Verkauf von Immobilien

Walder Gemeinde sucht weiter Investoren

Die evangelische Kirchengemeinde Wald möchte die Kirche und das Gemeindezentrum an der Fuhrstraße, die „Kirche an der Trasse“, verkaufen
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Die evangelische Kirchengemeinde Wald möchte die Kirche und das Gemeindezentrum an der Fuhrstraße, die „Kirche an der Trasse“, verkaufen.

Kirchen und Gemeindehäuser in der Fuhr und am Weyer sollen verkauft werden

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Kirchengebäude aufzugeben, Gemeindehäuser zu verkaufen – dieses Thema beschäftigt die Gemeindemitglieder in Wald ganz aktuell. Zwar wurde der Beschluss, die Kirchen und Gemeindehäuser Weyer an der Sternstraße und Fuhr zu schließen, schon 2017 gefasst, jetzt stand er aber wieder auf der Tagesordnung der Gemeindeversammlung der evangelischen Gemeinde.

„Natürlich weckt man mit so einer Gemeindeversammlung auch basisdemokratische Vorstellungen“, erklärt Pfarrer Stefan Ziegenbalg, der die Versammlung leitete. Tatsächlich sei eine Gemeindeversammlung aber da, um die Gemeinde zu unterrichten. Einen Beschluss fassen könne dieses Gremium nicht. Dieser stehe seit über vier Jahren.

Damals hat die evangelische Gemeinde aus finanziellen Gründen entschieden, sich von den Immobilien zu trennen. „Nicht in Steine, sondern in Menschen zu investieren“, das hat man sich in der Walder Gemeinde vermehrt vorgenommen. Bislang konnten die zum Verkauf stehenden Gebäude allerdings noch nicht verkauft werden. „Bei den Kirchen muss das Landeskirchenamt eine Genehmigung für die Entwidmung der Gotteshäuser geben“, erklärt Ziegenbalg.

Verkauft werden soll auch das Gemeindezentrum Weyer an der Sternstraße. Das Gemeindehaus wurde 1961, der Turm 1962 eingeweiht.

Der Weg dahin gestaltete sich komplizierter als erhofft. Im Herbst 2020 habe das Landeskirchenamt eine Gebäudestrukturanalyse gefordert. „Wir hatten gehofft, diese nicht beibringen zu müssen, da so eine Analyse teuer ist und es ja schließlich um einen Sparbeschluss geht“, so Ziegenbalg. Nach einem großen Treffen mit vielen Beteiligten, unter anderem auch Vertretern der Denkmalstiftung Walder Kirche, habe man die Gebäudestrukturanalyse dann in Auftrag gegeben. Im vergangenen Herbst habe diese dann abschließend vorgelegen.

„Letztendlich hat die Analyse die Beschlüsse des Presbyteriums bestätigt“, so Ziegenbalg. Aktuell sei man dabei, eine vorgegebene lange To-do-Liste abzuarbeiten. Eine Anhörung der Gemeinde sei mit der Gemeindeversammlung erfolgt. „Das verlief sehr unaufgeregt“, so Ziegenbalg. Die „Trauerarbeit“ angesichts der Entscheidung sei ja schon vor vier Jahren erfolgt. Auch die Glocken und Orgeln wurden bereits von Sachverständigen angeschaut. Zudem war eine Stellungnahme des Kreissynodalvorstandes gefordert. „Das alles liegt jetzt beim Landeskirchenamt, die der Entwidmung zustimmen müssen“, erklärt Pfarrer Ziegenbalg. Die Entscheidung wird in Kürze erwartet.

Pfarrer Stefan Ziegenbalg leitete die Gemeindeversammlung.

Neben den Gemeindezentren am Weyer und in der Fuhr ist das Gemeindezentrum Corinthstraße nach wie vor Teil der Diskussion. „Darüber sind wir mit der Altenhilfe Wald, die als eigene gGmbH dort untergebracht ist, im Gespräch“, so Ziegenbalg. Dieses Gebäude wolle man sicherlich „nicht von heute auf morgen verkaufen“. Darüber sei man in eher längerfristigen Gesprächen.

„Ziel ist es, dass die Gebäude in irgendeiner Form für das Gemeinwohl erhalten bleiben.“

Stefan Ziegenbalg, Pfarrer

Grundsätzlich gehe es in dem Beschluss auch am Weyer und in der Fuhr nicht darum, die Immobilien nur zu verkaufen, um Geld zu generieren. „Unser großes Ziel ist es, dass die Gebäude in irgendeiner Form für das Gemeinwohl erhalten bleiben“, erklärt der Walder Pfarrer. Inwieweit das möglich ist, müsse ganz genau geklärt werden. So sei der Gebäudekomplex am Weyer, der 1961 gebaut und eingeweiht wurde, energetisch nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Die Gebäude an der Fuhr – samt modernem Glockenturm – sind deutlich jünger.

Für beide Anwesen sucht die Gemeinde Investoren, die im sozialen Bereich investieren möchten. „Am Standort Weyer betreiben wir als Kirchengemeinde auch die zweigruppige Kita, vielleicht wäre dort ja auch eine Kooperation möglich“, kann sich Stefan Ziegenbalg vorstellen. „Das ist vielleicht auch eine Chance, denn wir als Gemeinde können den Kita-Bereich nicht erweitern, obwohl es einen dringenden Bedarf gibt“, skizziert er ein mögliches Investitionsmodell.

Gemeinde Wald

Walder Kirche: Zentrum der evangelischen Gemeinde ist die Walder Kirche im Ortskern mit ihrem 1000-jährigen Kirchturm, dem ältesten Gebäude der Stadt.

Fuhrkirche: In der „Kirche an der Trasse“ findet derzeit alle zwei Wochen ein Gottesdienst statt.

Kirche am Mangenberg: Diese Kirche, die kleinste der Walder Gemeinde, wurde vor Kurzem renoviert. Daneben sind der Kindergarten Sandstraße und das Jugendzentrum angesiedelt.

Kirche Weyer: In der Kirche an der Sternstraße sind derzeit zwei evangelische Gemeinden zuhause, neben der Walder Gemeinde auch die afrikanische Kirche. Die evangelische methodistische Gemeinde Solingen ist vor einiger Zeit in die Gillicher Straße umgezogen.

Standpunkt

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Entwidmete Kirchen mit Ausstellungsräumen anstelle von Kirchenbänken oder Apartments anstelle der Orgelempore gibt es schon häufiger. Auch die evangelische Kirche Wald denkt schon länger darüber nach, zwei ihrer vier Kirchenstandorte aufzugeben. Im Idealfall findet sich jemand, der am Weyer das Gelände nutzt, um den dortigen Kindergarten zu übernehmen und zu erweitern. Oder der an der Fuhr in dem modernen Kirchenbau ein tolles Stadtteil-Konzept entwickelt. Aber solche Investoren sind selten. Wenn es gelänge, Geldgeber dafür zu begeistern, wäre das ein großer Gewinn – für den Stadtteil und die Gemeinde. Aber auch sonst ist der Schritt nachvollziehbar. In Zeiten von Kirchenaustritten und nicht nur corona-bedingten leeren Kirchenbänken muss eine Gemeinde neue Schwerpunkte setzen. Seelsorge, Sozialarbeit, Engagement für Kinder, Jugendliche und Alte – das wird von einer modernen Kirche erwartet. Aber die Verantwortlichen dürfen nicht vergessen, dass die Men-schen – gerade jetzt – auch Halt suchen. Das können Gottesdienst und Kirchenbesuch bieten. Und das muss es auch weiterhin geben.

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