Wanderserie

Mit dem ST wandern: Von schaurigen Sagen und rauschenden Wäldern

Mit ein bisschen Glück begegnen Spaziergänger auf der Route rund um den Sattelsberg Alpakas. Malerische Aus- und Ansichten bieten das Schellbergtal und die Wüstenhofer Mühle.
+
Malerische Ansichten bieten die Wüstenhofer Mühle.

Der Rundweg nach Hohenscheid und durchs Schellbergtal führt rund um den Sattelsberg.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Wunderschöne Ausblicke in die Wupperberge, viel Wald, einiges an Fachwerk und eine Visite bei Burg Hohenscheid bietet eine Wanderung rund um den Sattelsberg im Solinger Süden.

Wir starten vom Wanderparkplatz links vor der Brücke nach Wupperhof und folgen dem Weg an der Wupper aufwärts. Am Obergraben des einstigen Auer Kottens treffen wir auf ein kleines Wasserkraftwerk. Auf der Ploennies-Karte aus dem Jahr 1715 ist an dieser Stelle bereits eine Doppelkottenanlage verzeichnet. „Schleiffer Peter Bössgen zur Beck und sein Sohn Tielmann“ waren laut Nesselroder Register frühe Betreiber. Nachdem beide Gebäude 1906 abbrannten, wurde der Innenkotten als Backsteingebäude wieder aufgebaut. Er stand bis in die 1960er Jahre.

Aussicht auf das Schellbergtal.

Der Weg nimmt eine Kurve, stößt dann auf den Klingenpfad, dem wir linkerhand auf den Hohenscheider Bergrücken folgen. Die obere Strecke war Teil des früheren „Brotwegs“, der Haus Hohenscheid mit der am Schellberger Bach gelegenen Hohenscheider Mühle verband. In der Mühle – wir sehen sie später – ließ Hohenscheid das Getreide mahlen. Der Weg führt heute direkt auf den Bio-Bauernhof Gut Hohenscheid zu. Im angegliederten Hofladen verkaufen die Betreiber Theo und Julia Höffken selbstangebautes Obst und Gemüse, die Eier ihrer Legehennen und neben Schweine-, Schaf- und Gänsefleisch auch Käse und Backwaren. Der Hof bildete früher den Wirtschaftstrakt der daneben gelegenen Burg Hohenscheid.

Laut Stadtschreiber Heinz Rosenthal ist das burgähnliche Gebäude mit dem Wehrturm eigentlich als „Haus Hohenscheid“ zu bezeichnen, da es früher kein gräflicher, sondern ländlicher Besitz war. Als erster Namensträger des Rittersitzes wird 1238 urkundlich „Hermanus de Hohenscheid“ genannt. Seit Ende des 14. Jahrhunderts hielt man dort Gericht. Den Ursprungsbau, etwas weiter westlich, zerstörten Brände im 18. Jahrhundert. Aus alter Zeit sind etliche Sagen um Hohenscheid erhalten. Eine berichtet von der Tieferlegung des Burgbrunnens um 1800, wobei man auf dem Grund „Menschenknochen und den Rest einer Sense“ fand – „Überbleibsel eines Sensenkrämers aus der Steiermark“, der in dem Brunnen ertrank.

Von einer Burgkapelle, die am steilsten Hang des Bergkegels stand, soll der Turm in die Wupper gestürzt sein. Und 1833 will man metallene Särge aus den meterdicken Burgmauern geborgen haben. Doch zurück zu Fakten: 1907 ließ der Fabrikant Artur Hammesfahr die Burg nach dem Vorbild aus der Ritterzeit neu errichten. Der komplette Bau, wie er heute ist, entstand nach 1920. Um 1940 beherbergte er ein Restaurant mit Dachterrasse, später ein Hotel, dann ein Asylbewerber-Wohnheim und heute ein christliches Lebenszentrum.

Mit ein bisschen Glück begegnen Spaziergänger auf der Route rund um den Sattelsberg Alpakas.

Wir folgen der Straße Richtung Balkhauser Weg. Links auf der Weide grasen oft die Alpakas der Alpakazucht „Alpakarma“. Neben Angeboten von Wolle und Garnen veranstaltet die Familie Rabanus als Betreiber geführte Tierwanderungen. Kurz vor der Straßenkehre biegen wir links in den Weg ein, der uns an dem Pferdehof am Balkhauser Weg 106 vorbei ins Schellbergtal führt.

Linkerhand liegt das Areal des früheren Freibads Schellbergtal. Das Bad war von 1918 bis 2007 in Betrieb, dann wurde das Gelände renaturiert. Wir gelangen zum Schellberger Weg, folgen ihm links und biegen gleich rechts, noch vor der Hofschaft am Schellberg, in den Wanderweg ein. Dieser führt uns das Bachtal hinauf.

