Zu wenig Fachkräfte

Warnstreik: Erzieherinnen wollen bessere Bedingungen

Von der Gasstraße zogen die Streikenden zum Rathaus. Zu Beginn der Kundgebung dort fand eine Schweigeminute wegen des Kriegs in der Ukraine statt. Foto: Christian Beier
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Von der Gasstraße zogen die Streikenden zum Rathaus. Zu Beginn der Kundgebung dort fand eine Schweigeminute wegen des Kriegs in der Ukraine statt.

Rund 110 Streikende zogen am Dienstag zum Rathaus. Sie forderten eine bessere Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen und Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Rund 110 Erzieherinnen und Erzieher sowie Beschäftigte im Sozialdienst haben nach Verdi-Angaben am Dienstag an einem Streik teilgenommen, zu dem die Gewerkschaft aufgerufen hatte. Hintergrund sind die bundesweiten Tarifverhandlungen zwischen Verdi und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, die am 21. März fortgesetzt werden sollen. Zum Demonstrationszug mit anschließender Kundgebung am Rathaus waren Teilnehmerinnen aus Solingen, Mettmann und Haan gekommen. Die Beschäftigten fordern eine bessere Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen und Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel.

In den städtischen Kitas in Solingen hatte der Streik Auswirkungen. Nach Angaben der Stadt blieb die Kita Räuberhöhle geschlossen, in vier anderen hatte nur eine Gruppe geöffnet oder es gab eine Notbetreuung. Weitere Gruppen in anderen Einrichtungen hätten wegen „krankheitsbedingter Personalausfälle“ Gruppen geschlossen, hieß es.

Der Streik fand am Internationalen Frauentag statt – schließlich seien 94 Prozent der Mitarbeitenden in den Kitas Frauen, sagte Verdi-Vertreter Lothar Reitzer bei der Kundgebung. Für die Situation in den Einrichtungen habe Corona wie ein Brennglas gewirkt. Es fehle massiv an Personal. Die Gewerkschaft fordert unter anderem Entlastungstage für die Beschäftigten, bei der Bezahlung eine Gleichstellung mit anderen gleichwertigen Berufen sowie einen Qualifizierungsanspruch für Kinderpflegerinnen.

Stadt Solingen sucht händeringend Erzieher

Die Streikenden waren am Vormittag von der Verdi-Geschäftsstelle an der Gasstraße zum Rathaus gezogen. Auf Schildern forderten sie unter anderem „100 Milliarden Sondervermögen für Care-Arbeit sofort!“.

Wie ihre Arbeitssituation aussieht, schilderten Erzieherinnen im Gespräch mit dem Tageblatt. „Wir haben nicht genug Zeit für die Kinder“, sagte Carmen Röding-Karsten. Die Gruppen seien oft groß. Zudem müsse vieles dokumentiert werden, ergänzte ihre Kollegin Heike Fischer. Elterngespräche müssten geführt, Entwicklungsbögen ausgefüllt werden.

Schutz vor Corona für Erzieherinnen schwierig

„Viel Zeit kosten auch die Coronatests, die wir zweimal pro Woche durchführen müssen“, sagte Anke Gerke. Ohnehin sei der Aufwand durch die Pandemie gestiegen. Ständig müssten Flächen desinfiziert werden. Röding-Karsten: „Alltagshelfer sollten uns eigentlich unterstützen, aber die kamen erst spät.“ Sie habe in ihrer Gruppe sechs Wickelkinder, beschrieb Gina Mroz. „Und auch die Großen muss man beim Toilettengang begleiten und kontrollieren, ob sie ihre Hände waschen.“

Der Schutz vor Corona sei schwierig, sagte Röding-Karsten: „Die Kinder müssen unser Gesicht sehen können.“ Maske tragen sei deshalb kaum möglich. Reitzer nannte dazu eine Zahl: 30.000 Fachkräfte in NRW seien seit Anfang des Jahres mit Corona infiziert gewesen.

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