Reitpädagogik

„Widderter Wildpferde“ helfen kranken Kindern

Gesche Hugger (rechts) und Claudia Eichler mit vier Therapiepferden auf der Naturweide in Widdert.
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Gesche Hugger (rechts) und Claudia Eichler mit vier Therapiepferden auf der Naturweide in Widdert.

Therapiereiten in Solingen – ein bundesweit bekanntes Vorzeigeprojekt.

Von Stefan M. Kob

Solingen. Wer über den Klingenpfad westlich zur Börsenstraße wandert, kann sie mit etwas Glück durch die Bäume sehen: Die „Widderter Wildpferde“ auf einem fast drei Hektar großem Naturreservat, fast komplett von Wald umgeben und doch mitten im Stadtgebiet. Dort leben die vier Pferde in einer sogenannten Offenstall-Haltung. Die Diplom-Psychologin und Reitpädagogin Gesche Hugger (49) betreibt dort – unterstützt von einem Team versierter Pferde-Experten und Therapeuten – eine Praxis für Reittherapie.

Als sie vor rund zehn Jahren zusammen mit ihrem Ehemann Michael das Areal erwarb, mussten zunächst einmal die Gebäude mit erheblichem Aufwand renoviert werden. Dabei entstanden in der ehemaligen Scheune unter anderem helle Seminar- und Verwaltungsräume. Den Eheleuten liegen besonders der Erhalt und die Wiederherstellung der Naturlandschaft auf dem Areal der „HofHeimat“ am Herzen, denn, so Gesche Hugger, die psychologische und therapeutische Versorgung ist gerade bei der Reittherapie in einer ruhigen natürlichen Außenumgebung sehr erfolgreich. Ungenutzte gemauerte Hochbeete wurden deshalb aufwendig renaturiert, Flachdächer begrünt und die ehemaligen Felder und der Ziergarten in ein reines Naturgelände mit ungedüngten und pestizidfreien Pferdeweiden verwandelt.

Durch die Arbeit mit den Pferden bin ich mehr in meine emotionale Innenwelt gekommen.

Gesche Hugger, Diplom-Psychologin und Reitpädagogin

Dabei kommen die Eheleute beruflich aus einer ganz anderen Ecke: Michael Hugger ist freischaffender Musik- und Filmproduzent, Gesche Hugger war über 20 Jahre im väterlichen 400-Mitarbeiter-Unternehmen tätig. Dieses leitete sie nach dem Tod des Vaters gemeinsam mit ihrem Bruder bis 2012 als Geschäftsführerin. „Ich war früher ein ausgeprägter Kopfmensch“, bekennt Gesche Hugger, „durch die Arbeit mit den Pferden bin ich mehr in meine emotionale Innenwelt gekommen und verlasse mich jetzt viel öfter auf meine Intuition.“

Die pferdegestützte Therapie findet auf einem kleinen Reitplatz in einem geschützten Eckbereich statt. „Reiterliche Erfahrungen sind dabei nicht nötig“, erläutert Gesche Hugger. Die Zusammenarbeit findet bei dieser Therapiemethode im Wesentlichen auf Augenhöhe und vom Boden aus statt. Claudia Diana Eichler, die in der Nachbarschaft eine Praxis für Physiotherapie und Osteopathie betreibt und sich seit Jahren für die Verbreitung dieser neuen Therapieform engagiert, ist von der Anlage begeistert: „Mit hoher therapeutischer Kompetenz wird der steinige Weg zur inneren Wahrnehmung gefördert, ohne die eine Heilung der oft psychisch schwer traumatisierten jungen und auch älteren Patienten gar nicht möglich ist“.

„HofHeimat“ ist Vorzeigeprojekt für Pferdetherapie

Für die pferdegestützte Therapie sei die Solinger „HofHeimat“ mittlerweile ein über die Grenzen der Bundesrepublik bekanntes und mustergültiges Vorzeigeprojekt. Erst kürzlich haben sich davon Experten aus Frankreich, wo die psychologisch-medizinische Reittherapie einen viel höheren Stellenwert genießt als hierzulande, aus Kolumbien und aus den USA überzeugen können. „Bewundernswert, dass das Ehepaar Hugger dieses Musterprojekt völlig ohne Drittmittel und allein privatwirtschaftlich auf die Beine gestellt haben“, urteilt Claudia Eichler.

Dass sie mit ihrem Angebot genau richtig liegen, erfahren Gesche Hugger und ihre Mitstreiter täglich. Durch die Krisen-Serie von Corona, Klimawandel und Krieg verlieren viele Vertrauen und Sicherheit – und damit Halt.

Zusätzlich erhöht sich die Zahl schwer traumatisierter Kinder und Erwachsener, die aus der Ukraine geflüchtet sind, auch im Bergischen Land. Daher plant Gesche Hugger derzeit eine Aktion für geflüchtete Kinder und Familien, um mit Hilfe der Pferde für ein bisschen Entspannung und Freude zu sorgen.

Horse-Boy-Methode

Reiten hilft autistischen Kindern

Die Therapieform für Kinder mit funktionalen Hirnleistungsstörungen kommt aus den USA. Das „Tandemreiten“ ist eine essenzielle Säule dieser Vorgehensweise, die Rupert Isaacson vor Jahren für seinen autistischen Sohn Rowen als Therapie entwickelt hat. Dabei hatte er sich vom Verhalten seines Kindes leiten lassen, das ihm schnell deutlich machte, dass es sich nur dann seiner Umwelt öffnete, wenn es sich komplett sicher fühlte und frei von Stress war.

Auch der Erlebnishof Irlerhof bietet Reitpädagogik an

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