Verträge gekündigt

Wiedenhoff muss um Buslinien bangen

Mit seinen Linien 250 und 252 steuert Wiedenhoff auch den Graf-Wilhelm-Platz in Solingen an. Foto: Moritz Alex
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Mit seinen Linien 250 und 252 steuert Wiedenhoff auch den Graf-Wilhelm-Platz in Solingen an.

Verkehrsverbund hat dem Solinger Unternehmen die Verträge gekündigt – das schaltet seine Anwälte ein.

Solingen. Die Unruhe unter den rund 100 Beschäftigten der Firma Wiedenhoff ist groß. Bei einer Betriebsversammlung informierte die Firmenleitung darüber, dass der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS), mit dem man beim Betrieb von fünf Buslinien zusammenarbeitet, die Verträge zum 1. Juli gekündigt hat. Das würde bedeuten, dass Wiedenhoff zumindest keine VRS-Fahrkarten mehr verkaufen dürfte. Ein Weiterbetrieb der Buslinien durch das Solinger Unternehmen mit Betriebshof in Burscheid wäre dann zumindest schwierig.

„Wir sehen keinen Grund für eine überstürzte Einstellung des Linienbetriebs zum Sommer.“

Constantin Wiedenhoff, Mitinhaber und Prokurist

Die Konzessionen für die fünf Linien läuft aber noch bis 2026. Für eine „überstürzte Einstellung des Linienbetriebs“ sieht Wiedenhoff-Mitinhaber und Prokurist Constantin Wiedenhoff darum auch keinen Grund. Nach seinen Angaben prüfen Anwälte der Firma die Kündigung. In einem Schreiben an die Mitarbeiter, das dem ST vorliegt, ist von einem „rechtswidrigen“ Vorgehen des VRS die Rede, gegen das man auch gerichtlich vorgehen wolle, „um ab dem 1.7. weiter fahren zu können“.

Beim Verkehrsverbund bestätigt ein Sprecher, dass die Verträge außerordentlich gekündigt worden seien. Es gehe um einen jahrelangen Streit um die Verteilung von Einnahmen. Alle Vermittlungsbemühungen seien gescheitert, berichtet der Sprecher. Darum sei die Kündigung „leider unumgänglich“ geworden.

Wiedenhoff gibt sich aber nicht geschlagen. „Wir erfüllen unseren Auftrag im ÖPNV seit nunmehr fast 100 Jahren“, erklärt Mitinhaber Constantin Wiedenhoff. Auch weiterhin wolle das Unternehmen den Linienverkehr im Bergischen Land sowie zwischen Solingen, Köln und Leverkusen aufrechterhalten. Er versichert: Dies geschehe „zum Nutzen der Fahrgäste“.

„Dieser Schritt war leider unumgänglich.“

Ein Sprecher des VRS

Wie es jetzt genau weitergeht, konnte aber auch er noch nicht mit Sicherheit sagen. Aus dem Schreiben an die Mitarbeiter geht hervor, dass in dieser Frage auch die Bezirksregierungen Köln und Düsseldorf zu entscheiden haben. Sie sind die übergeordneten Behörden der Städte und Kreise, in deren Auftrag Wiedenhoff seine Buslinien in Solingen, Leverkusen Remscheid und Köln sowie dem Rheinisch-Bergischen betreibt. Der Prokurist berichtet: „Gemeinsam mit unseren Mitarbeitern und unserem Betriebsrat erarbeiten wir zurzeit verschiedene Lösungen.“

Bei der Auseinandersetzung um die Verteilung der Einnahmen des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg ist die Firma Wiedenhoff kein Einzelfall. Betroffen sind nach Angaben von Branchenkennern auch andere private Busunternehmen. In diesem Zusammenhang meldete vor einem Jahr zum Beispiel die Leichlinger Firma Hüttebräucker Insolvenz an. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes musste das Unternehmen nach damaligen Angaben seiner Geschäftsführung 1,3 Millionen Euro zurückzahlen. Dies überforderte die finanziellen Fähigkeiten des Unternehmens. Unter anderem Namen und in kleinerer Form fahren die Leichlinger Busse inzwischen wieder.

Firma Wiedenhoff

Geschichte: Wiedenhoff-Reisen – vormals ein Fuhrunternehmen – startete 1924 seinen Busliniendienst auf der Strecke Witzhelden-Hilden-Solingen.

Standorte: Heute hat das Unternehmen seine Hauptverwaltung in Solingen. Der Betriebshof ist in Burscheid.

Buslinien: Der Linienverkehr ist Wiedenhoffs Hauptgeschäftszweig. Die Busse fahren auf den Linien 239/240 (Opladen-Wermelskirchen und Wermelskirchen-Lennep), 250 (Solingen-Köln), 252 (Solingen-Burscheid), 255 (Burscheid- Leverkusen) und N 8 (Nachtbus).

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