Statistik

Solingen wächst nicht mehr

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Bevölkerungswachstum stockt seit Anfang vergangenen Jahres. Eine Gruppe sorgt dafür, dass die Zahlen nicht sinken.

Von Stefan Prinz

Die Einwohnerzahl der Klingenstadt ist seit Anfang des Jahres leicht zurückgegangen. Insgesamt ist sie aber stabil: Seit rund eineinhalb Jahren ist die Einwohnerzahl mit rund 162 000 Bewohnern gleich – mit leichten Ausschlägen nach unten und oben. Das rasante Wachstum der vergangenen Jahre scheint damit vorerst gestoppt.

Dass Solingen in den vergangenen Jahren nicht einen deutlichen Bevölkerungsrückgang hinnehmen muss, ist den Einwohnern mit Migrationshintergrund zu verdanken. In den letzten beiden Jahren ist ihre Zahl deutlich gestiegen – von rund 51 000 auf 55 000. Den höchsten Anstieg in diesem Bereich registrierten die Statistiker während des Höhepunktes der Flüchtlingskrise Ende 2015. Im gleichen Zeitraum ist laut der städtischen Statistiken die Zahl der „Deutschen ohne Migrationshintergrund“ zurückgegangen – von rund 109 654 auf 107 267.

Standpunkt von Stefan Prinz

Trotz dieser Zahlen legt man im Rathaus Wert auf die Feststellung, eine wachsende Stadt zu sein. „Es macht keinen Sinn, Menschen mit Migrationshintergrund gegen Menschen ohne Migrationshintergrund in der Bevölkerungsstatistik zu verrechnen oder auszuspielen, da sie nun einmal zur Solinger Bevölkerung gehören“, betont Stadtsprecher Lutz Peters auf Nachfrage unserer Zeitung.

Allerdings: „In Solingen wie im gesamten Bundesgebiet sinkt seit vielen Jahren die Zahl der Menschen ohne Migrationshintergrund“, heißt es aus dem Rathaus. „Auch in Solingen sterben mehr Menschen, als geboren werden, trotz des Babybooms von 2015. Ohne Menschen mit Migrationshintergrund wäre Deutschland ein schrumpfendes Land mit entsprechenden Folgen für Wirtschaft, Renten und Versorgung im Alter. Wie Bund, Länder und andere Kommunen dürfen also auch wir in Solingen froh sein über den Zuzug von Menschen mit Migrationshintergrund“, betont Lutz Peters. „Solinger erster und zweiter Klasse gibt es nicht. Solingen ist eine Integrationsstadt.“

„Solinger erster und zweiter Klasse gibt es nicht.“
Lutz Peters Stadtsprecher

Die Fachleute der Stadtentwicklung gehen davon aus, dass der Wohnraumbedarf in Solingen in den kommenden fünf Jahren aufgrund von wanderungsbedingtem Bevölkerungswachstum weiter ansteigt.

Untersuchungen haben gezeigt, dass Solingen zwischen 2004 und 2015 einige hundert Einwohner vor allem aus den westlich angrenzenden Kommunen gewonnen hat: aus Düsseldorf, Hilden und Langenfeld. Im Rathaus geht man davon aus, dass sich diese Binnenwanderung weiter fortsetzt.

Es soll Ziel des städtischen Stadtmarketings bleiben, „den Zuzug nach Solingen zu verstetigen“. Auch deshalb werde seit einem knappen Jahr an einem „Handlungskonzept Wohnen“ gearbeitet. Das ist einer langfristigen Strategie für die Entwicklung des Wohnungsmarktes in Solingen. Besonders auffällig ist in den städtischen Statistiken, dass der Anteil der Migranten in Solingen steigt, je jünger die Menschen sind.

MIGRATIONSHINTERGRUND

BEGRIFF Die Statistiker legen diesen Begriff weit aus: Als Einwohner mit Migrationshintergrund zählen alle Ausländerinnen und Ausländer und Eingebürgerte, aber auch im Ausland geborene Deutsche sowie Aussiedlerinnen und Aussiedler. Ferner Kinder unter 18 Jahren, von denen mindestens ein Elternteil einen Migrationshintergrund hat. Ein in Solingen geborenes Kind mit beispielsweise einem niederländischem Vater und „Alt-Solinger“ Mutter wäre demnach ein Mensch mit Migrationshintergrund, „aber doch unbezweifelbar ein festes Glied der Solinger Bevölkerung“, heißt es aus dem Rathaus. Das Gleiche gelte auch für ein Kind, das in Solingen geboren ist und dessen Eltern oder Großeltern aus der Türkei oder einem anderen Land nach Solingen eingewandert sind.

So ist beispielsweise zwischenzeitlich mehr als jedes zweite Neugeborene in der Klingenstadt ein Kind mit Migrationshintergrund. Während in der Gruppe der über 75-jährigen Einwohner der Migranten-Anteil gerade mal 11 Prozent beträgt, haben 56 Prozent aller Kinder bis drei Jahre in Solingen einen Migrationshintergrund.

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