Mit dem ST wandern

Entdeckungstour von Rüden bis nach Wüstenhof

Der Rüdenstein erinnert an den treuen Rüden, der seinem Herrn, Robert von Berg, im Jahr 1424 das Leben rettete.
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Der Rüdenstein erinnert an den treuen Rüden, der seinem Herrn, Robert von Berg, im Jahr 1424 das Leben rettete.

Einfache Tour führt zu Füßen der Wupperberge durch beschauliche Fachwerk-Hofschaften – Baudenkmäler liegen am Wege.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Eine leicht zu gehende Strecke voller Natureindrücke und Einblicke in das alte bergische Hofleben ist der Rundweg von Unten- und Obenrüden nach Wüstenhof und zurück über Heiler Kotten.

Wir beginnen unsere Wanderung im Ort Untenrüden am Parkplatz gegenüber der Gaststätte Haus Rüden. Haus Rüden ist weit mehr als 200 Jahre alt und seit mehr als 100 Jahren Gasthaus. Ursprünglich betrieb man dort auch eine Postkutschenstation mit Herberge sowie eine Bäckerei und einen Lebensmittelladen. Wir folgen der Straße Untenrüden in Richtung der Wupperbrücke und kommen vorbei an einem roten Backsteingebäude. Darin befand sich von 1876 bis 1921 die Rüdener Volksschule. 1899 wurde sie um den Anbau erweitert.

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnete eine Gaststätte im Haus Fähr. Heute liegt der Betrieb still.

Am anderen Wupperufer sieht man die heute nicht mehr betriebene Gaststätte Haus Fähr. Das Haus ist schon 1832 als Wohnsitz genannt. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnet die Gaststätte darin. Zuerst führte ein Steg, dann eine Brücke zu dem beliebten Ausflugsziel.

Wir folgen aber dem links vor der Brücke und gehen am Wupperufer entlang zum Untenrüdener Kotten. Errichtet wurde der größtenteils aus Backstein bestehende Schleifbetrieb um 1900 an der Stelle einer alten, zuvor abgebrannten Doppelkottenanlage. Links vom Weg erblicken wir nun die beschauliche Ortschaft Obenrüden. Die ältesten ihrer gut erhaltenen Fachwerkhäuser reichen nachweislich ins 17. Jahrhundert zurück. Wir passieren die Gartenseite der Gaststätte Rüdenstein. Diese wurde 1929 von einem Rüdener Schleifer und seiner Frau in ihrem historischen bergischen Fachwerkhaus eröffnet. Schon bald hat man den Saal angebaut und das Gebäude dann mehrmals erweitert.

Ein Stück weiter flussaufwärts steht der heute unter anderem als Wohnhaus genutzte Obenrüdener Kotten. Urkundlich erstmals erwähnt wird er 1605 als „neu gebaute Mühle im Rüden“. Da in ihm ursprünglich Bläue (ein Produkt der Textilveredelung) hergestellt wurde, bezeichnete man den späteren Schleifkotten noch lange als „Blaumühle“. Nachdem der Doppelkotten nach 1900 einem Feuer zum Opfer fiel, hat man 1907 einen Neubau errichtet. 1966 brannte der hintere Teil aus und wurde sorgsam wieder restauriert.

Ein Steg führt uns über die Wupper auf Leichlinger Gebiet. Am anderen Ufer ragt zur Linken ein steiler Felsen auf. Eine alte Sage bezeichnet ihn als „Totenstein“, weil die alten Germanen dort ihre römischen Kriegsgefangenen geopfert haben sollen. Wir folgen dem Pfad links die Klippen hinauf zum Rüdenstein-Denkmal. Das vom Widderter Verschönerungsverein initiierte Denkmal wurde 1927 vor rund 1000 Besuchern enthüllt. Die Hundefigur aus Kunststein schuf der Metallkünstler F. Otto Hoppe. Sie erinnert an den treuen Rüden, der seinem Herrn, Robert von Berg, im Winter 1424 das Leben rettete. Der Jungherzog war auf der Jagd an der Steilwand zur Wupper hin abgestürzt, wo der Hund ihn aufspürte.

Die Gaststätte Rüdenstein lädt zum Verweilen, Rasten und Erfrischen ein. Müde Wanderer können nach ihrer Tour hier einkehren.

