Medizin

Weniger sterben nach einem Schlaganfall

Prof. Dr. Marcel Dihné ist Chefarzt der Neurologie mit der Stroke Unit an der St. Lukas Klinik. Foto: Christian Beier
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Prof. Dr. Marcel Dihné ist Chefarzt der Neurologie mit der Stroke Unit an der St. Lukas Klinik.

Mediziner setzen modernste Technik ein, um bleibende Schäden möglichst zu reduzieren.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Der Schlaganfall ist nach dem Herzinfarkt und Krebserkrankungen die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Aber die Erkrankung hat dank modernster Diagnose- und Therapieangebote in den vergangenen Jahren einen deutlichen Rückgang bei der Sterblichkeitsrate. Nach einer Statistik der Innungskrankenkasse (IKK) sank die Zahl der Solinger, die an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben sind, von 2009 bis 2019 um 20,3 Prozent.

Diese positive Entwicklung kann auch Prof. Dr. Marcel Dihné, Chefarzt der Neurologie an der St. Lukas Klinik, bestätigen. Seit 2009 ist die Ohligser Klinik mit ihrer Stroke Unit zertifiziertes Schlaganfallzentrum. In dem Erlanger-Schlaganfall-Register, das die Ein-Jahres-Mortalität nach einem Schlaganfall festhalte, sei die positive Entwicklung auch ablesbar, so Dihné. Starben Mitte der 1990er Jahre noch etwa 35 Prozent und in den 2000er Jahren 25 Prozent im ersten Jahr, so seien es jetzt nur noch etwa 17 Prozent der Betroffenen.

Der Neurologie-Chefarzt sieht mehrere Gründe: Akuttherapien seien in immer mehr Fällen einsetzbar. Die medikamentöse Lysetherapie etwa, die nur bis zu sechs Stunden nach dem Schlaganfall gespritzt werden kann, könne mittlerweile bei bis zu zehn Prozent der Patienten durchgeführt werden. Auch das frühe Erkennen und Behandeln von Schluckstörungen bei den Patienten, in deren Folge oft Lungenentzündung und Fieber die Situation verschlechterten, habe einen großen Durchbruch gebracht.

Ziel ist auch, eine hohe Lebensqualität wieder herzustellen

„Der Fachgesellschaft Neurologie ist es aber ganz wichtig, den Erfolg der Schlaganfall-Behandlung nicht nur auf die Sterblichkeitsrate zu reduzieren“, betont Prof. Dihné. Es könne nicht nur darum gehen „irgendwie zu überleben“. Ziel müsse es vielmehr sein, mit möglichst wenig Einschränkungen wieder eine hohe Lebensqualität für die Patienten zu erlangen. Frühzeitige Logo-, Ergo- und Physiotherapie seien dabei wichtige Schritte.

Das Entscheidendste sei aber der Faktor Zeit. Wie in der St. Lukas Klinik ist auch im Städtischen Klinikum im vergangenen Corona-Jahr aufgefallen, dass Patienten aus Angst vor einer Infektion beim Gang ins Krankenhaus gezögert haben. „Besonders bei Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen inneren Blutungen ist oft zu spät die notfallmedizinische Hilfe in Anspruch genommen worden“, so Dr. Michael Schmitz, Departmentleiter Nephrologie in der Klinik für Geriatrie, Allgemeine Innere Medizin und Nephrologie am Klinikum.

Grundsätzlich führt auch er den Rückgang der Todeszahlen, die im Klinikum ebenso deutlich zu beobachten seien, neben der Optimierung der medizinischen Versorgung auf bessere Aufklärung zurück. Den Schlaganfall früh zu erkennen und zu reagieren, sei das Allerwichtigste. „Viele durchgeführte Infoveranstaltungen scheinen die Menschen zu sensibilisieren“, so Schmitz.

Geschieht ein Schlaganfall nachts, könnten allerdings etwa 30 Prozent der Patienten den genauen Zeitpunkt gar nicht festlegen, so Dihné. Moderne MRT-Bildgebungsdiagnostik könne in diesen Fällen ermitteln, wie alt ein Schlaganfall ist. Eine neue hochauflösende Darstellung aller Blutgefäße könne zudem entdecken, ob es weitere Gefäßeinengungen (Stenosen) und somit die Gefahr eines weiteren „Strokes“ gibt.

Seit 2018 arbeiten die Neurologie der St. Lukas Klinik, die Neurochirurgie des Klinikums und die Neuroradiologie von Radprax im Neurozentrum Solingen eng zusammen.

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