Mit dem ST wandern

Vorbei an alten Hofschaften, Mühlen und Kotten

Beim Wandern geht es vorbei an Schloss Caspersbroich (l.), dem historischen Häuserensemble Maubes (o. r.), der Bruchermühle (u. l.) und durch die Hofschaft Schnittert.
+
Beim Wandern geht an Schloss Caspersbroich vorbeit.

Diese gut einstündige Wanderung führt rund um den Kuckesberg in Ohligs und Haan.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Eine abwechslungsreiche Wanderung mit alten Hofschaften, Mühle und Kotten, einem Schloss und einem Plateau mit herrlichem Fernblick bietet die Tour rund um den Kuckesberg in Ohligs und Haan. Wir starten unsere Tour an der Kottendorfer Straße und biegen von dort in die Straße Keusenhof ein. Gleich darauf geht es in die Straße Schnittert, der wir durch das langgezogene Wilzhauser Bachtal folgen. Nach Unterquerung der Bahnstrecke geht es bergan, rechts in die Schnitterter Hofschaft mit ihren alten, meist gut erhaltenen Fachwerk- und Schieferhäusern.

Wir durchqueren die Hofschaft Schnittert.

Wir gelangen zum Schnitterter Weg, der rechts zu einem Bahnübergang führt, wir aber und halten uns scharf links. Der Ort bestand als Honschaft im Kirchspiel Wald bereits um 1220, als Graf Engelbert von Berg seine Grafschaft in Gerichtsbezirke einteilte. 1832 lebten 1172 Einwohner in der Honschaft, zu der auch die umliegenden Hofschaften zählten. Es gab 208 Wohnhäuser, drei Mühlen und 188 landwirtschaftliche Gebäude. In dem großen markanten Häuserkomplex Schnitterter Weg 14 bis 18 befand sich die vor 1725 gegründete Honschaftsschule.

Wir folgen dem Hauptweg und sehen nach einer Weile rechts hinter der Weide das 1915 eingeweihte Gebäude der Ohligser Konsumgenossenschaft „Hoffnung“.

Der große Jugendstilbau beherbergte geräumige Warenlager für Lebensmittel, eine Bäckerei sowie eine Bier- und Limonadenabfüllerei. Bis Ende der 1960er Jahre wurden von dort aus Konsumläden beliefert. Nachdem der Weg einen kleinen Wald durchquert, geht er in die Ortschaft Wilzhaus über. Erstmals aktenkundig wird „Wilßhaus“ 1594, dann wieder 1683. Ob es sich ursprünglich um ein „Wildhaus“ – also ein Jägerhaus – von Schloss Caspersbroich handelte, ist nicht eindeutig geklärt. Um 1700 waren dort Schwertschmiede ansässig, im 19. Jahrhundert Messermacher.

Wir folgen dem Wilzhauser Weg rechtsum zum Bahnübergang und passieren diesen. Links dahinter führt der Caspersbroicher Weg als Allee in den Wald bis zum Schloss Caspersbroich. Dessen Geschichte reicht bis in die Zeit um 1220 zurück, als sich ein Lehensmann Graf Engelberts im dortigen Sumpfland an der Itter niederließ. Er begründete den Gutshof Krauthauserbruch. 1438 kaufte der adelige Ritter Caspar von Pertsdorf den Hof und machte ihn zu Solingens jüngstem Rittersitz. 1472 weihte Pertsdorf das heute noch bestehende Schlossgebäude ein. Der prächtige Fachwerkbau bekam den Namen des Besitzers: Caspersbroich. Das alte Hofhaus, zuletzt als „Diestmanneshaus“ genutzt, wurde abgerissen. Neuere Häuser kamen später hinzu.

Das erste Mühlenhaus wird 1410 aktenkundig

Das jetzige Gebäude der Bruchermühle stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Folgen wir dem Weg weiter über die Brücke, kommen wir auf Haaner Gebiet zur Bruchermühle. In dem 1876 errichteten Gebäude wurden alle Getreidearten zur Brot- und Futtermittelherstellung verarbeitet. Dem Bau ging eine größere Mühle voraus, die einem Feuer zum Opfer fiel. Das erste Mühlenhaus wird 1410 aktenkundig. Mitte des 17. Jahrhundert gehörte die Bruchermühle zu Schloss Caspersbroich. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde sie dann teilweise zum Ausflugslokal, zeitweilig mit Gondelteich, später zum Wohnhaus. Wir folgen dem Weg Müllersberg bergan. Oben am Hang stand schon 1410 ein Hof.

