Mit dem ST wandern

Wanderung gibt Einblicke in den heimischen Obstanbau

Gerade jetzt im Frühjahr stehen viele Obstbäume in voller Blüte.
+
Gerade jetzt im Frühjahr stehen viele Obstbäume in voller Blüte.

Der Widderter Obstweg bietet herrliche Ausblicke in die Rheinebene

Von Andreas Erdmann

Solingen. Der Widderter Obstweg, von Rüden hinauf in die Hofschaft Widdert und über die Friedrichshöhe nach Friedrichstal, wurde 2013 offiziell als Rundwanderweg eröffnet. In der Hauptblütezeit von April bis Mai erstrahlt die Landschaft in einem besonderen Glanz, ist aber auch in den anderen Jahreszeiten sehr reizvoll. Gekennzeichnet ist die Strecke mit einem Apfelsymbol. Informationstafeln am Weg geben Einblicke in den Obstanbau auf Solinger Gebiet.

Wir beginnen unsere Wanderung im Ort Untenrüden am Parkplatz gegenüber des Café-Restaurants Haus Rüden. Im Frühjahr blühen die Kirschbäume dort in üppiger hellroter Pracht. Schon im Ort treffen wir auf erste Streuobst-wiesen mit bergischen Apfel-, Birnen- und Pflaumensorten. Jedes dieser Biotope bietet Lebensraum für bis zu 5000 unterschiedliche Tierarten wie seltene Vögel, Säugetiere und vielerlei Insekten.

Wir kommen vorbei an Haus Rüden. Das Gebäude ist weit über 200 Jahre alt und seit mehr als 100 Jahren Gasthaus. Ursprünglich betrieb man darin auch eine Postkutschenstation mit Herberge und später eine Bäckerei und einen Lebensmittelladen.

Wir folgen dem ausgewiesenen Obstweg, der rechts vor der Straße nach Widdert am Haus Untenrüden 13 abzweigt; er führt seitlich des Rölscheider Bachs hinauf Richtung Rölscheid. Die Wiesen am Bach leuchten in Frühjahr und Sommer in bunter Blütenpracht und wimmeln nur so von Insekten. Wir gehen bergan durch den Wald. An der Wegkreuzung oben halten wir uns links, überqueren den Bach und folgen dem ansteigenden Pfad zum Böckersberg. Links vor der Siedlung Böckersberg geht es hinauf zur Severinstraße, die wir zur Widderter Straße hin überqueren. Linkerhand im ersten Gebäude befand sich früher das Gasthaus „Haus Bergblick“, das noch in den 1930er Jahren „Zur schönen Aussicht“ hieß.

An dem erhöhten Standort mit Ausblick ins Tal wurde schon 1875 ein eingeschossiger Vorgängerbau errichtet. Um 1900 erfolgte ein Anbau und Mitte des 20. Jahrhunderts eine Erweiterung mit einem geräumigen Tanzsaal in der ersten Etage. 1996 stellte man den Gastbetrieb ein und wandelte das Gebäude um 2005 zum Wohnhaus um.

Nach kurzer Strecke zweigt links die Straße Widdert ab. Diese führt direkt in die beschauliche alte Hofschaft, die dem Stadtteil ihren Namen gab. Farbenfrohe Gärten und Fachwerk- und Schieferhäuser prägen den Ort. Widdert wird erstmals im Jahr 1067 in einer Steuerurkunde erwähnt, als die Bauern dem Kölner St. Severin-Stift den Zehnten ableisten mussten. In einer Akte von 1413 heißt es dann: „Alle in der Honschaft von Widdert gelegenen Höfe geben unserer Kirche den Zehnten von allen Früchten, sowohl den Winter- als auch den Sommerfrüchten, die dort gesät worden sind. Auch geben alle und jede Höfe (…) den kleinen Zehnten von den Schweinen, Kälbern, Schafen, Küken und von allem, wovon der Zehnte gegeben zu werden pflegt.“

Der wohl älteste heute noch existierende Bauernhof im Stadtteil ist der Dohmshof in Vormeiswinkel. Er existierte vermutlich schon vor 900 Jahren. Ab dem 15. Jahrhundert begann man als Ergänzung zur Landwirtschaft an Widderter Wasserläufen mit der Klingenherstellung. Zwischen Feldern und Gärten einhergeht es rechts zurück auf die Widderter Straße. Immer wieder säumen Obstbäume den Weg. Zur Linken ergeben sich bald herrliche Ausblicke in die Rheinebene. Bei klarem Wetter lassen sich die Schlote des Braunkohlekraftwerks bei Greven-broich erkennen. Weiter rechts schaut man nach Ohligs und Düsseldorf.

