Übergangsfahrplan

Weniger Fahrten auf der S7: Pendler bleiben gelassen

ST-Mitarbeiterin Jutta Schreiber-Lenz testete, was am ersten Tag des ausgedünnten S 7-Fahrplans an den Bahnsteigen los ist. Foto: Christian Beier
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ST-Mitarbeiterin Jutta Schreiber-Lenz testete die S-Bahn am ersten Tag des ausgedünnten Fahrplans.

Müngstener fährt bis Ende Februar nur zweimal die Stunde. Unsere Autorin hat zum Start geschaut, wie es klappt.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Unübersehbar hängt die Filmreklame auf der Kinofassade gegenüber dem Remscheider Hauptbahnhof. Weggeworfene Taschentücher, Kaffeebecher und mehr liegen zwischen den Sträuchern. Seit 25 Minuten stehe ich auf dem Bahnsteig und warte auf den S-7-Zug nach Solingen. Es ist der erste Tag des ausgedünnten Fahrplans zum Betreiberwechsel. Und ich will wissen, wie gut es mit dem neuen Fahrplan klappt. Er gilt bis Ende Februar. Pro Stunde fällt eine Fahrt aus.

Deshalb gibt es einen Übergangsfahrplan für den „Müngstener“

Nahezu pausenlos tippele ich den Bahnsteig auf und ab, um den vier Grad diesiger grauer Januaratmosphäre ein bisschen Bewegung entgegenzuhalten. Dennoch melden sich meine Füße allmählich ab, den gefütterten Winterschuhen zum Trotz. Meine Abfahrt: 9.44 Uhr laut Fahrplan.

Die Laufbandanzeige über den Wartehäuschen hat das Erscheinen allerdings gerade auf „ca. 5 Minuten später“ angekündigt. Nun ja. Diese Verzögerung schaffen meine klammen Füße auch noch.

Die meisten Pendler sind auf den neuen Fahrplan der S7 eingestellt

Um 9.04 Uhr hatte ich meine Fahrt von Lennep zum Solinger Hauptbahnhof unterbrochen, um dort Pendler zu treffen, die vom geänderten Fahrplan durch den Betreiberwechsel von Abellio zu Vias Rail betroffen sind. Laut altem, bis letzte Woche geltenden Fahrplan, hätte der nächste Zug um 9.24 Uhr – also schon vor 20 Minuten – fahren müssen.

Wie viele Fahrgäste würden wohl mit mir länger auf den Müngstener warten? Erstaunliche Erkenntnis: gar keine. Erst ab 9.40 Uhr – also vier Minuten vor der neuen Abfahrtszeit – bin ich nicht mehr die Einzige, die immer wieder die Gleise aus Richtung Lennep schaut, in der Hoffnung, die Scheinwerfer des Zugs auftauchen zu sehen.

Auch in der Gegenrichtung scheint die Lage klar. Lediglich ein knapper Wortwechsel zwischen zwei Fahrgästen hinter mir, auf der Gegenrichtung nach Wuppertal: „Fällt der Zug um 9.16 Uhr aus? – „Ja, erst um 9.26 Uhr wieder. Betreiberwechsel.“

Mit meiner Arbeitszeit kommt das gut aus.

Heiko Schmitz pendelt täglich von Hilden nach Alt-Remscheid

Es gibt also doch ein paar vereinzelte Pendler, die nicht von der angekündigten Ausdünnung wissen. Aber das Gros scheint sich gut informiert zu haben. Auch in Lennep stand zuvor niemand vergeblich am Bahnhof, um auf eine Verbindung zu warten, die nicht kommt. Auf Züge Richtung Wuppertal als auch Richtung Solingen schien an diesem Montagmorgen um 8.40 Uhr niemand zu bauen.

Bei meinem frühen Streckenstart ab Solingen-Hauptbahnhof herrschte in Ohligs reger und unaufgeregter Pendlerverkehr, so wie an jedem normalen Montag: Die Bahn um 7.52 Uhr fuhr am Gleis 9 pünktlich Richtung Wuppertal los und schnell hatte sich ein neues Trüppchen Wartender gebildet, die auf die nächste Verbindung um 8.12 Uhr setzte.

In Ohligs treffe ich auf Heiko Schmitz, der täglich aus Hilden nach Alt-Remscheid zu seiner Arbeit fährt und am Solinger Hauptbahnhof umsteigt. Für ihn ändere sich durch den Übergangsfahrplan nichts, sagt er. „Mit meiner Arbeitszeit kommt das gut aus.“ Allerdings höre er immer mehr Stimmen im Freundes- und Bekanntenkreis, die „prinzipiell keine Lust auf Bahn mehr haben, weil sie es inzwischen nervig finden, sich gefühlt jeden Monat auf neue Unannehmlichkeiten einzustellen“.

Unannehmlichkeiten – die bleiben mir an diesem Montagmorgen erspart. Denn da fährt mit der angekündigten Verspätung im Remscheider Hauptbahnhof die S 7 nach Ohligs ein. Und die lange, kalte Pause am Bahnsteig habe ich schließlich selbst gewählt.

Hintergrund

Vias Rail schult das bisherige Abellio-Personal auf der S-Bahn-Linie 7 zwischen Wuppertal, Remscheid und Solingen für seine neuen Aufgaben. Damit dafür genügend Zeit sei, wurde der Fahrplan ausgedünnt. Mehr Infos: mobil.nrw/betreiberwechsel

Standpunkt: Pendler brauchen Geduld

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Kristin Dowe

Eines muss man den Pendlern im Bergischen lassen: Sie sind nach der langen Zitterpartie, wie es mit der Verbindung der S 7 weitergeht, für Unwägbarkeiten bestens gewappnet, nachdem der vormalige Betreiber Abellio Insolvenz angemeldet und nun Vias Rail das Ruder auf der Strecke übernommen hat. So ist es eine beruhigende Nachricht, dass Chaos und überfüllte Züge im Berufsverkehr angesichts des vorübergehend ausgedünnten Fahrplans zumindest am Montag offenbar ausblieben. Die Änderung, die Vias Rail mit der Schulung von Mitarbeitern nachvollziehbar begründen kann, hatte sich wohl bereits herumgesprochen. Das Unternehmen hatte angekündigt, möglichst viele ehemalige Abellio-Beschäftigte übernehmen zu wollen – ein ehrbares Ziel. Selbst wenn es hier und dort bei der Umstellung noch haken sollte: Das Wichtigste ist, dass die für das Städtedreieck immens wichtige Verbindung überhaupt erhalten werden konnte. Schon ab März sollen die Züge wieder nach der bekannten Taktung fahren – nämlich alle 20 Minuten statt nur einmal pro Stunde. Bis dahin brauchen Pendler noch ein wenig Geduld.

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