Tag des Waldes

Wald hat Wert von rund 30 Millionen Euro

Die Stadt Solingen forstet aktuell gerodete Waldflächen wie hier in Gräfrath mit 60 000 Jungbäumen wieder auf. Foto: Michael Schütz
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Die Stadt Solingen forstet aktuell gerodete Waldflächen wie hier in Gräfrath mit 60.000 Jungbäumen wieder auf.

Stadt startet Wiederaufforstung gerodeter Flächen nach den Dürrejahren.

Von Philipp Müller

Solingen. Passend zum „Tag des Waldes“ startete die Stadt Solingen damit, ihre Waldflächen aufzuforsten. Rund 60 000 Jungbäume kommen bis Ende April in die Erde. Dahinter steckt ein Masterplan, aus Monokulturen Mischwälder zu schaffen, die den geänderten Klimabedingungen besser standhalten sollen. Das wird ein Programm über mehrere Jahre sein.

Warum musste zunächst großflächig gerodet werden?

In den Jahren 2018 bis 2020 waren die Sommer so trocken, dass vor allem Nadelgehölze leicht von Borkenkäfern angegriffen werden konnten. Davon erholen sich die Pflanzen nicht und müssen gerodet werden. Das betrifft Flächen im ganzen Stadtgebiet.

Wo werden jetzt überall neue Bäume gesetzt?

Der Start fand in Gräfrath statt. Aber gefällt wurde auch in den Bereich Müngsten, Widdert, Aufderhöhe und Burg. Auch dort soll es neue Bäume geben. In der Ohligser Heide und an der Sengbachtalsperre gab es bereits im vergangenen Jahr Wiederaufforstungsaktionen. An der Talsperre wird das aktuell fortgesetzt.

Welches Ziel verbindet die Stadt mit der Wiederaufforstung?

Zunächst geht es um den Ersatz der Bäume, die abgestorben waren. Aber Markus Schlösser, Abteilungsleiter Wald und Landschaft bei der Stadt Solingen, erklärt, dass jetzt mit Bäumen wie Linden, Traubeneichen, Rotbuchen, Erlen und anderen Sorten und Arten vor allem heimische Bäume in den Waldboden kommen, die mit den steigenden Temperaturen und der größeren Trockenheit durch den Klimawandel besser zurechtkommen. So soll ein Mischwald entstehen, der Artenvielfalt für die kommenden Jahrzehnte garantiert.

Waldpflege ist aktiver Klimaschutz

Verbindet die Stadt Ziele für eine Bewirtschaftung des Waldes?

Markus Schlösser sagt, dass man das Thema Wirtschaftlichkeit und Waldwert von zwei Seiten aus betrachten muss. Reine Wälder, in denen Bäume gesetzt werden, um sie später zu fällen und zu verkaufen, sei nicht mehr das einzige Ziel. Denn mit Holz lasse sich kein Geld verdienen. Solches Holz werde aber zukünftig auch bei Waldpflegearbeiten weiter anfallen. Gegenüber einer Monokultur etwa mit Fichten habe der Mischwald den Vorteil, jeweils in Teilen ersetzt werden zu können. Denn die neuen Bäume haben sehr unterschiedliche Lebenszyklen und erfordern dadurch keine gleichzeitigen, massiven Eingriffe auf großen Flächen.

Warum wird der Natur nicht überlassen, selbst nachzuwachsen?

Tatsächlich habe die Stadt Solingen den Wert eines gesunden Waldes im Blick, erklärt Schlösser. Als Areal für die Naherholung und die Freizeitgestaltung liege der geschätzt bei mehr als 30 Millionen Euro. Diesen Nutzen der Wälder gelte es, für die Gemeinschaft auch langfristig zu erhalten. Daher könne man der Natur jetzt nicht gänzlich allein überlassen, wie sie selbst die gerodeten Flächen mit neuen Pflanzen besetzt. Zwar lasse man der Natur dafür auch genug Raum, doch mit den klimaresistenteren Bäumen sei der Zweck des Erhalts der Waldflächen besser zu steuern.

Was kostet die laufende Wiederaufforstung der Wälder?

Mit 3,50 Euro pro Baum ist der Richtwert gegeben. Dafür kann der Baum gekauft, gepflanzt und kontrolliert werden. Für die 60.000 Bäume entstehen Kosten von rund 210.000 Euro. Planungs- und Umweltdezernent Andreas Budde kündigte an, dass in der Pflanzzeit im Herbst weitere 100.000 Bäume gepflanzt werden. Eingesetzt werden dazu Fördermittel vom Land NRW und private Spenden wie aus der Aktion „Blauer Wald. Dazu kommen Gelder aus dem städtischen Haushalt.

Bürgerhilfe

Zum Start der Pflanzaktion waren Schülerinnen und Schüler der Grundschule Gerberstraße und der Realschule Vogelsang im Einsatz. Die Stadt Solingen hat angekündigt, dass sie bei weiteren Wiederaufforstungen in ihren Wäldern Angebote machen wird, wie sich Bürgerinnen und Bürger daran beteiligen können. Gepflanzt wird immer in der Zeit zwischen Herbst und Frühjahr – solange die Jungbäume in der Vegetationspause sind.

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