Naturschauspiel

Warum Honigbienen plötzlich zu Tausenden ausschwärmen

Ein beeindruckendes Naturschauspiel: Tausende Bienen schwärmen aus und suchen sich einen Platz im Baum als geeigneten Fluchtpunkt. Fotos: Doris Frommhold-Kempa
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Ein beeindruckendes Naturschauspiel: Tausende Bienen schwärmen aus und suchen sich einen Platz im Baum als geeigneten Fluchtpunkt.

In diesen Tagen treten auch in Solingen Insektenschwärme vermehrt auf.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Wenn Bienenvölker anwachsen und ihnen die Brutkästen zu eng werden, kann es bereits ab Mai vorkommen, dass sie zu Tausenden wie in einer schwarzen wimmelnden Wolke vom Bienenstand in den nächstbesten Baum oder Strauch schwärmen, was Schwarmfänger auf den Plan ruft. Anders in diesem Jahr. „Die Bienenschwärme treten später auf, die meisten zeigen sich gerade jetzt“, berichtet Doris Frommhold-Kempa, Schwarmfängerin und zweite Vorsitzende des Solinger Imkervereins. „Grund für die Verzögerung ist die kalte und feuchte Witterung, die wir bis Ende Mai hatten und welche die Tiere in den Kästen hielt.“

Um das Ausschwärmen möglichst zu verhindern, betreiben die Imker Vorsorge, führt Frommhold-Kempa aus. Sie kontrollieren die Bienenkästen regelmäßig und teilen ein möglicherweise zu groß gewordenes Volk. Dazu setzen sie einen sogenannten „Ableger“ des Bienenvolks in einen zweiten Brutkasten. „Ein Anzeichen dafür, dass die Tiere selber ein zweites Volk bilden wollen, ist es, wenn sie eine Königinnenzelle in der Brut einer Wabe anlegen. Darin wird die Anwärterin mit einer nahrhaften Absonderung, dem Gelee Royal, gefüttert.“ Schlüpft dann die neue Königin, wird die alte aus dem Bienenstock vertrieben. Diese fliegt, gefolgt von tausenden Tieren, zu einem nächstbesten Ast oder einem ähnlichem Fluchtpunkt – unter laut dröhnendem Summen. Dort hängt dann das Teilvolk in einer riesigen Traube um die Königin herum.

Wespenschwärme sind weitaus gefährlicher

Währenddessen fliegen Späherbienen aus, um einen neuen dauerhaften Standort zu finden. „Das wäre idealerweise so etwas wie eine Baumhöhle. Da natürliche Unterschlupfe aber heute seltener vorkommen, zieht so ein Volk dann auf Balkone, in Jalousienkästen, unters Dach, hinter Schieferplatten oder Wandpaneele.“ Wenn so etwas passiere, solle man sich als Bewohner ruhig verhalten. „Einen gewissen Abstand nehmen. Nicht auf die Bienen einschlagen. Die Tiere fügen den Menschen keinen Schaden zu.“ Wespenschwärme seien weitaus gefährlicher.

Doris Frommhold-Kempa ist Schwarmfängerin.

Wichtig ist es in diesem Fall, sogleich einen mit Schwarmfang betrauten Imker zu informieren. „Eine Liste solcher Imker findet man auf der Homepage unseres Imkervereins. Da wir Schwarmfänger alle miteinander über WhatsApp verbunden sind, lässt sich schnell jemanden ausloten, der aktuell an Ort und Stelle sein kann.“ Der Fänger rückt daraufhin mit einem speziellen Eimer an. Diesen hält er unter den Bienenschwarm, klopft von oben auf die Traube von Bienen, so dass diese in den Eimer fällt. Das Behältnis wird dann rasch geschlossen. „Bei einem solchen Einsatz tragen wir meist Gesichtsschleier und Schutzkleidung. Die Bienen sind schon aufgeregt und könnten unangenehm stechen“, so Frommhold-Kempa. Nicht alle Bienenschwärme ließen sich einfangen. „An Schwärme auf zehn Meter hohen Eichen kommen wir beispielsweise nicht heran.“ Manchmal helfe in solchen Fällen die Feuerwehr aus und rücke mit einem Leiterwagen an. Bevor ein Schwarm von seinem ersten Standort zum zweiten fliegt, können mitunter auch ein bis zwei Tage vergehen. „Auf jeden Fall ist dieser Zeitraum der beste für unseren Einsatz.“

Für die schwärmenden Bienen sei es überaus wichtig, dass ein Imker sie einsammelt. „Denn unsere Honigbienen können heutzutage in der freien Natur nicht mehr allein überleben.“ Zum einen finden sie zu wenige Futterpflanzen und würden verhungern. Zum anderen leiden sie an der Milbe Varroa und müssen regelmäßig vom Imker dagegen behandelt werden. Ohne Milbenbehandlung geht ein Bienenvolk ein, spätestens im Winter oder im Jahr darauf.

Imkerverein

Wenn Sie einen Bienenschwarm melden möchten: Auf der Homepage des Imkervereins finden Sie unter der Rubrik „Bienenschwärme“ eine Liste mit Telefonnummern und E-Mail-Adressen von Schwarmfängern. Bei Interesse am Imkern oder Fragen steht der Imkerverein gern zu Verfügung: Agnès Debroye, Obenrüden 35, Tel. 59 31 71, oder E-Mail:

vorstand@imker-solingen.de

www.imker-solingen.de

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