30 Jahre

Wirte haben im Postillon in Wald ihr Glück gefunden

Katharina und Jannis Giannakou (r.) mit Stammgästen. Die Hobby-Kicker vom FC Hansa Landfürst gehören seit einigen Jahren dazu. Foto: Christian Beier
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Katharina und Jannis Giannakou (r.) mit Stammgästen. Die Hobby-Kicker vom FC Hansa Landfürst gehören seit einigen Jahren dazu.

Jannis und Katharina Giannakous Kultkneipe Postillon feiert im Januar 30-jähriges Bestehen.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Den 12. Januar 1992 werden Jannis und Katharina Giannakou wohl nie wieder vergessen: Massenweise strömten Gäste in ihre damals frisch eröffnete Kneipe Postillon im Zentrum von Wald. „Wir haben Tabletts mit gefüllten Gläsern bis auf die Straße durch die geöffnete Tür über die Köpfe durchgereicht, es war kein Durchkommen mehr“, erinnert sich der Gastwirt aus Leidenschaft lebhaft. Für ihn und seine Frau war es eine wunderbare, nicht erwartete Überraschung, mit wie viel herzlicher Neugierde der Start ihrer Kneipe in der zuvor optischen Bruchbude begleitet wurde.

„Dass das hier so ein Glückstreffer werden würde, hätte ich niemals erwartet.“

Jannis Giannakou, Wirt

Siegfried Kusch ist Stammgast der ersten Stunde im Postillon. „Mein erstes Bier hier habe ich schon vor der Eröffnung bekommen, da wurde gerade der neue Boden verlegt – als ich meinen Kopf zur Tür reingesteckt habe, um mal zu gucken, was hier abgeht“, erzählt er. Er habe damals innerlich den Hut gezogen vor dem Mut, sich dieses baufälligen Objekts anzunehmen. „Toll, was daraus geworden ist: ein urgemütlicher Stadtteil-Treffpunkt nach alter Kneipen- Manier.“

Jannis und Katharina Giannakou haben Herzblut in das Lokal gesteckt – und viele Herzen damit erobert. „Gegenseitiger freundschaftlicher Respekt voreinander war und ist die Basis für das Verhältnis zu Besuchern des Postillons. So sind aus vielen Gästen im Laufe der Jahre Freunde geworden, auf die wir uns verlassen können“, sagt der 66-Jährige gelernte Schlosser, der über ebensolche Beziehungen an den Postillon gekommen ist.

Er habe zunächst eine Kneipe gesucht, die er nebenbei betreiben wollte, um das Familienbudget aufzustocken. Erst kurz zuvor war der in Norddeutschland aufgewachsene Mann wieder aus Griechenland nach Deutschland zurückgekehrt. Dort hatte er mit seiner jungen Familie gelebt, als sich herausstellte, dass der jüngste Sohn eine qualitativ hochwertige medizinische Behandlung brauchte. „Dafür fühlten wir uns in Deutschland besser aufgehoben“, sagt Giannakou.

Ein Notfall brachte den Wirten neue Gäste

Zunächst ging es nach Wuppertal und von dort schließlich nach Wald. Noch heute schüttelt er ungläubig den Kopf über die Umstände, die ihm zum Postillon verhalfen. „Jemand, der mich persönlich nicht kannte, hat mir Vertrauen vorgestreckt, weil mich ein gemeinsamer Bekannter empfohlen hatte“, kürzt er die komplexe, durchaus kuriose Geschichte ab. „Dass das hier so ein Glückstreffer werden würde, hätte ich niemals erwartet. Dass ich später auch noch das Haus zur Kneipe kaufen und umfangreich sanieren würde, erst recht nicht.“

Von den ersten, immer älter gewordenen Stammgästen seien nicht mehr viele da, sagt Katharina Giannakou. „Aber durch einen verrückten Zufall haben wir vor einigen Jahren gleich einen ganzen Schwung netter junger Leute als neue Dauergäste dazubekommen.“ Eines Abends musste sie notfallmäßig von einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Einer der Retter erkundigte sich später nach ihrem Befinden, fand die Kneipe cool und von da an brachte er seine Fußball-Hobbyliga-Mannschaftskollegen des FC Hansa Landfürst mit in den Postillon.

Der Beginn einer gegenseitigen Liebe. „Das sind alles meine Kinder“, sagt Jannis Giannakou fröhlich – „zusätzlich zu meinen eigenen drei“. Nicht nur regelmäßige Abende nach dem Training oder Spielen finden bei ihm statt. „Im Sommer wird oft der Grill angeworfen und schön gefeiert.“

Auch hier herrsche selbstverständliches Geben und Nehmen. Der Postillon finanzierte einen neuen Trikot-Satz für die Sportler, dafür sammelten die jungen Fußballer, um „ihrem“ Postillon im Lockdown über die Runden zu helfen. So etwas sei selbstverständlich unter Freunden, sagt Max Gehrmann, einer der Hobby-Kicker, die allesamt begeistert von der Kneipe alten Schnittmusters sind. „Hier herrscht noch die schöne, inzwischen beinahe nostalgische Kneipenkultur“, sagt er. „Man kennt sich, gehört zum Stadtteil und teilt das Leben miteinander.“

Dass ein Mannschaftskamerad in Covid-Quarantäne von Katharina Giannakou mit Mahlzeiten verwöhnt werde, sei ein weiteres Beispiel für das funktionierende Miteinander

Feier

Ob am 12. Januar anlässlich des 30-jährigen Bestehens gefeiert werden kann, steht wegen der Pandemie noch in den Sternen. Aber es werde in jedem Fall ein großes Fest geben, kündigt Jannis Giannakou an: Um danke dafür zu sagen, dass Solingen-Wald und der Postillon ihm Lebensglück gebracht haben.

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