An der Kreuzung geht es links in den Hintenmeiswinkeler Weg, vorbei am Backsteinbau der ehemaligen Schule Eintracht. Von 1835 an wurden in der einklassigen Privatschule Kinder der Ortschaften Vor- und Hintermeiswinkel, Lache und Eintracht unterrichtet. 1919 hat man den Schulbetrieb eingestellt.

Nicht lange und wir biegen links in den Feldweg ein. Auf dem Höhenzug werden Erdbeeren angebaut. Der Weg führt in den Wald, über einen Zulauf des Hintenmeiswinkeler Bachs und nach der Weggabelung links zur Friedrichshöhe. An der nächsten Gabelung geht es rechts steil bergab. Wir kommen zu einem Fachwerkhaus, an dem schon lange „der Zahn der Zeit nagt“. Die aufgeplatzten Fächer des Gebäudes geben Einblick in die alte Fachwerkbauweise: Die Gefache aus geflochtenen Zweigen wurden mit einem Lehm-, Strohgemisch aufgefüllt. Außen trug man Kalkmörtel auf.

Mit dem ST wandern: Tal war schon in der Jungsteinzeit besiedelt

Unten geht es links am Waldrand entlang, anschließend durch den Wald. Nach Überquerung des Friedrichstaler Bachs gelangen wir zur Friedrichstaler Straße, halten uns rechts und gehen dann links in den Ort hinein. Das Tal ist schon lange besiedelt, wie etwa 5000 Jahre alte Funde von Werkzeugteilen aus der Jungsteinzeit belegen.

Die Karte von Ploennies von 1715 zeigt unter dem Namen „Friederichsdal“ einen einzelnen Hof. Der Obenfriedrichstaler Kotten ist aber älter; er soll bereits 1667 als Doppelkotten errichtet worden sein. Nachdem er 1852 einem Brand zum Opfer fiel, wurden die Gebäude in heutiger Form wieder aufgebaut. 1885 lebten in Friedrichstal 155 Einwohner „zumeist evangelischen Glaubens“ in 39 Wohnhäusern. Den Kotten, erblickt man rechts von der Straße Friedrichstal aus, die in Richtung Rüden führt.

In Untenrüden angelangt, führt die erste Straße rechts zurück zum Ausgangspunkt. Wann Rüden landwirtschaftlich besiedelt wurde, ist unklar. Es muss aber vor der „Legende des Herzogs von Berg und seinem tapferen Rüden“ von 1424 gewesen sein. Denn ein Dokument von 1374 weist den Ort bereits aus.

Obstweg

Dauer: ca. 80 Minuten
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer, mit einigen Steigungen, auch für Familien mit Kindern geeignet.

Ausrüstungstipp: festes Schuhwerk.

Einkehren: Haus Rüden: Reguläre Öffnungszeiten: sonntags 10 bis 22 Uhr, montags bis mittwochs, freitags und samstags 11:30 bis 22 Uhr; Untenrüden 39, Tel. (0212) 81 86 58

www.hausrueden.de

Gaststätte Rüdenstein: Reguläre Öffnungszeiten: Sonntags 10 bis 20.30 Uhr, mittwochs bis samstags 11.30 bis 20.30 Uhr; Obenrüden 72, Tel. (0212) 81 23 14.

ruedenstein.de

Besuche erst nach dem Lockdown.

Weitere Wanderstrecken innerhalb und um Solingen, finden Sie auf unserer Überblicksseite.

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: GPX-Track für den Obstweg

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Solingen wieder mit landesweit höchsten Wert - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen wieder mit landesweit höchsten Wert - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen wieder mit landesweit höchsten Wert - Impfungen in Burg und Südpark
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Rückkauf der Ohligser Festhalle erntet Zustimmung
Rückkauf der Ohligser Festhalle erntet Zustimmung
Rückkauf der Ohligser Festhalle erntet Zustimmung
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare