweile ist der Wupperverband weiter und verbrennt den Klärschlamm in der speziell dafür gebauten Anlage in Buchenhofen. Es bringt uns jetzt nicht weiter, mit dem Zeigefinger auf diejenigen zu deuten, die ihrerzeit die Klärschlammbecken in der Kohlfurth genehmigt und gebaut haben. Es gibt weitaus schwerwiegendere Umweltsünden. Außerdem haben sie nach dem damals geltenden Standard gehandelt. Aktuell zeigt uns dieser Vorgang aber, dass unser Handeln heute das Leben kommender Generationen beeinflusst. Dies sollte uns stets bewusst sein.

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