Solidarität berührt

Nach 27 Minuten ausverkauft: Weinverkauf für Opfer der Flutkatastrophe geht in die zweite Runde

Die Winzerfamilie Lingen vor zwei Gitterboxen mit verschlammten Weinflaschen (v. l.): Tanja, Peter, Niklas und Jan. Dieses Foto ziert die Weinflaschen, die heute in Gräfrath verkauft wurden.
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Die Winzerfamilie Lingen vor zwei Gitterboxen mit verschlammten Weinflaschen (v. l.): Tanja, Peter, Niklas und Jan. Dieses Foto ziert die Weinflaschen, die in Gräfrath verkauft wurden.

Christian Busch und Uli Preuss hofften auf 20.000 Euro. Ihr Ziel wurde in kürzester Zeit erreicht. Und mehr.

+++Update vom 2. August 2021+++ Das ging schnell. Keine 30 Minuten hielt der Vorrat an Weinflaschen dem Ansturm der Hilfswilligen stand, dann waren rund 1000 Flaschen vom Weingut Peter Lingen in Bad Neuenahr-Ahrweiler verkauft. Doch wer am Samstag nicht zum Zuge kam, kann dies am kommenden Samstag nachholen. Wie Mitinitiator Uli Preuss heute mitteilt, ist Nachschub im Anmarsch. „Unternehmen Spätburgunder geht in die zweite Runde“, meldet der Bürgerpreisträger freudig. Neuer Wein aus dem Ahrtal sei unterwegs. Die Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe in Solingen kann also weitergehen.

+++Update vom 31. Juli 2021+++ Solingen. Wie Christian Busch, Hauptgesellschafter von Walbusch, auf seiner Facebook-Seite berichtet, waren bereits nach 27 Minuten alle Flaschen weg. Und es hätten sogar noch mehr verkauft werden können. „Noch immer fahren Wagen vor und wenden beim Schild Ausverkauft“, beobachtet Bürgerpreisträger und SPD-Ratsmitglied Uli Preuss. Beide Initiatoren der Aktion können mehr als zufrieden sein, selbst wenn es Christian Busch als Händler in der Seele weh tut, „so viel Nachfrage nicht bedienen zu können“.

Als Ergebnis stehen 10.000 Euro Umsatz für das Weingut und 20.000 Euro Spende für die Gerd Kaimer Stiftung zu Buche. Hinzu kommen noch einmal 635,50 Euro aus dem Sparschein, die auf 1.300 Euro verdoppelt wurden. „Ich finde diese Solidarität der letzten Wochen sehr berührend“, beschreibt Christian Busch seine Gefühle. „Die, die nicht betroffen sind, sollten dafür dankbar sein und helfen.“ kaz

Unser Artikel vom 30. Juli 2021

Weinverkauf für Opfer der Flutkatastrophe

Christian Busch und Uli Preuss hoffen auf 20 000 Euro.

Von Björn Boch

Solingen. Wer den Opfern der Flutkatastrophe in Solingen helfen will, hat viele Möglichkeiten: Mit anpacken, spenden – und am Samstag Wein kaufen. Rund 1000 Flaschen hat Christian Busch, Hauptgesellschafter von Walbusch, an der Ahr erworben. Dort sind viele Menschen noch schlimmer vom Hochwasser getroffen worden. Diese Flaschen verkauft Busch am Samstag gemeinsam mit Bürgerpreisträger und SPD-Ratsmitglied Uli Preuss in Gräfrath.

Spätburgunder, wahlweise weiß oder rot gekeltert, für 10 Euro je Flasche in der Sechserkiste: Der gesamte Erlös geht an die Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung. Und pro Flasche, die verkauft wird, spendet Christian Busch weitere 10 Euro. Am Ende sollen so 20.000 Euro zusammenkommen. Bereits direkt nach der Flutkatastrophe hatte Walbusch 100.000 Euro gespendet – je zur Hälfte an die Gerd-Kaimer-Stiftung und die IHK-Hilfe für Hochwasser-Geschädigte.

Mit dem Weinverkauf wird nicht nur Solingern geholfen, sondern auch einer gebürtigen Solingerin, deren Wahlheimat mittlerweile die Ahr ist. Denn die Weine, die verkauft werden, stammen vom Weingut Peter Lingen in Bad Neuenahr-Ahrweiler – mit geführt von Tanja Lingen. Sie verbrachte ihre Jugend an der Krahenhöhe, ging zur August-Dicke-Schule. Vor mehr als 20 Jahren heiratete sie Peter Lingen und zog an die Ahr.

Die beiden Söhne Niklas (17) und Jan (19) wollen die Winzer-Tradition fortführen – seit 1599 gibt es das Weingut. Doch für ihre Zukunft muss die Familie, wie viele andere an der Ahr, erst einmal die Gegenwart bewältigen. Das Wichtigste: Sie seien alle gesund und mit dem Schrecken davongekommen. Aber: „Unser gesamter Weinkeller, Probenraum, Flaschenlager, Verkaufsraum, Küche, Garage und ehemalige Wirtschaft liefen komplett voll mit Wasser und Schlamm. Der emotionale Verlust von Habseligkeiten unserer Vorfahren ist kaum zu ertragen“, heißt es auf der Homepage des Weingutes.

Die Traktoren sind der Familie geblieben

Vier Autos seien weggeschwommen, berichtet Tanja Lingen. Immerhin – denn die werden für die Arbeit gebraucht – seien ihnen die Traktoren geblieben. Eine Aussage, die Christian Busch beeindruckt: „Es gehört viel dazu, in so einer Situation nicht zu verzagen.“ Busch kennt Tanja Lingen noch aus dem Kindergarten. Dass in der Krise jeder hilft, wo er kann, findet Busch wichtig. „Und zum Glück passiert ja genau das gerade.“

Ein junger Winzer half – mit vielen anderen – auf dem Hof der Lingens und schnappte sich den für Solingen bestimmten Wein, säuberte die Flaschen und etikettierte sie. Das Foto auf der Flasche zeigt die Winzerfamilie vor den fast 1.000 völlig verschlammten Weinflaschen. Das Etikett auf der Rückseite ziert eine Danksagung für den Kauf des Hochwasser-Weines. Das helfe, um nach und nach Schäden der Flut zu bewältigen.

Andere Dinge werden bleiben, wie Tanja Lingen im Gespräch mit Uli Preuss berichtet: Wie sie nass auf dem Balkon stand, nachdem im Nachbarhaus eine Frau im Keller ertrunken und ihr Mann vom Wasser weggerissen worden war, daran werde sie sich wohl ihr Leben lang erinnern. „Und an dieses Rauschen. Als dann gegen drei Uhr morgens das Wasser nicht mehr stieg, blieb immer noch diese Angst.“

Weinverkauf

Weinverkauf am Samstag, 31. Juli, 11 bis 15 Uhr, Dycker Feld 53 (auf dem Hof). Abgabe der Weinflaschen nur im Sechserkarton. Spender und Käufer werden gebeten, FFP2-Masken zu tragen, auf Abstände zu achten und möglichst auf der Straße zu parken.

Ein Rückblick: Stille Helfer des Jahrtausend-Hochwassers

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