Zugvögel fliegen in den Süden

Was die fliegenden Kraniche für das Wetter bedeuten

Die typische V-Formation hilft den Tieren, Energie zu sparen. Sie fliegen im Windschatten ihres Vordermanns.
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Die typische V-Formation hilft den Tieren, Energie zu sparen. Sie fliegen im Windschatten ihres Vordermanns.

Die Schwärme sind in diesen Tagen auch über Solingen unterwegs. Sie sind ein deutliches Zeichen: Der Winter kommt.

Von Axel Richter

Solingen. Auch wenn sie sich gerade wieder auf die gefahrvolle Reise machen: Die Kraniche, die derzeit wieder in ihrer charakteristischen V-Formation über das Bergische ziehen, zählen zu den Profiteuren des Klimawandels. Ihre Routen ins Winterquartier fallen deutlich kürzer aus und das Nahrungsangebot ist vergleichsweise gut. Die Verluste fallen deshalb heute geringer aus. Im Vergleich zu den 80er Jahren sind deshalb heute mehr Vögel unterwegs. Über dem Himmel von Solingen lieferten sie gerade ein besonderes Schauspiel.

Wohin fliegen die Vögel?

Die Tiere sind auf Kurs Süd-West. Ihr Ziel liegt allerdings nicht mehr in Afrika. „Die meisten Tiere überwintern heute in Südfrankreich oder Spanien“, sagt Jörg Liesenfeld, Diplom-Biologe und Leiter der Naturschule Grund. Dort finden sie ideale Überwinterungsmöglichkeiten. Die deutlich kürzere Flugzeit kommt den schwächeren Vögeln entgegen. Die Verluste fallen deshalb geringer aus.

Woher kommen die Tiere?

Ihre Brutplätze liegen in den großen Sumpf- und Moorlandschaften in Polen, Skandinavien und des Baltikums. Es gib aber auch Kraniche, die an den brandenburgischen Seen oder der Mecklenburgischen Seenplatte brüten. Fallen dort die Temperaturen, machen sich die Tiere zu Zehntausenden auf den Weg. Zwischenstation machen sie noch einmal auf der Halbinsel Darß in Mecklenburg-Vorpommern und in der Diepholzer Moorniederung.

Warum fliegen die Vögel inV-Formation?

Die Tiere sparen Energie, indem sie im Windschatten ihres Vordermanns fliegen. Dabei lösen sich die Vögel untereinander ab. Der Kranich an der Spitze gibt die Flugrichtung vor, doch auch jeder, der ihn ablöst, weiß genau, wo es langgeht.

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Sind die Flüge ein Zeichen dafür, dass es auch bei uns kälter wird?

Ja, sagt Jörg Liesenfeld. „Die Vögel spüren das bereits im Vorfeld und machen sich auf den Weg. Und sind dabei so freundlich, über unsere Köpfe hinwegzufliegen.“ Dabei liefern sie zuweilen eine Sondervorstellung. So geschehen am Sonntag über Solingen. Dort nutzten nach Schätzung des Biologen mehrere Tausend Vögel die Thermik, um sich in Kurven in die Höhe zu schrauben, und begleiteten das mit ihren typischen Lauten. Anschließend flogen sie im Gleitflug weiter. Dabei sparen sie so bis zu 90 Prozent der sonst benötigten Energie.

Liegen die Kraniche mit ihrem Gespür für das Wetter immer richtig?

Nein. „Denen unterlaufen die gleichen Irrtümer wie den Wetterfröschen im Fernsehen“, sagt Jörg Liesendahl. Gut beobachten ließ sich das zum Beispiel im Frühjahr vergangenen Jahres. Bereits Mitte Februar hatten die Kraniche Anflug auf das Bergische Land genommen, um weiter Kurs auf ihre Brutplätze im hohen Norden zu nehmen. Dann aber ging ein Eisregen über dem Bergische nieder und ließ die Schwärme noch einmal Richtung Süden abdrehen.

Wie geht es der Art heute?

Deutlich besser als in früheren Jahrzehnten. Das gilt allerdings für viele Großvogel-Arten, die noch vor einigen Jahren als gefährdet galten. „Hier haben etliche Maßnahmen zum Artenschutz wirklich gegriffen“, sagt der Biologe und nennt als Beispiel das Verbot des Insektizids DDT. Bussard, Milan, überhaupt die Greifvögel, dazu der Weißstorch haben davon profitiert. „Und den Schwarzstorch sehen sie heute schon beinahe in jedem zweiten Bachtal“, sagt Liesendahl. Vielen kleinen Vogelarten geht es im Vergleich weniger gut. Das gilt insbesondere für die Bodenbrüter. Kibiz, Feldlerche und Rebhuhn sind Opfern der intensiven Landwirtschaft.

Lassen sich auch noch andere Zugvögel-Schwärme beobachten?

Auch Gänse fliegen in V-Formation. Deshalb werden Gänse und Kraniche leicht miteinander verwechselt. Allerdings sind sie in großen Schwärmen vor allem am Niederrhein zu finden. Auch Nachtigall, Mönchsgrasmücke oder Storch sind unterwegs. Allerdings fliegen sie meist nachts und selten in Schwärmen.

Und wann kommen sie zurück?

So viel ist sicher: Sie kommen zurück. Allerdings richten sich die Kraniche wie auch andere Zugvögel auch dabei nach der jeweiligen Witterung. Ist der Winter mild, kehren sie früher zurück. Geraten sie dabei in eine Schlechtwetter-Front, drehen sie auch wieder ab und warten auf angenehmeres Flugwetter. Auf ihren Reisen erreichen sie mehr als Geschwindigkeit von über 80 Stundenkilometern und schaffen dabei mehrere Hundert Kilometer am Tag.

Kraniche fliegen über Solingen zu ihren Brutstätten

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