Künstlerin verkauft ihre verbliebenen Werke

Wupper zerstört Bilder von Claudia Sinsteden

Claudia Sinsteden zeigt eine der 48 Platten, aus denen ein Kunstwerk besteht, die sie nun verkauft.Foto:Christian Beier
+
Claudia Sinsteden zeigt eine der 48 Platten, aus denen ein Kunstwerk besteht, die sie nun verkauft.

Künstler, Künstlerinnen und die Kunst leiden unter den Folgen des Hochwassers.

Solingen. In der kleinen Wohnung von Claudia Sinsteden im Friedrichstal stapelt sich die Kunst. In der Hochwassernacht vom 14. auf den 15. Juli war ihr Depot noch der Keller. Doch den hatte die Wupper überflutet. Viele Bilde konnte die Malerin retten und säubern. Andere, rund 40 an der Zahl, musste sie entsorgen, zusammen mit Gefrierschrank, Nähmaschinen, diversen Werkzeugmaschinen und vielem mehr.

Jetzt verkauft sie die Kunst, die die Fluten überlebt hat, für kleines Geld. „Die Bilder, vor allem die Acrylbilder, verkaufe ich nun zu einem Bruchteil der Preise, die ich früher in Ausstellungen veranschlagt habe. Das deckt maximal den Preis für eine jeweils neue Leinwand.“ Es geht ihr auch darum, den zerstörten Hausrat wiederzubeschaffen. „Da ich lediglich eine Hausratversicherung ohne Elementarschäden habe, muss ich die Dinge auch wieder beschaffen.“ Doch das ist nicht alles. Es geht ihr auch um sich selbst. Der Verkauf habe etwas mit der Wertschätzung der Kunst an sich zu tun und damit, ihre Werke nicht einfach wegzuwerfen.

Nicht nur im Keller von Claudia Sinsteden wurde Kunst zerstört. Auch den Wipperkotten traf es. Dort hat Familie Rodenkirchen über Jahrzehnte einen Treffpunkt für Künstler und Kunstfreunde geschaffen. Wie es dort weitergeht, berichtet das Tageblatt in den kommenden Tagen. Im Balkhauser Kotten ist der Museumsteil ein Fall für die Generalsanierung, Ausstellungsstücke wurden nass, durchweichten und müssen noch darauf hin angeschaut werden, ob sie wieder benutzt werden können.

Kunstgegenstände wurde an vielen Orten von den Fluten beschädigt

Schloss Burg hat einen Teil der Sammlung wegen der Renovierung des Haupthauses der Burg in Unterburg gelagert. Zum Glück überstanden die wertvollsten Dinge die Flut des Eschbachs.

An der Stadtgrenze zu Solingen wohnt die Malerin Heiderose Birkenstock-Kotalla. Sie ist Mitglied im Verein der Solinger Künstler. Sie beobachte in ihrem Haus direkt an der Wupper in Leichlingen, wie das Wasser stieg. Es drang nicht über den mit Skulpturen geschmückten Garten ins Haus, es kam rückwärts über die Straße. Auch sie verlor Kunst, aber sie will sie nutzen. Durchweichte Fotos, Zeitschriften und Aufzeichnungen möchte die frühere Kunstlehrerin zu neuer, von der Flut gekennzeichneten Kunst erwecken.

Ich muss jetzt viele Dinge wieder neu anschaffen.

Claudia Sinsteden, Künstlerin

Auch Claudia Sinsteden wird weiter malen. Beim Besuch des ST schaut sie auf die pulverbeschichteten Platten ihrer großen Arbeit, die als kleine Tafeln in Reih und Glied an der Wand lehnen. Aus 48 einzelnen Quadraten mit abstrakten Motiven besteht es. Sie verkauft sie jetzt für 200 Euro pro Stück, denn sie würden auch einzeln wirken. Die Künstlerin, die sich am zerstörten Park „Sinneswald“ in Leichlingen beteiligt, hat auch eine andere künstlerische Ader. Sie hat, inspiriert durch ein Straßenfestival in Schwerte, Theaterbilder voller Poesie gemalt. Sie passen zum Thema ihrer Arbeit, das sie gerne mit „Mitte des Lebens“ überschreibt. Was sie in unserer Mitte aufgreift, das malt sie.

Kunst kaufen

Alle Bilder von Claudia Sinsteden, die gerettet werden konnten, sind mittlerweile gereinigt und getrocknet. Sie bietet die Kunst jetzt zum Verkauf an. Dazu sagt sie. „Sie werden jetzt weit unter Wert verkauft und es wäre schön, wenn viele die Gelegenheit nutzen, ein wertvolles Gemälde erwerben und mich als Künstlerin in dieser Situation unterstützen.“

www.sinsteden.de

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Fünffache Kindstötung: Gutachten wirft Fragen auf
Fünffache Kindstötung: Gutachten wirft Fragen auf
Fünffache Kindstötung: Gutachten wirft Fragen auf
Peter-Knecht-Straße muss erneut gesperrt werden
Peter-Knecht-Straße muss erneut gesperrt werden
Peter-Knecht-Straße muss erneut gesperrt werden
41 Quarantäne-Verweigerer wurden bislang zwangsweise in Bethanien isoliert
41 Quarantäne-Verweigerer wurden bislang zwangsweise in Bethanien isoliert
41 Quarantäne-Verweigerer wurden bislang zwangsweise in Bethanien isoliert
Solinger konnte sich nur knapp retten - Gehörlose kritisieren den Katastrophenschutz
Solinger konnte sich nur knapp retten - Gehörlose kritisieren den Katastrophenschutz
Solinger konnte sich nur knapp retten - Gehörlose kritisieren den Katastrophenschutz

Kommentare