Natürlich nachhaltig

Wie fairer Handel eine nachhaltige und gerechte Welt schaffen kann

Martina Dembny eröffnete im November ihren Weltladen. Für sie ist der Laden ein zweites Zuhause. Foto: Christian Beier
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Martina Dembny eröffnete im November ihren Weltladen. Für sie ist der Laden ein zweites Zuhause.

Martina Dembny verkauft in ihrem Weltladen in Ohligs faire Produkte aus aller Welt. Das kann auch Nachhaltigkeit fördern.

Von Katharina Birkenbeul

Solingen. Damit wir in den Läden Früchte, Schokolade oder Textilien kaufen können, müssen andere Menschen auf der Welt hart arbeiten. Die Bedingungen sind dabei nicht immer die Besten – niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen, keine sozialen Absicherungen. Wer möchte, dass sich daran etwas ändert, der kauft in einem Weltladen ein. In Solingen gibt es zwei Weltläden: den Weltladen der evangelischen Kirche Wald und den Weltladen in Ohligs von Martina Dembny. Dort werden fair gehandelte Produkte verkauft.

Solingen ist Stadt des fairen Handels

Fairer Handel bedeutet, dass die Produzenten einen gerechten Lohn und bessere Bedingungen für ihre Arbeit bekommen. Zwischen Händlern und Erzeugern sollen zudem langfristige Handelsbeziehungen entstehen, um den Produzenten ein regelmäßiges Einkommen und damit ein besseres Leben zu sichern. Diese Handelspartnerschaft beruht auf Dialog, Transparenz und Respekt, heißt es vom Verband Forum Fairer Handel. Damit leistet der faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.

Wenn die Menschen genug verdienen, können ihre Kinder zur Schule gehen.

Martina Dembny, Weltladen

Laut dem Forum Fairer Handel wurden 2020 in Deutschland 1,8 Milliarden Euro zu Endverbraucherpreisen mit Produkten aus Fairem Handel umgesetzt – weniger als vor der Corona-Pandemie. Die Weltläden und -gruppen, die bereits seit den 1970er-Jahren bestehen und mit dem Verlauf der Ware eine Einkommensmöglichkeit für die Produzenten schaffen, trugen zu dem Umsatz mit 72 Millionen bei. Bundesweit gibt es laut Weltladen-Dachverband rund 900 Weltläden. Der evangelische Pfarrer Bernd Reinzhagen von der Walder Kirchengemeinde berichtet, die Idee eines Weltladens sei als Wunsch einer Initiative aus der Gemeinde umgesetzt worden und erfreue sich immer noch großer Beliebtheit.

Dembny arbeitete rund 15 Jahre ehrenamtlich im Weltladen der evangelischen Kirchengemeinde Wald mit. Neben ihrem Beruf als Diplompädagogin wollte sie ehrenamtlich etwas Gutes für die Gesellschaft tun. Als sie von dem Fairen Handel erfuhr, wusste sie: „Das ist es!“ Ihren Laden führt sie nun mit Herzblut und dem täglichen Gefühl, nach Hause zu kommen. Und sie appelliert: „Es muss nicht jeder 300 Prozent geben. Hauptsache, ein Jeder tut etwas“.

Der Weltladen soll ein normaler Einkaufsort werden

Ihr Ziel: den Weltladen als normalen Einkaufsort. Ein Laden, in den jeder, nicht nur diejenigen, die bereits ein Bewusstsein dafür haben, einfach reingeht, als wäre es ein Supermarkt. „Dabei hilft es mir, dass gerade ein Wandel bei den Menschen stattfindet. Viele achten mehr darauf, was und wo sie einkaufen“, bemerkt Dembny. Bisher sei die Resonanz auf ihren Laden durchweg positiv gewesen. Das bestätigt auch Birgit Schöning, die an jenem Tag im Weltladen stöberte: „Ich war neugierig, weil ich schon öfter im Weltladen in Wald viele schöne Dinge gesehen habe und gekauft habe: Geschenke, nützliche Sachen.“

Das Sortiment, bestehend aus Kaffee, Tee, Schokolade, Schmuck, Kleidung, Nüssen, Dekoartikeln und vielem mehr, beziehen die beiden Solinger Weltläden von unterschiedlichen Fair-Handels-Importeuren wie Weltpartner, El Puente, Südsinn oder Gepa. Lebensmittel machten 2020 mit 78 Prozent den größten Anteil in Deutschland am Umsatz mit fair gehandelten Produkten aus. Mit einem Anteil von 30 Prozent am Gesamtumsatz ist Kaffee weiterhin der Spitzenreiter unter den fairen Produkten, so das Forum Fairer Handel. Der erwirtschaftete Gewinn des Weltladens der evangelischen Kirche fließt in Projekte wie die Kindernothilfe Burundi.

