Coronatests sind ein Problem

Weniger Senioren können in die Tagespflege

Claudia Fischer (rechts, mit Diakonisse Schwester Herta), Leiterin der Tagespflege Bethanien, hat eine Warteliste. Archivfoto: Christian Beier
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Claudia Fischer (rechts, mit Diakonisse Schwester Herta), Leiterin der Tagespflege Bethanien, hat eine Warteliste.

Einrichtungen haben lange Wartelisten.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Die Corona-Krise verlangt auch Angehörigen von pflegebedürftigen Senioren viel ab. So können die Tagespflege-Einrichtungen, wo unter anderem Menschen mit Demenz tagsüber betreut werden, wegen der Abstandsregeln weniger Menschen aufnehmen als sonst. „Wir haben über 50 Neuanmeldungen. Da herrscht ein unglaublicher Druck“, sagt Tassilo Mesenhöller, Geschäftsführer von Teheïm Solingen mit drei Tagespflege-Einrichtungen. Auch andere Träger berichten von langen Wartelisten.

Ein Problem seien die Corona-Testungen. Nach einem Krankenhausaufenthalt müssen die Senioren laut aktueller Corona-Betreuungsverordnung in NRW auf das Virus Sars-CoV-2 getestet werden, bevor sie wieder in der Tagespflege betreut werden dürfen.

Die Senioren erhielten 48 Stunden vor der Aufnahme in die Tagespflege in der Klinik einen Abstrich, erläutert Stadtsprecherin Birgit Wenning das Verfahren. „Dieser muss der Tagespflege nachgewiesen werden, auch wenn ein Ergebnis des Tests noch nicht vorliegt.“

Tassilo Mesenhöller sieht wegen der unterschiedlichen Vorgaben für Senioren im Pflegeheim, in der Kurzzeit- und in der Tagespflege „ein ziemliches Durcheinander“. So kämen manche Bewohner in die Einrichtung zurück, ohne zuvor getestet worden zu sein. „Dann versuchen wir, umgehend eine Testung herbeizuführen.“ Das sei aber oftmals schwierig, schildert Mesenhöller. „Es testen nicht genug niedergelassene Ärzte.“

„In der Tagespflege herrscht ein unheimlicher Druck.“ 

Tassilo Mesenhöller, Geschäftsführer von Teheïm

Auch Claudia Fischer, Leiterin der Tagespflege beim Diakonischen Werk Bethanien, sieht Probleme für die Angehörigen. „Wer einen Probetag in der Tagespflege machen möchte, muss sich zuvor auf Corona testen lassen. Das ist bei den Hausärzten mitunter schwer.“ Während des Lockdowns habe es nur eine Notöffnung der Tagespflege gegeben. Seit Mai dürfen wieder mehr Menschen betreut werden.

Dennoch stünden allein für die beiden Tagespflege-Gruppen in Bethanien rund 30 Menschen auf der Warteliste. „Wir gucken, was wir machen können. Vielfach sind es Frauen, die ihre Männer pflegen, und die oft sagen, dass sie nicht mehr könnten“, schildert die Leiterin. Um weitere Plätze zu schaffen, werde im Diakonissen-Mutterhaus ein Raum dazugenommen. „Im Haus Ahorn werden die Umbaumaßnahmen für eine Erweiterung vorgezogen“, erklärt Claudia Fischer.

Das Gesundheitsamt der Stadt bemühe sich, die Einrichtungen zu unterstützen, sagt Tassilo Mesenhöller. So sei ein mobiles Team im Gespräch, das auch Senioren testet. Wie die Corona-Testungen in Solingen künftig organisiert werden, wollen die Stadtspitze und Ärzte-Vertreter heute bei einem Pressegespräch im Fachkrankenhaus Bethanien vorstellen.

Um den Bedarf zu decken, sind fünf neue Kindertagesstätten in der Planung.

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