Oberhalb der Quelle des 2,3 Kilometer langen Wasserlaufs liegt die alte Hofschaft Hoppenböcken mit einigen gut erhaltenen Fachwerk- und Schieferhäusern. Der Ortsname lässt sich auf den Familiennamen Hoppe und Buchenbäume (Böcken) zurückführen. Auf der Ploennies-Karte von 1715 ist Hoppenböcken noch nicht verzeichnet. Erste urkundliche Erwähnungen tauchen um 1785 mit dem Familiennamen Bauermann auf. Wir gelangen zum Thalesweg, der uns linkerhand zum Cantorweg führt. Abermals links geht es zum Eulerweg, dann links bergab auf den Sattelsberg zu.

Wir erreichen den Wald. Links von der Sitzbank führt ein Pfad auf den Berg, der seinen Namen von dem flachen, sattelähnlichen Gipfelplateau erhielt. Immer wieder ergeben sich herrliche Fernblicke über das Schellbergtal bis hin zum Hohenscheider und Hästener Höhenrücken.

An einer Wiese vorbei durch den alten Buchenwald

Weiter unten biegen wir scharf rechts in den Waldweg ein. Im Unterholz umher sieht man im Spätsommer und Herbst viele Pilze, vor allem Pfifferlinge. Bitte stehenlassen! Zurück an der Bank folgen wir dem links abzweigenden Weg, der uns oberhalb von Odental zunächst an einer Wiese vorbei, dann durch alten Buchenwald führt. Unterhalb des Schürmannwegs halten wir uns links, kommen zu einer kleinen Lichtung, folgen wiederum links dem Weg bergab.

Vor dem zu Wohneinheiten umgebauten früheren Kinderheim und Verwaltungsgebäude geht es links weiter talwärts. Wir überqueren den Odentaler Weg, gelangen zum Weg Bünkenberg, in den wir linkerhand einbiegen. Er führt uns zurück zum Odentaler Weg. Wir gehen talwärts. Vorsicht vor dem Straßenverkehr! Der Ort Odental wird als einzelne Hofstelle mit der Bezeichnung „Udendahl“ bereits 1715 erwähnt. Wir passieren den Straßenengpass zwischen zwei Fachwerkhäusern und kommen zur Ortschaft Breidbach. Durch sie fließt ein Bach gleichen Namens in den Schellberger Bach.

Noch vor der Wupperbrücke liegt die Ortschaft Wüstenhof. Der Hof wird urkundlich erstmals 1510 als Besitztum des Johanniterordens erwähnt. Links, nicht weit von der Mündung des Schellberger Bachs in die Wupper, steht die Wüstenhofer Mühle, die früher auch als Hohenscheider-, Brochs- und Engelsmühle bekannt war. Erbaut wurde sie um 1750. Doch vermutlich war es nicht die erste durch Wasserkraft betriebene Kornmühle an dieser Stelle. Am Ende der Wanderung liegt das Landhaus Ferres. Leider ist es durch die Schäden der Flutkatastrophe bis auf weiteres geschlossen.

Tour 33

Dauer: ca. 120 Minuten

Schwierigkeitsgrad: mittelschwer, Steigungen, eine Straßenstrecke

Ausrüstungstipp: festes Schuhwerk

Bio-Hofladen: Julia und Theo Höffken, Hohenscheid 1, P 4 78 23, Öffnungszeiten: dienstags 14 bis 18 Uhr, mittwochs bis freitags 9 bis 12 Uhr, 14 bis 18 Uhr, samstags 9 bis 14 Uhr
www.et-hoeffken.de

Alpakazucht: „Alpakarma“, Familie Rabanus, Hohenscheid 1, Tel. 2 44 24 44
www.bergischland-alpakas.de

Tipp: Die ersten 20 Folgen unserer Serie „Wanderrouten im Bergischen Land“ – unter anderem mit den gpx-Daten zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät – sind als PDF-Download für 7,90 Euro erhältlich auf:
www.bergisch-bestes.de

Alle Folgen zum Nachlesen finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Hofgarten: Edeka Pauli wird größer
Hofgarten: Edeka Pauli wird größer
Hofgarten: Edeka Pauli wird größer
Sexueller Missbrauch: Arzt aus Solingen steht vor Gericht
Sexueller Missbrauch: Arzt aus Solingen steht vor Gericht
Sexueller Missbrauch: Arzt aus Solingen steht vor Gericht
Die ganze Familie ist von Krankheiten betroffen
Die ganze Familie ist von Krankheiten betroffen
Die ganze Familie ist von Krankheiten betroffen
S-Bahn 7: Abellio gibt auf
S-Bahn 7: Abellio gibt auf
S-Bahn 7: Abellio gibt auf

Kommentare