Gepa: Das macht guten Kaffee aus

So nachhaltig ist Fair Trade

Natürlich nachhaltig

Alle Folgen der Serie „Natürlich nachhaltig“

Beim Fairen Handel spielt Nachhaltigkeit in vielen Punkten mit: Laut Dembny seien rund 95 Prozent der Materialien, die die Menschen bei der Herstellung der Produkte nutzen, biologisch angebaut. Oftmals werden Naturprodukte verwendet wie Wolle oder Holz. „Alpakawolle ist eigentlich das Nachhaltigste“, erklärt die Inhaberin. Die Tiere sind genügsam, die Wolle ist weich und warm und die Tiere schaden dem Boden mit ihren weichen Hufen nicht. Fischer- oder Moskitonetze finden sich im Laden als Taschen wieder.

Im Vordergrund steht die soziale Nachhaltigkeit

Im Vordergrund steht allerdings die soziale Nachhaltigkeit, betont die Inhaberin des Weltladens. Oftmals werde sie beispielsweise gefragt, warum es sinnvoll ist, Honig aus fernen Ländern statt aus der näheren Umgebung zu kaufen. Eine Antwort zu finden, ist für sie einfach: „Die Menschen dort leben von dem Honig und wenn die Menschen genug verdienen, können ihre Kinder zur Schule gehen.“ Zudem gehe es um Gerechtigkeit für Frauen, keine Ausbeutung und keine Kinderarbeit. Auch die Lieferketten seien fair. Dembny: „Natürlich gelingt es auch im Fairen Handel nicht immer, alles umzusetzen, aber es ist das einzig gangbare, um eine Welt mit gerechter Zukunft zu schaffen.“

Während der Corona-Pandemie ist es besonders für die Bauern schwer, sich über Wasser zu halten. Lieferketten sind zusammengebrochen, Produzenten haben weniger verdient. Der Weltladen-Dachverband hat deshalb mit der Aktion #fairwertsteuer Mitte 2020 zusammen mit Partnern einen Fonds ins Leben gerufen, um von der Corona-Pandemie besonders betroffene Handelspartner zu unterstützen. Der Fonds wurde in erster Linie von Weltläden gespeist, die die zwischen dem 1. Juli und 31. Dezember 2020 reduzierte Mehrwertsteuer nicht an ihre Kunden weitergeleitet haben, sondern an den Topf der Aktion gespendet haben.

Fairer Handel verzeichnet Umsatzrückgang in der Krise

Eine Aufgabe der Weltläden ist auch die Informations- und Bildungsarbeit. Dadurch sollen Jugendliche und Erwachsene zu einer kritischen Auseinandersetzung mit globalen Zusammenhängen angeregt werden.

So erkenne ich Fairen Handel

Globo, Gepa, ElPuente, BanaFair, Weltpartner oder Fairband – das sind alles Marken, die fair gehandelte Produkte vertreiben. Sie finden sich auch im Supermarkt. Auch an Siegeln ist ein faires Produkt zu erkennen. Diese sind das Fairtrade-Siegel, Fair for Life oder das Naturland Fair-Siegel. Außerdem können Produkte vom Weltladen-Dachverband zertifiziert worden sein.

www.forum-fairer-handel.de

www.weltladen.de

Weitere Infos

Öffnungszeiten: Seit Ende November 2021 ist der Weltladen von Martina Dembny an der Lennestraße 8 eröffnet. Er ist dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 13 sowie 14 bis 18 Uhr, mittwochs nur am Vormittag und samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Der Weltladen der evangelischen Kirche Wald wird ehrenamtlich geführt. Der Weltladen liegt zwischen der Walder Kirche und dem Kirchencafé und bietet eine große Bandbreite an nachhaltig angebauten und fairen Produkten an. Er wurde bereits 1985 als Aktionsgruppe „3.-Welt-Lädchen“ von drei Frauen des damaligen Mütterkreises der Walder Kirchengemeinde eröffnet. Er hat mittwochs und freitags von 9.30 bis 12.30 Uhr, donnerstags von 15.30 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 12.30 Uhr und sonntags nach dem Gottesdienst geöffnet.

https://www.ekir.de/solingen-wald/mobile/weltladen-174.php

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