Direktverbindungen

VRR will S-Bahn-Verkehr reformieren

Die S-Bahnen der Linien S 1 (links) und S 7 (rechts) halten im Solinger Hauptbahnhof am selben Umsteigebahnsteig. Archivfoto: Tim Oelbermann
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Die S-Bahnen der Linien S 1 (links) und S 7 (rechts) halten im Solinger Hauptbahnhof am selben Umsteigebahnsteig.

Verkehrsverbund strebt mehr Direktverbindungen nach Düsseldorf an – dies hätte Vor- und Nachteile.

Von Andreas Tews

Solingen. Das große Umsteigen im Solinger Hauptbahnhof soll künftig nicht mehr nötig sein. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) strebt eine Reform der S-Bahn-Linien an, nach der die Züge, die aus Richtung Remscheid und Solingen-Mitte kommen, künftig bis Düsseldorf durchfahren oder zumindest an die S-Bahn 1 (Richtung Düsseldorf) angehängt werden. Dafür wurden zwei Szenarien entworfen. Nach dem Ersten würde die S-Bahn 7 (Solingen-Remscheid-Wuppertal) ab 2028 generell im 20-Minuten-Takt durchfahren. Ein zweites Szenario brächte den Nachteil, dass die Züge an mehreren Haltepunkten nur noch im 30-Minuten-Takt hielten. Darüber informierte das Solinger Rathaus jetzt die Politik der Klingenstadt.

Ausgangslage: Der Solinger Hauptbahnhof zählt laut VRR zu den Stationen im Verbandsgebiet mit dem höchsten Umsteigeaufkommen. Viele Pendler und Reisende aus dem Bergischen steigen dort in die S-Bahn 1 in Richtung Düsseldorf oder in Regionalzüge nach Köln oder Wuppertal. Dies will der VRR im Zuge einer generellen Neuplanung der S-Bahnen im Raum Düsseldorf entzerren und hat dafür zwei Varianten entworfen.

Szenario 1: Nach der ersten würde die Linie S 1 des „Müngsteners“ von Remscheid kommend über Solingen hinaus bis nach Düsseldorf (Flughafen-Terminal) verlängert. Dies hätte nach einer Analyse der Stadt Solingen nur Vorteile für das bergische Städtedreieck. Anders als bei der zweiten Variante würde die S 7 weiterhin an allen Stationen halten und im 20-Minuten-Takt verkehren. Zwischen Solingen Hauptbahnhof und Düsseldorf ergäbe sich zusammen mit der weiterhin dort fahrenden S 1 im besten Fall sogar ein 10-Minuten-Takt.

Szenario 2: Eine weitere Variante sieht auf einer künftigen „Basislinie“ S 7 – die nach Düsseldorf durchfahren würde – einen 30-Minuten-Takt vor. Ergänzt würde diese durch eine neue Regionalbahn 37, die auf dieser Strecke ebenfalls im 30-Minuten-Takt führe, aber nicht mehr an allen Stationen hielte. Auch bei diesem Szenario wäre zusammen mit der S 1 ein Zehn-Minuten-Takt vom Solinger Hauptbahnhof nach Düsseldorf möglich. Für Solingen-Mitte und alle Remscheider Haltepunkte brächte dies den Vorteil eines 15-Minuten-Taktes mit Direktverbindung nach Düsseldorf. Durch das Wegfallen der Umstiege in Solingen-Hauptbahnhof würde sich die Gesamtfahrzeit etwas verkürzen. An den Stationen Solingen-Grünewald und Schaberg sowie den geplanten neuen Haltepunkten in Solingen-Meigen und Remscheid-Honsberg würde aber nur die S 7 (im Halbstundentakt) halten. Die RB 37 würde auch Solingen-Vogelpark nicht anfahren. Für diese Stationen ergäben sich also auch Nachteile. Zudem ist noch nicht entschieden, ob die RB 37 montags bis freitags generell oder nur zu Hauptverkehrszeiten fahren soll.

Technik: Ein Ausbau der Bahnlinie Wuppertal-Remscheid-Solingen mit Oberleitungen ist dem VRR und der Deutschen Bahn zu teuer. Darum sollen dort künftig batteriebetriebene Züge fahren.

Zeitplan: Die Umstellungen strebt der VRR für den Fahrplanwechsel im Dezember 2028 an. Dann endet der Vertrag mit dem Betreiber Abellio über die Linie S 7. Für eine Übergangszeit ist ein stündlicher Expresszug Remscheid-Solingen-Düsseldorf geplant.

Reaktionen: Sowohl im Solinger als auch im Remscheider Rathaus bewertet man die geplante Durchbindung nach Düsseldorf positiv. Für Solingens Stadtdirektor Hartmut Hoferichter kommt es jetzt darauf an, dem VRR ein Zeichen zu geben, dass alle Haltepunkte mindestens im 15-Minuten-Takt angefahren werden sollten. Darüber will auch der Remscheider Baudezernent Peter Heinze diskutieren. Er ist sich aber auch im Klaren darüber, dass dies in den gesamten NRW-Fahrplan hineinpassen müsse. Und der werde bei den S-Bahnen wohl generell auf eine Kombination aus 15- und 30-Minuten-Takt umgestellt.

Reform

Takt: Bei seiner Reform will der VRR unter anderem die S-Bahn-Linien auf eine Kombination aus 15- und 30-Minutentakt umstellen.

Linien: Auch sollen Fahrten auf der Nord-Süd-Achse von solchen auf der Ost-West-Achse betrieblich getrennt werden. Dies würde bedeuten, dass zum Beispiel die durch ihren langen Fahrweg störungsanfällige S 1 von Solingen aus nur noch bis Düsseldorf, nicht aber weiter bis nach Dortmund fahren würde.

Standpunkt

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Andreas Tews

Eine Reform der S-Bahn-Linien ist in unserer Region dringend nötig. Dies zeigt nicht zuletzt die hohe Zahl der Verspätungen und Ausfälle auf der S-Bahn-Linie (S 1) in Richtung Düsseldorf. Zudem fällt auf, dass auf dem S-Bahn-Gleis am Solinger Hauptbahnhof regelmäßig viele Pendler aus dem einen Zug aus- und in den nächsten wieder einsteigen müssen. Darum ist es erfreulich, dass die S 1 künftig nur noch bis Düsseldorf fahren und dass ab 2028 die von Remscheid kommenden Züge in die Landeshauptstadt durchfahren sollen. Das eine reduziert die Gefahr von Störungen, das andere erhöht den Komfort für die Fahrgäste. Die Änderungen könnten aber einen Haken haben: Die positiven Effekte, die den Öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen, würden zumindest zum Teil verpuffen, wenn an Haltepunkten wie Grünewald S-Bahnen künftig nur noch alle halbe Stunde halten. In den beteiligten Städten müssen die Verantwortlichen darum aufpassen, dass mit der eigentlich gut gemeinten S-Bahn-Reform nicht durch die Hintertür zu große Einschränkungen verbunden sein werden.

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