Hinter dem Eisenbahntunnel, den wir durchqueren, führt die Straße zu dem in malerischer Auenlandschaft gelegenen Brucherkotten. Das heute noch bestehende zweigeschossige Fachwerkgebäude wurde um 1855 erbaut. Als Vorgängerbau ließ Johann Abraham Schaaf zu Müllersberg 1692 vor Ort einen Schleifkotten errichten. Das Grundstück hatte er vom damaligen Eigner des Ritterguts Caspersbroich erworben und sich und seine Nachfolger verpflichtet, sämtliche Schleifarbeiten für das Schloss kostenlos auszuführen. So blieb es bis weit ins 19. Jahrhundert. Das Wasserrad des Brucherkottens war bis 1945 in Betrieb, bis 1959 schliff man elektrisch. 1977 wurde das Gebäude zum Wohnhaus.

Wir kommen am historischen Häuserensemble Maubes vorbei.

Vor dem Ort Hülsberg führt links ein Pfad über den Thienhauser Bach. Wir folgen dem Wanderweg linkerhand, am Rand der Siedlung Am Kuckesberg vorbei. Unten passieren wir die zwei kleinen Brücken über den Thienhauser Bach und die Itter und gehen dann geradeaus auf den Wald zu. Der Weg führt bergauf. Links oben am Hang liegt die Hofschaft Kuckesberg. Sie taucht zum ersten Mal um 1400 als „Kuckesberch“ in den Akten auf. Der Name könnte auf „Kuckucksberg“ zurückgehen. Unterhalb des Ortes, im sumpfigen Land an der Itter, betrieb ein „Peter an dem Kuckelsberg“ 1683 eine Schleifstelle. Später stand dort der Kuckesberger Kotten. Er wurde 1967 abgerissen.

Der Weg führt auf ein großes Hochplateau. Über den Pfad links am Feldrand gelangen wir zum Kuckesberger Weg. Von dort hat man einen imposanten Fernblick über Hilden und Haan bis in die Rheinebene nach Köln und darüber hinaus. Abends erlebt man dort die schönsten Sonnenuntergänge. Weiter geht es auf den Ort Maubes zu. Er ist erstmals 1715 als „Maubs“ kartiert. Der Name geht wohl auf den Familiennamen Maubach zurück. Das historische Häuserensemble Maubes 1 bis 8 ist komplett erhalten.

Ein gesatteltes Pferd musste für den Kriegsdienst gestellt werden

Wir folgen der Wilzhauserstraße nach Westen, überqueren am Ende die Bahnbrücke und kommen zum beschaulichen Ort Keusenhof als letzte Station unserer Tour. Im Mittelalter war das älteste, erstmals 1375 erwähnte Gebäude des Hofs ein Lehngut. Somit war der Besitzer zum Kriegsdienst verpflichtet. Im 16. Jahrhundert wurde das Lehn in ein Sattelgut umgewandelt, und der Lehnträger hatte dem Landesherrn jährlich ein gesatteltes Pferd für den Kriegsdienst zu stellen. Ab 1757 leistete er eine Geldgabe. Danach wurde der Hof mehrmals in Teile vererbt, woraus die anderen, noch heute vorhandenen Fachwerkhäuser resultierten. Die Straße Keusenhof führt zur Kottendorfer Straße, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Kuckesberg:

Dauer: Die Tour rund um den Kuckesberg dauert eine gute Stunde.

Anforderung: Mit drei leichten Steigungen ist sie auch für Familien mit Kindern geeignet.

Ausstattung: Da der Waldweg am Kuckesberg feucht und rutschig sein kann, ist festes Schuhwerk zu empfehlen.

Alle Folgen unserer Serie „Wandern mit dem ST“ haben wir hier für Sie aufgelistet: Wandern rund um Solingen mit unseren Entdeckungstouren.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Corona: Solingen wieder mit landesweit höchsten Wert - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen wieder mit landesweit höchsten Wert - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen wieder mit landesweit höchsten Wert - Impfungen in Burg und Südpark
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare