Bergische Unternehmen

Wirtschaft ächzt unter hohen Energiepreisen

Henner Pasch sorgt sich um die heimischen Firmen.
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Henner Pasch sorgt sich um die heimischen Firmen.

IHK-Präsident Henner Pasch möchte Minister Robert Habeck heute die Lage bergischer Unternehmen schildern.

Von Katharina Rüth und Manuel Böhnke

Bergisches Land. Ralf Vogelskamp ist besorgt. „Die Situation ist existenzbedrohend“, sagt der Geschäftsführer der Bäckerei Stöcker. Der Solinger Traditionsbetrieb wartet noch auf ein finales Angebot der Stadtwerke. Doch es sei klar, dass die Energiepreise empfindlich steigen werden. Beim Gas deutet sich eine Verneunfachung an, Strom werde ebenfalls um ein Vielfaches teurer. „Ich weiß nicht, wie das gehen soll“, sagt Vogelskamp.

Das hat er mit vielen Unternehmern im Bergischen gemein. „Die Lage ist ernst“, sagt Kreishandwerksmeister Arnd Krüger. In seiner Branche seien vor allem Bäcker und Fleischer von der Energiekrise betroffen. „Sie müssen heizen und kühlen. Sie können das Brot nicht für 5 oder 6 Euro verkaufen, dann überlegt es sich der Kunde, ob er nicht lieber beim Discounter kauft.“ Große Lebensmittelketten könnten die hohen Energiekosten leichter ausgleichen.

Das bestätigt Ralf Vogelskamp. Im Mai habe Stöcker die Preise angepasst. Eine weitere Erhöhung scheint unumgänglich. Doch vor allem im Umgang mit Großkunden, von denen die Bäckerei viele beliefert, sei Fingerspitzengefühl gefragt: „Sonst bricht die Nachfrage ein.“

Mit größeren und kleineren Maßnahmen versucht Stöcker, Energie einzusparen. Unter anderem sei geplant, das Sortiment zu überarbeiten: Weniger lohnenswerte und kostenintensive Produkte kommen auf den Prüfstand. Zudem möchte Vogelskamp für seinen Betrieb eine energetische Beratung wahrnehmen.

Kritik: Bund vergisst Handwerker

Arnd Krüger bemängelt, dass der Bund die Handwerker „schlicht vergessen“ hat. „Das war ein handwerklicher Fehler in der Gesetzgebung.“ Er blickt mit Sorgen in die Zukunft. Wenn die Nachzahlungsrechnungen kommen, sei die Liquidität der kleinen Betriebe gefährdet. Sie hätten die Pandemie überstanden, die Probleme der Lieferketten. „Aber jetzt habe ich schlimmste Befürchtungen, dass wir auf eine Rezession zulaufen.“

Bei der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) kommen „laufend Nachrichten von Unternehmen an“, die ihre schwierige Lage erklären, berichtet Hauptgeschäftsführer Michael Wenge. Darunter solche, die sagen „wir kriegen das hin“, aber auch andere, bei denen die Inhaber von einer unmittelbar bevorstehenden Pleite reden.

Energiekrise und Inflation - Industrie stehen schwierige Zeiten bevor

Auch gibt es Betriebe, die Schwierigkeiten haben, überhaupt einen Energieversorger zu finden. Ihm seien solche Fälle bekannt, berichtet IHK-Stabsbereichsleiter Ralph Oermann. Die Stadtwerke Solingen erklären auf Nachfrage, angebotsfähig zu sein: „Wir erhalten sehr viele Anfragen.“ Deshalb könne die Bearbeitung „etwas dauern“.

Wenge verweist darauf, dass viele Unternehmen im Bergischen vom Export leben und im Wettbewerb mit US-Unternehmen stünden. „Da ist Energie deutlich preiswerter.“ Aktuell sei es „mit einem warmen Pulli allein nicht getan“, sagt Wenge. Man müsse „auch unbequeme Wege gehen“. Damit meint er, Kernkraft und Kohle weiter zu nutzen.

Um die Situation der bergischen Unternehmen zu erfassen, hat die IHK mit rund 90 Firmen Gespräche geführt, berichtet Ralph Oermann. Zwei Beispiele möchte IHK-Präsident Henner Pasch am Dienstagabend Robert Habeck (Grüne) schildern. Der Bundeswirtschaftsminister ist in Berlin beim Parlamentarischen Abend des Bundesverbands der Deutschen Industrie, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber sowie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zu Gast. „Die Beispiele sollen die Dramatik der Situation verdeutlichen“, erklärt Oermann. Es brauche schnell wirksame Hilfe.

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