Bundesweiter Testalarm erstmals auch über Cell Broadcast

Warntag soll Sicherheitslücken zeigen

Sirenen
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Spätestens die Hochwasserkatastrophe hat gezeigt, dass es bei den Warn- und Alarmierungsketten bundesweit noch erheblichen Verbesserungsbedarf gibt. 

Die Stadt sieht die Solinger Sirenen „auf dem technisch neuesten Stand“.

Von Kristin Dowe und Axel Richter

Solingen. Spätestens die Hochwasserkatastrophe am 14. Juli vergangenen Jahres hat gezeigt, dass es bei den Warn- und Alarmierungsketten bundesweit noch erheblichen Verbesserungsbedarf gibt. Auch im bergischen Städtedreieck waren diesbezüglich bei dem Unglück Defizite erkennbar. Damit die Kommunikation als wichtiger Bestandteil des Krisenmanagements künftig besser funktioniert, richten Bund und Länder am Donnerstag, 8. Dezember, einen bundesweiten Warntag aus.

Zwischen 11 Uhr und 11.45 Uhr werden dann auch im Solinger Stadtgebiet sämtliche Sirenen zu hören sein – laut Rathausangaben verfügt die Klingenstadt aktuell über 19 stationäre und zwei mobile Exemplare. „Bei dem Probealarm wird zunächst ein einminütiger Dauerton der Entwarnung, im Anschluss ein auf- und anheulender Warnton und zum Schluss wieder ein einminütiger Dauerton der Entwarnung zu hören sein“, kündigt Rathaussprecher Daniel Hadrys an.

Zugleich werde die Warn-App NINA (kurz für „Notfall-Informations- und Nachrichten-App“) aktiviert. Nutzerinnen und Nutzer erhielten dabei eine Probe-Warnmeldung auf ihr Smartphone.

„Es gibt keine alten Sirenenanlagen mehr in Solingen.“

Rathaussprecher Daniel Hadrys

Erstmals erfolgt bei dem Warntag auch die Alarmierung über das sogenannte Cell Broadcast. Dabei wird eine Standardtechnologie des Mobilfunknetzes genutzt: Jedes Mobiltelefon, das technisch dazu in der Lage ist, registriert sich automatisch in einer Funkzelle, über die ein Netzempfang hergestellt wird. Der zentrale Verteiler einer Funkzelle kann dann in umgekehrter Richtung Warnmeldungen als Textnachrichten an alle Mobilfunkgeräte versenden.

Zwar sei Cell Broadcast eine sinnvolle Ergänzung, doch rate die Stadt vorerst weiterhin zu Apps wie NINA, um Warnungen zu erhalten, ergänzt Hadrys. Derweil befänden sich alle 19 stationären Sirenenanlagen auf dem aktuellen Stand der Technik – „es gibt keine alten Sirenenanlagen mehr in Solingen“. Zudem würden die Anlagen einmal im Jahr von der Herstellerfirma gewartet und von der Fachabteilung Nachrichtentechnik der Feuerwehr ebenfalls jährlich zusätzlich überprüft.

Der Solinger Bundestagsabgeordnete Ingo Schäfer (SPD), der auch dem Innenausschuss angehört, begrüßt in einer Mitteilung die Neuauflage des Warntages, fordert gleichzeitig aber weitere Investitionen in die Alarmierungstechnik: „Wir werden auf der Grundlage dieses Tests die festgestellten Mängel beheben, damit wir im Notfall gut vorbereitet sind. Dazu gehören weitere Investitionen in die Handy-Warnung und auch in die Sirenen-Infrastruktur“, so Schäfer. „Bund und Länder müssen zusammenarbeiten, um die finanziellen Lasten zu schultern.“

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine und der damit verbundenen Energiekrise räumen die Kommunen dem Katastrophenschutz wieder einen erhöhten Stellenwert ein. So hatte auch die Stadt Solingen im Frühjahr eine neue Abteilung „Katastrophen- und Zivilschutzmanagement“ gegründet, die formal der Feuerwehr unterstellt ist. Darin sind Vertreter aller Organisationen der kritischen Infrastruktur vertreten, die im engen Austausch miteinander stehen.

Forscher: Kommunen sind auf einem guten Weg

Der Katastrophenschutz sei nach dem Ende des Kalten Krieges gänzlich von der politischen Agenda verschwunden, beobachtet Prof. Dr. Frank Friedrich, der an der Bergischen Universität das Fachgebiet Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektsicherheit leitet: „In den Jahren 1989 und 1990 waren wir nur noch von Freunden umgeben. Die Millionenausgaben für Bunker, Notkrankenhäuser und Materialien wurden woanders gebraucht.“ Angesichts der neuen Herausforderungen für die Kommunen gibt der Wissenschaftler sich optimistisch: „Die Städte sind insgesamt auf einem guten Weg. Sie erneuern ihre Katastrophenschutzpläne, die wiederum Grundlage für konkretes Handeln sind. Am Ende kostet Katastrophenschutz natürlich viel Geld.“

Was Sie tun können

Voraussetzungen: Insbesondere ältere Handys sind oft nicht in der Lage, Nachrichten über Cell Broadcast zu empfangen. Eine ausführliche Liste der jeweiligen Hersteller und Typen gibt es auf den Seiten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz. Ihr Smartphone muss eingeschaltet sein, über die aktuellen Updates verfügen und darf sich nicht im Flugmodus befinden. https://t1p.de/ey2mg

Feedback: Feuerwehr und Stadtverwaltung bitten Bürgerinnen und Bürger um Rückmeldung. Zum Cell Broadcast unter: bundesweiter-warntag.de Und zu den Sirenen an: sirene.feuerwehr@solingen.de

Standpunkt von Kristin Dowe: Weitere Investitionen

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Die Flutkatastrophe 2021 war für viele Menschen eine schmerzhafte Lehre – legte das Hochwasser doch schonungslos offen, welche Defizite bei den Warn- und Alarmierungsketten auch im Bergischen noch vielerorts im Argen liegen.

Damit die Kommunikation in Krisenzeiten künftig reibungsloser funktioniert, ist es sicherlich sinnvoll, zunächst bei der Funktionstüchtigkeit der technischen Infrastruktur anzusetzen. Denn anders als in Solingen sind die Sirenenanlagen längst nicht überall auf dem neuesten Stand der Technik. Ein Fortschritt ist auch, dass erstmals auch unabhängig von der Warn-App NINA über Broadcast Cell eine Vielzahl von Smartphone-Nutzern benachrichtigt werden kann. Investitionen in die Technik werden weiterhin notwendig sein, damit künftig noch mehr Menschen im Ernstfall schnell und unkompliziert gewarnt werden können.

Klar ist auch: Dies kann nur ein Baustein der Strategie sein. Bei der Mammutaufgabe Bevölkerungsschutz haben sich die Kommunen gerade erst auf den Weg gemacht.

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