Solinger Wirtschaft

Walbusch plant weiter mit Wachstum

Der Hauptsitz von Walbusch im Industriegebiet Scheuren. Künftig sollen hier vor allem Verwaltung und die Logistik von Marken der Walbusch-Gruppe sitzen. Die Logistik für Walbusch-Produkte zieht in ein großes Zentrum in Halle/Westfalen. Christian Busch, Hauptgesellschafter von Walbusch, gab das am Montag bekannt. Fotos: Michael Schütz
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Der Hauptsitz von Walbusch im Industriegebiet Scheuren. Künftig sollen hier vor allem Verwaltung und die Logistik von Marken der Walbusch-Gruppe sitzen. Die Logistik für Walbusch-Produkte zieht in ein großes Zentrum in Halle/Westfalen.

Christian Busch über seine Pläne in Westfalen, Gewerbesteuern für die Stadt und Flächen, die Firmen brauchen.

Herr Busch, was hat Sie bewogen, in ein Logistikzentrum in Halle/Westfalen zu investieren?

Christian Busch: Das größte Problem an logistischen Anlagen sind unterschiedliche Standorte. Da ist es egal, ob sie 300 Meter oder 5 Kilometer auseinanderliegen. Bei Walbusch in Scheuren liegt Ware in der Nummer 18, andere Ware in der 41 auf der anderen Straßenseite. Das ist nah, aber aus logistischer Sicht sind das zwei Standorte. Es gibt einen Lkw, der nur zwischen diesen beiden Standorten hin- und herfährt. So wird ein System langsam. Wenn ich also alle Ware einer Marke an einem Standort habe, ist das die beste Lösung.

Und da kam Halle ins Spiel.

Busch: Ich habe mich mit dem Standort Solingen gar nicht so intensiv beschäftigt, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass es hier eine Fläche dieser Größe gibt, die dazu mit einer so großen und hohen Halle bebaubar ist. Dazu kommt: Es ist eine Spezialimmobilie. Sollte Walbusch aus irgendeinem Grund ausziehen, ist sie kaum noch zu vermieten.

Wieso funktioniert das Zentrum, das für Gerry Weber gebaut wurde, auch für die Firma Walbusch?

Busch: Wir haben die glückliche Situation, dass das Lager vom selben Architekten geplant wurde und derselbe Logistik-Planungsberater aktiv war, der uns berät. Auf die Frage, ob das passt, habe ich schnell die Antwort bekommen, dass das funktionieren wird.

Was bedeuten die Pläne für den Standort Solingen?

Busch: Die Walbusch-Logistik soll in Halle zusammengezogen werden. Aber die Walbusch-Gruppe besteht ja auch aus Avena, Mey & Edlich und LaShoe. Diese Marken sollen nach und nach von Scheuren aus verschickt werden – wir werden dort Logistik und Verwaltung weiter nutzen. Derzeit sind wir in Scheuren zu 90 bis 95 Prozent ausgelastet. Wenn jetzt nach und nach Teile von Walbusch weggehen, dann schafft das Platz und ist aus Unternehmenssicht gut. Wir brauchen die Kapazität - kurzfristig, um umzubauen, langfristig, um weiter wachsen zu können. Es ist ein Geschenk, wie wir bislang durch die Krise kommen. Aber wir planen auch weiterhin mit Wachstum für die Zeit danach.

Was wird in Scheuren geschehen?

Christian Busch, Hauptgesellschafter von Walbusch.

Busch: In der heutigen Zeit ist die Erwartung der Kunden, dass am nächsten Tag geliefert wird, wenn bis zu einer bestimmten Uhrzeit bestellt wird. Also muss die Ware noch am Tag der Bestellung bei uns raus. Dafür müssen wir umrüsten. Auch Maschinen müssen erneuert werden. Wir reden von zweistelligen Millionen-Investitionen über zwei Jahre.

Sie modernisieren im Bestand. Ist auch eine Erweiterung in Scheuren Thema?

Busch: Ich halte am Ziel Wachstum fest. Insofern kann es gut sein, dass wir in einigen Jahren miteinander sprechen und es Sinn macht, in Solingen zu bauen. Ich bin am 1. April seit 20 Jahren bei Walbusch. Das Thema Kita Altenberger Weg beschäftigt uns mindestens schon so lange. Das Grundstück schneidet förmlich in unseres. Ich habe der Stadt also ganz klar gesagt, dass wir das Grundstück weiterhin kaufen möchten. Vor Jahren schien das Problem gelöst, dann kam eine Klage. Es gib ein neues Ersatzgrundstück, das Bebauungsplan-Verfahren läuft meines Wissens. Aber Sie sehen: Bis die Nachbarschaft eingebunden ist, Baurecht geschaffen wurde und die ersten Bagger rollen, vergeht viel Zeit. In Halle hat das alles keine Rolle gespielt, weil das Zentrum schon steht.

Hat Halle einen negativen Effekt auf die Gewerbesteuer-Einnahmen der Stadt Solingen?

Busch: Da wir Teile der Wertschöpfung zurück nach Solingen holen, kann hier sogar mehr Gewerbesteuer anfallen. Eine pauschale Aussage, dass die Steuer hier sinken wird, ist jedenfalls nicht richtig. Und einige Investitionen in Halle tätige ich als Christian Busch, nicht die Firma Walbusch – also ist das Firmenergebnis nicht betroffen. Kurzum: Im Augenblick kann aus meiner Sicht keiner die genauen Effekte beziffern.

Pauschal zu sagen, dass wir keine Flächen ausweisen, ist aus meiner Perspektive ein Offenbarungseid.

Christian Busch

Das Investment von Walbusch lässt Rufe nach einem Gewerbeflächenkonzept lauter werden. Was halten Sie von der Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt, die vorsieht, dass ab 2030 keine unversiegelten Flächen mehr für gewerbliche Nutzung bebaut werden dürfen?

Busch: Das halte ich für ein gesellschaftliches Problem, das aber nicht nur Solingen hat. Wenn wir florierende Unternehmen wollen und Arbeitsplätze, müssen wir etwas dafür tun. Klar ist es sinnvoll, darüber nachzudenken, vorhandene Flächen neu nutzbar zu machen. Das halte ich für richtig. Aber pauschal zu sagen, dass wir keine Flächen mehr ausweisen, ist aus meiner Perspektive ein Offenbarungseid. Solange in anderen Regionen neue Flächen ausgewiesen werden, muss sich niemand wundern, wenn die Firmen dann woanders hingehen. Das meine ich nicht als Drohung. Das ist einfach so. Zumal es Solingen mit den topographischen Einschränkungen schwer genug hat. Und mit Bebauungsplänen aus den 60er Jahren, als vorne die Firma war und hinten das Fachwerkhaus, in dem man lebte. Das ist unsere Geschichte, führt aber dazu, dass Flächen blockiert werden, weil dort zum Beispiel denkmalgeschützte Fachwerkhäuser stehen und die Interessen der Bewohner bei der Nutzung von Gewerbeflächen zu berücksichtigen sind.

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