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Wenig Begeisterung für Prinz Harrys Buch

Die Autobiografie von Prinz Harry verursacht Wirbel.
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Die Autobiografie von Prinz Harry verursacht Wirbel.

Wie Händler und Leser die royalen Memoiren einschätzen.

Von Kristin Dowe

Solingen. Während in Großbritannien die Memoiren von Prinz Harry gerade alle Verkaufsrekorde brechen, versprechen sich die Solinger Buchhändler von dem gerade erschienenen Werk mit dem Titel „Reserve“ nicht allzu viel. Auch hält sich die Begeisterung für das Buch selbst bei den hiesigen Literaturkennern in engen Grenzen, wie eine Rundfrage des ST zu dem Thema zeigt. Seit Dienstag liegt das Buch auch erstmals auf den Ladentischen in den Solinger Buchhandlungen.

„Wir haben zwar einige Exemplare vorrätig, aber wir hängen das nicht besonders hoch“, sagt Brigitte Kiekenap von der Buchhandlung Kiekenap in Ohligs ohne Umschweife. „Gerade mit Blick auf dieses und das vergangene Jahr, wo uns so viele Krisen beschäftigt haben, finde ich es ehrlich gesagt auch nicht besonders relevant.“

Regelrecht vernichtend fällt gar das Urteil von Egbert Stahlschmidt von der Buchhandlung Jahn in Ohligs aus, der zumindest mal einen Blick in die englische Fassung geworfen hat. Den Rummel um das Buch kann er ebenso wenig nachvollziehen. „Letztendlich ist das ein Yellow-Press-Buch. Dabei kritisiert Prinz Harry die Presse dafür, seine Mutter in den Tod getrieben zu haben, liefert ihr aber gleichzeitig Futter. Da frage ich mich schon, warum man so etwas macht.“ Harrys Darstellung des englischen Königshauses und dessen Schattenseiten beruhten ausschließlich auf den subjektiven Gefühlen des Autors denn auf Fakten. „Das finde ich etwas janusgesichtig.“ Für den Buchhandel sei das Buch nur mit größeren Abnahmen erhältlich gewesen – „das war wohl ein Werbetrick“, vermutet Stahlschmidt. Nichtsdestotrotz gebe es vor allem bei seinen Kunden ein gewisses Interesse an der royalen Autobiografie.

Strenge Auflagen – unpünktliche Lieferung

Gerade mal drei Vorbestellungen für das Werk hatte am Dienstag Rainer Francke von der Buchhandlung Bücherwald in Wald zu verzeichnen. „Wenn ich das mit Harry Potter oder einem neuen Krimi von Jussi Adler-Olsen vergleiche, ist die Nachfrage sehr überschaubar.“ Selbst werde er das Buch wohl nicht lesen, gibt er zu – mit der ihm eigenen Diplomatie: „Es gibt einfach zu viele tolle Neuerscheinungen. Da habe ich keine Zeit für Prinz Harry!“

Auch bei Ingo Klaus von der Buchhandlung „Die Schatzinsel“ steht „Reserve“ nicht auf der privaten Lektüreliste. „Ich würde aber niemals über Menschen urteilen, die es gerne lesen möchten. Hauptsache, die Leute lesen – und wir verkaufen schließlich oft Bücher, für die wir uns privat nicht interessieren.“

Ironische Randnotiz: Zwar musste er als Buchhändler bei der Bestellung umfangreiche Auflagen unterschreiben, wurde aber dennoch nicht pünktlich mit den Büchern beliefert. Gerade bei großen, verkaufsträchtigen Titeln müssten die Buchhändler schriftlich zusichern, dass sie das Buch nicht vor dem Erstverkaufstag ins Schaufenster stellen und auch die Kartons nicht vor den Mitarbeitern öffnen lassen.

Carol Rohn, Solingerin mit britischen Wurzeln, vermutet, dass Harry mit seiner umfassenden Kritik an der britischen Krone als Institution in Großbritannien vor allem jüngere Menschen erreicht. „Die Älteren stehen schon sehr hinter der Monarchie. Ich lese trotzdem lieber Harry Potter.“

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