Stadt sieht keine übermäßige Belastung

Widerstand formiert sich - Walder Anwohner beklagen Lkw-Verkehr

Das gestiegene Verkehrsaufkommen stößt bei Anwohnern der Deller Straße auf wenig Gegenliebe. Foto: Christian Beier
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Das gestiegene Verkehrsaufkommen stößt bei Anwohnern der Deller Straße auf wenig Gegenliebe.

Eine Gruppe Anwohner um Michael Wollny hat gezählt. 50 bis 60 Lastwagen durchqueren die Tempo-30-Zone vor ihrer Haustüre pro Tag.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Dabei wohnen die Solinger nicht an einer Hauptverkehrsachse, sondern an der Deller Straßen in Wald. „Das ist hier im Grunde eine sehr ruhige Wohngegend, der Lkw-Verkehr nimmt aber mittlerweile überhand“, beklagen die Anwohner beim Ortstermin mit dem ST.

Ursächlich für das Fahrzeugaufkommen ist das Gewerbegebiet Wald Bahnhof. Das existiert nicht seit gestern, doch in den vergangenen Jahren haben sich im Bereich Deller-, Demmeltrather- und Focher Straße neue Unternehmen niedergelassen, zuletzt eine Baufirma an der benachbarten Albertus-Magnus-Straße. Mit den entsprechenden Folgen für die Anwohner.

„Es kann nicht sein, dass die Anwohner die komplette Last tragen müssen.“

Anwohner der Deller Straße

„Wir sehen nicht ein, dass der ganze Verkehr über die Deller Straße läuft“, sind sich die Nachbarn einig. Sie beklagen Einbußen ihrer Lebensqualität, Gefahr für die Kinder in der Gegend und die Schüler der benachbarten Erika-Rothstein-Schule. Zusätzlich befürchten sie, über Straßenbaubeiträge an der Erneuerung der Asphaltdecke beteiligt zu werden, sollte diese durch das Gewicht der Laster Schaden nehmen. Der Tenor: „Für solche Massen ist die Deller Straße nicht ausgelegt.“

Ob die Anwohner im skizzierten Fall tatsächlich zur Kasse gebeten würden, kann die Stadt nicht pauschal beantworten. „Eine Beurteilung ist erst möglich, wenn eine konkrete straßenbauliche Maßnahme für die öffentliche Straße vorgesehen ist und feststeht“, heißt es auf ST-Anfrage aus dem Rathaus. Zurzeit sei das nicht der Fall.

Grundsätzlich rechnet die Verwaltung nicht damit, dass das derzeitige Verkehrsaufkommen zu Schäden im Bereich Deller Straße führt. Zwar bestätigt Pressesprecherin Sabine Rische, dass der Oberbau der Straßendecke an dieser Stelle nicht „für einen übermäßigen Lkw-Verkehr ausgelegt“ sei. „Eine solche übermäßige Beanspruchung ist nach Einschätzung der Verwaltung aber dort auch nicht gegeben“, erklärt sie.

Das sehen die Anwohner anders. Sie fordern Unterstützung vonseiten der Verwaltung. Konkret sollen die Lkw angehalten werden, durch das Gewerbegebiet zu fahren – über die George-, Straucher-, und Gräfrather Straße sowie den Fallerslebenweg. Immer wieder komme es momentan vor, dass stattdessen die Demmeltrather- und Deller Straße genutzt werden.

Ein weiteres Problem sei, dass auf dem Fallerslebenweg „Anlieger frei“ gilt. Unternehmen, die außerhalb des Gewerbegebiets liegen, dürfen es deshalb nicht durchqueren, um auf die Focher Straße zu gelangen. Die Stadt erkennt die Route durch das Gewerbegebiet als Alternative an. Lkw, die einen der Betriebe entlang der Route als Ziel hätten, könnten dort bereits heute fahren. Das Problem sei: „Es gibt aktuell keine rechtlichen Gründe vorzuschreiben, dort entlang zu fahren.“

Auch der zweite Vorschlag der Anwohner, die Unterführung in Richtung der Stübbener Straße zu ertüchtigen, sei aus Sicht der Verwaltung nicht praktikabel: „Für das Brückenbauwerk, über das die Korkenziehertrasse verläuft, gilt eine Höhenbeschränkung von drei Metern.“ Ein Ersatz der Brücke Fallerslebenweg, die von der Holbein- auf die Gräfrather Straße führt, ist ebenfalls nicht vorgesehen. Sie diente seit 2015 ohnehin ausschließlich als Fußgänger- und Fahrradbrücke, seit 2007 galt eine Gewichtsbegrenzung. Vor zwei Jahren stimmte die Politik für den ersatzlosen Abbruch, der 2020 umgesetzt wurde.

Die Anwohner der Deller Straße um Michael Wollny möchten sich mit der Situation dennoch nicht einfach abfinden. „Es kann nicht sein, dass die Anwohner die komplette Last tragen müssen.“

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