Neue Einfamilienhaussiedlung

Wohngebiet in Widdert ist einen Schritt weiter

An der Bushaltestelle Vockert an der Börsenstraße soll die Einfahrt in ein Baugebiet entstehen, auf dem 24 Wohneinheiten vorgesehen sind. Im September soll der Rat für die Pläne von Norbert Zimmermann grünes Licht geben. Einige Anwohner protestieren dagegen. Foto: Christian Beier
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An der Bushaltestelle Vockert an der Börsenstraße soll die Einfahrt in ein Baugebiet entstehen, auf dem 24 Wohneinheiten vorgesehen sind. Im September soll der Rat für die Pläne von Norbert Zimmermann grünes Licht geben. Einige Anwohner protestieren dagegen.

Ein Teil der Anlieger fürchtet um Eingriffe in die Natur – am Samstag haben sie dagegen demonstriert.

  • Bürgerinitiative hat Unterschriften gesammelt
  • Demonstranten wollen Raubbau an der Natur verhindern
  • Grundstück ist seit 1997 als Bauland ausgewiesen

Solingen. Der Rat hat der umstrittenen neuen Einfamilienhaussiedlung in Widdert am Donnerstag prinzipiell zugestimmt. Mit großer Mehrheit beschloss die Politik, dass die Stadt zu den Plänen für 24 Einfamilienhäuser an Börsenstraße und Klingenpfad die offizielle Bürgerbeteiligung einleitet. Die wird wegen der Pandemie aber nur eingeschränkt stattfinden. Einige Anwohner protestieren gegen das Projekt.  -ate-

Artikel vom 9. Juni 2020

Von Philipp Müller

Solingen. Noch geht von der Börsenstraße in Widdert der Klingenpfad an der Bushaltestelle Vockert als Feldweg ab. Doch das soll sich ändern. Gerade läuft die letzte Runde der Bauleitplanung für ein 25 000 Quadratmeter großes Grundstück mit der Flächenplannummer H 667. Voraussichtlich 24 Hauseinheiten will Investor Dr. Norbert Zimmermann dort bauen. Dagegen regt sich weiter Widerstand. Die Bürgerinitiative Widdert will am Samstag um 12 Uhr auf dem Walter-Scheel-Platz für den Erhalt der Natur demonstrieren. Sie hat außerdem Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) angeschrieben und aufgefordert, das Planungsverfahren noch zu stoppen.

Doch danach sieht es nicht aus. Im Mai hatten die Bezirksvertretung Höhscheid/Burg und der Planungsausschuss den Plänen Zimmermanns zugestimmt. „Für uns ist die Sache durch“, erklärt Bezirksbürgermeister Axel Birkenbeul (SPD) auf ST-Nachfrage.

Auch Baudezernent Hartmut Hoferichter (parteilos) verweist auf die Beschlüsse. Es laufe jetzt noch einmal die Offenlegung der Bauplanungen. Diese sollen dann endgültig der Bezirksvertretung, dem Ausschuss und abschließend dem Rat zur Abstimmung vorgelegt werden. Hoferichter schließt nicht aus, dass dies im September erfolgen könne.

Der Protest wird von Sabine und Udo Steinheuer angeführt. Sie erklärt, die Bürgerinitiative habe 1000 Unterschriften gegen die Bebauung gesammelt. 300 Personen seien für Samstag eingeladen worden, mit etwa 50 Demonstranten rechnet sie. Es gehe jetzt darum, Raubbau an der Natur zur verhindern, ist das Hauptargument der Gegner.

Die Verwaltung hat auf fast 70 Seiten diese und andere Fragen beleuchtet. Tatsächlich seien die Grundstücke, die Zimmermann Zug um Zug erworben hatte, schon seit 1997 Bauland für die reine Wohnbebauung. Früher wurden Teile der Fläche von Hahneköppern genutzt. Auch Campingwagen waren dort aufgebaut. Heute ist vieles verwildert.

Die Verwaltung verweist darauf, dass das Grundstück ins „Handlungskonzept Wohnen“ der Stadt passe. Das sieht auch Grundstücke für Einfamilienhäuser vor. Problematisch sei die Bushaltestelle, räumt Bezirksbürgermeister Birkenbeul ein. Die werde bleiben und die Bewohner müssten dann beim Ausfahren auf die Straße vielleicht einmal kurz warten, falls der Bus gerade halte.

Norbert Zimmermann weiß um die Proteste, kann sie aber nicht nachvollziehen. Er habe seit 2004 die Zahl der zu bauenden Häuser reduziert. Er verspricht, dass dort hochmodern und vor allem ökologisch gebaut werde. Befürchtungen gibt es auch bei Anwohnern des Wüstenhofer Wegs. Sollten die Flächen versiegelt werden, drohten ihre Grundstücke bei Starkregen absaufen. Auch das habe man untersucht, betont Baudezernent Hoferichter. Die Führung von Niederschlagswasser führe zu einer eigenen Versickerungsfläche, erklärt die Verwaltung.

„Wer meine Sicht für ökologisches Bauen nicht teilt, der bekommt kein Land.“
Norbert Zimmermann, Investor

Zimmermann versichert, das Thema Starkregen genau im Blick zu haben und entsprechend zu bauen. Überhaupt stellt er sich eine effiziente, an ökologischen Möglichkeiten ausgerichtete Bauweise vor. Erdwärme werde man einsetzten, die Dächer begrünen, Solarenergie vorsehen und auf eine richtige Dämmung achten. Er habe da ein festes Prinzip gegenüber seinen künftigen Käufern: „Wer meine Sicht für ökologisches Bauen nicht teilt, bekommt kein Land.“

Das lobt auch Sabine Steinheuer, sagt aber auch, ohne den Naturverbrauch werde es Widdert besser gehen.

Bauplanung in Widdert

2004: Für die Aufstellung des Bebauungsplanes H 667 fand bereits damals eine erste Bürgerbeteiligung statt. In dem seitdem laufenden Verfahren mit Vorentwürfen wurde die Zahl der Häuser von 47 Hauseinheiten (2004) über 41 Hauseinheiten (2006) und 33 Hauseinheiten (2016) auf jetzt 24 Einheiten reduziert: sechs in Doppelhäusern, 17 in frei stehenden Einfamilienhäusern sowie ein Geschosswohnungsbau.

Baubeginn: So wie der Rat nach dem Sommer grünes Licht gibt, startet die Erschließung.

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