Landhaus ist das markanteste Gebäude in Wupperhof

Der Weg in Höhe des Platzes führt uns weiter. Bald zweigt links ein Pfad ab, der auf einen längeren Weg flussaufwärts bis in den Ort Wupperhof führt. Unterwegs ergeben sich herrliche Ausblicke auf den Rölscheider Berg und den Widderter Höhenrücken. Markantestes Gebäude in Wupperhof ist das Restaurant Landhaus Ferres kurz vor der Wupperbrücke. Es gilt als eines der ältesten des Bergischen Landes. In seiner heutigen Form erst im 18. Jahrhundert fertig gestellt, soll sich schon um 1200 eine Schänke an selbiger Stelle befunden haben. Ab 1424 betrieb die Gastleute auch einen Pferdeunterstand, an dem Reisende frische Tiere einspannen konnten. Wer mag, kann im Haus oder im Biergarten eine Rast einlegen.

Wüstenhofer Mühle wurde um 1750 erbaut

Weiter geht es über die Wupperbrücke zur Ortschaft Wüstenhof. Der Hof wird urkundlich erstmals im Jahr 1510 als Besitztum des Johanniterordens erwähnt. Rechts, nicht weit von der Mündung des Schellberger Bachs in die Wupper steht die Wüstenhofer Mühle, die früher auch als Hohenscheider Mühle, Brochs- und Engelsmühle bekannt war. Erbaut wurde die durch Wasserkraft betriebene Kornmühle um 1750. Vermutlich war es nicht die erste Mühle an dieser Stelle. Sie war über einen Weg, den so genannten „Brotweg“, mit Haus Hohenscheid verbunden.

Wir folgen den Straßenzug Wüstenhof unterhalb der am Hang errichteten Fachwerkhäuser nahe der Brücke. Bald geht es eine längere Strecke durch Laubwald am Wupperufer entlang. Nach Überquerung des Heisterbuschbachs nähert man sich dem Heiler Kotten. Bereits 1605 sollen dort auf der Lichtung zwei Kottengebäude gestanden haben. Ein verbliebener Einzelkotten brannte 1894 ab, woraufhin 1895 das heute noch bestehende Gebäude errichtet wurde. Bis ins 20. Jahrhundert hinein waren dort 60 Schleifer beschäftigt. Später wurde das Haus Wohngebäude und ab 1960 Domizil eines Paddelcubs.

Der Waldweg führt uns über den Kaltentaler Bach. Dann erblicken wir hinter Wiesen erneut den Obenrüdener Kotten. Wir folgen der Straße Obenrüden durch die gleichnamige Fachwerksiedlung. Kurz vor der Rückkehr zum Ausgangspunkt treffen wir rechts auf den Hilbertzkotten. Erst 1924 im Fachwerkstil errichtet, diente er auf seinen nur 20 Quadratmetern nacheinander als Motorenwerkstatt, Schleifkotten, Gartenhaus, Verkaufsstätte und Wohnhaus.

Wer zum Abschluss der Tour eine Stärkung oder Erfrischung möchte, kann in der Gaststätte Rüdenstein oder im Gasthaus Rüden einkehren, wenn es wieder möglich ist.

Route 7:

Dauer: ca. 80 Minuten

Schwierigkeitsgrad: leicht, nur eine Steigung, auch für Familien mit Kindern geeignet

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen:  GPX-Track Rueden

Ausrüstungstipp: Festes Schuhwerk

Gaststätte Rüdenstein: Reguläre Öffnungszeiten: sonntags 10 bis 20.30 Uhr, mittwochs bis samstags 11.30 bis 20.30 Uhr; Obenrüden 72, Tel. 81 23 14, https://www.ruedenstein.de/

Haus Rüden: Reguläre Öffnungszeiten: sonntags 10 bis 22 Uhr, montags bis mittwochs, freitags und samstags 11.30 bis 22 Uhr; Untenrüden 39, Tel. 81 86 58, https://www.hausrueden.de/

Wander-Route 6: Eine Entdeckungsroute zu den Teufelsklippen

Wander-Route 8: Alten Burgen, Schlössern und Herrenhäusern auf der Spur

Alle Folgen unserer Serie „Wandern mit dem ST“ haben wir hier für Sie aufgelistet: Wandern rund um Solingen mit unseren Entdeckungstouren

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